Lungenkrankheit IPF: Neuer Wirkstoff senkt biologisches Alter um Jahre

Rentosertib zeigte in einer kleinen IPF-Studie niedrigere Werte biologischer Altersuhren; Aussagekraft und klinischer Nutzen bleiben jedoch offen.

Die Frage, ob sich das biologische Altern eines Menschen messen und sogar beeinflussen lässt, beschäftigt Forscher weltweit. Ein aktuelles Beispiel liefert der von Insilico Medicine (HKEX: 3696) entwickelte Wirkstoffkandidat Rentosertib, der gegen die Lungenkrankheit idiopathische Lungenfibrose (IPF) geprüft wird.

Ein am 7. September 2026 in Nature Biotechnology veröffentlichtes Paper berichtet, dass der Wirkstoff in einer Phase-IIa-Studie mit 42 IPF-Patienten (Durchschnittsalter 67 Jahre) über zwölf Wochen anhand von Blutproben Hinweise auf eine Senkung des biologischen Alters lieferte.

Zahlen aus der Studie

Laut den im Nature-Biotechnology-Paper dargestellten Daten sank das anhand von sechs Proteom-Uhren berechnete biologische Alter nach vier Wochen unter einer Tagesdosis von 60 Milligramm um 2,7 bis 3,5 Jahre.

In einer Gruppe, die zweimal täglich 30 Milligramm erhielt, zeigten laut einem Bericht vom 11. September 2026 fünf von sechs Uhren nach vier Wochen ein „jüngeres“ biologisches Alter, wobei eine Uhr eine Differenz von minus sechs Jahren auswies.

Zur klinischen Wirksamkeit verweisen Berichte auf eine bereits am 3. Juni 2025 in Nature Medicine veröffentlichte, randomisierte Studie mit 71 Teilnehmern: Unter der 60-Milligramm-Einmaldosis stieg die forcierte Vitalkapazität (FVC) um 98,4 Milliliter, während sie in der Placebogruppe um 20,3 Milliliter sank.

Einschränkungen der Ergebnisse

Mehrere Berichte weisen auf deutliche methodische Grenzen hin. Die gemessenen Effekte beruhen ausschließlich auf rechnerischen Schätzungen über sogenannte Aging-Clocks und belegen keine nachgewiesene Verlangsamung der biologischen Alterung. Die verwendeten Methoden sind nicht standardisiert, die Studiengruppe war klein, und die Sicherheit des Wirkstoffs bei gesunden Menschen wurde nicht untersucht.

Hinzu kommt, dass klassische harte Endpunkte wie Mortalität, Krankenhausaufenthalte oder Lungenfunktionswerte im Zusammenhang mit den Aging-Clock-Daten nicht berichtet wurden – die Uhren dienten lediglich als Surrogatparameter in einer kranken Kohorte von 43 Patienten.

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Die Nachricht klingt verheißungsvoll: Ein Wirkstoffkandidat gegen idiopathische Lungenfibrose ließ in einer Phase-IIa-Studie mit 42 Patienten das berechnete biologische Alter um bis zu 3,5 Jahre sinken. Doch die Forscher selbst bremsen — die Effekte beruhen auf Schätzungen über Proteom-Uhren, nicht auf bewiesener Verlangsamung der Alterung. Unser kostenloser Report ordnet ein, was die Daten wirklich hergeben und welche Fragen Sie Ihrem Arzt stellen sollten. Kostenlosen Gesundheits-Report anfordern

Auch eine direkte Korrelation zwischen der beobachteten FVC-Verbesserung und der gemessenen biologischen Alterung ließ sich laut einem Bericht nicht feststellen.

Ob der beobachtete Effekt auf einer direkten Anti-Aging-Wirkung des Wirkstoffs oder lediglich auf einer indirekten Verbesserung des Krankheitsverlaufs beruht, bleibt demnach unklar. In der zugrunde liegenden Phase-2-Studie mit 71 Teilnehmern brachen zudem 16 Patienten die Behandlung ab, unter anderem wegen Lebertoxizität und Durchfall.

Weiterer Entwicklungsweg

Für Rentosertib läuft inzwischen eine Phase-III-Studie unter dem Namen GENESIS-IPF-3 mit rund 320 IPF-Patienten an 47 Zentren über einen Zeitraum von 52 Wochen.

Laut einer Insilico-Mitteilung wurde der erste Patient am Peking Union Medical College Hospital dosiert; die Studie ist unter den Kennungen NCT07687459 und CTR20262475 registriert. Der Wirkstoff erhielt bereits im Februar 2023 von der US-Arzneimittelbehörde FDA den Orphan-Drug-Status. Eine Marktzulassung liegt bislang nicht vor.

Geschäftlich verzeichnete Insilico Medicine im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von rund 106 Millionen US-Dollar, ein Plus von 287 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, sowie einen bereinigten Nettogewinn von über 51 Millionen US-Dollar. Der Gesamtwert der 2026 abgeschlossenen Verträge des Unternehmens wird mit rund 7,3 Milliarden US-Dollar beziffert.

Einordnung

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Viele Best-Ager ab 55 kennen das ungute Gefühl, wenn die Lungenleistung nachlässt und niemand genau sagen kann, ob das normal oder ein Warnsignal ist. Neue Studien zu biologischen Alterungsuhren versprechen Orientierung — doch die Methoden sind nicht standardisiert und liefern bislang nur Korrelationen. Unser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Lungenfunktion richtig einordnen und welche Messverfahren heute wirklich aussagekräftig sind. Leitfaden zur Lungenalterung jetzt sichern

Die Rentosertib-Daten stehen exemplarisch für einen breiteren Trend: Aging-Clocks, die anhand von Proteom- oder Epigenom-Daten ein „biologisches Alter“ berechnen, werden zunehmend als Zusatzparameter in klinischen Studien herangezogen. Fachleute betonen jedoch wiederholt, dass solche Uhren bislang nur Korrelationen abbilden und keinen kausalen Nachweis einer verlangsamten Alterung liefern.

Erst die laufende Phase-III-Studie mit den vorgesehenen 320 Patienten über 52 Wochen dürfte zeigen, ob sich die in der kleineren Phase-IIa-Kohorte beobachteten Effekte auf klinisch relevante Endpunkte wie Lungenfunktion oder Krankheitsprogression übertragen lassen.