Der chinesische Elektronikhersteller Luxshare Precision Industry hat die entscheidende Hürde für seinen Börsengang in Hongkong genommen. Nach erfolgreicher Anhörung vor der Hongkonger Börse (HKEX) peilt das Unternehmen nun einen Börsengang an, der bis zu drei Milliarden Euro einbringen könnte. Das wäre einer der größten IPOs des Jahres in der ehemaligen britischen Kronkolonie.
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Grünes Licht aus Peking und Hongkong
Bereits Anfang Juni hatte die chinesische Wertpapieraufsicht (CSRC) grünes Licht für die Notierung von H-Aktien gegeben und die Emission von bis zu 441 Millionen Aktien genehmigt. Die Finanzhäuser Citic Securities, Goldman Sachs und CICC begleiten den Börsengang als Joint Sponsoren. Die Nachricht von der erfolgreichen Anhörung ließ die Luxshare-Aktie an der Shenzhener Börse am 24. Juni um rund zehn Prozent auf 75,05 Yuan steigen. Die Marktkapitalisierung liegt damit bei umgerechnet rund 549 Milliarden Yuan – etwa 70 Milliarden Euro.
Vom Zulieferer zum Apple-Partner
Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren vom einfachen Komponentenlieferanten zum zentralen Auftragsfertiger für High-End-Elektronik entwickelt. Luxshare produziert unter anderem AirPods, iPhones, Apple Watches und das Vision-Pro-Headset. Diese strategische Neuausrichtung zahlte sich aus: 2025 erzielte der Konzern einen Umsatz von 332,3 Milliarden Yuan – ein Plus von 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Nettogewinn legte ebenfalls um 24 Prozent auf 16,6 Milliarden Yuan zu.
Neue Geschäftsfelder: Auto und Optik
Mit 80 Prozent dominierte das Konsumentenelektronik-Geschäft 2025 zwar noch die Erlöse. Doch Luxshare treibt die Diversifizierung voran. Der Automobilsektor verzeichnete im vergangenen Jahr einen Umsatzsprung – das Segment macht nun rund zwölf Prozent des Gesamtgeschäfts aus. Parallel dazu baut der Konzern sein Engagement in der optischen Kommunikation aus. Die 800G-Siliziumphotonik-Technologie befindet sich bereits in der Serienproduktion, 1,6T-Module durchlaufen derzeit die Validierung.
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Nachhaltigkeitsziele und Führungsriege
Parallel zum Börsengang veröffentlichte Luxshare am 23. Juni seinen Nachhaltigkeitsbericht für 2025. Das Unternehmen strebt bis 2050 Klimaneutralität an und hat seine wissenschaftlich fundierten Ziele am 1,5-Grad-Klimaziel ausgerichtet. Bereits 64 Prozent des gesamten Energieverbrauchs stammen aus sauberen Quellen. Im Vergleich zu 2022 konnten die Emissionen der Scopes 1 und 2 um 25 Prozent gesenkt werden.
Auch international sorgte die Führungsriege für Aufmerksamkeit. Grace Wang, Vorstandsvorsitzende und CEO von Luxshare, wurde am 23. Juni unter die zehn mächtigsten Frauen der Wirtschaftswelt gewählt. Unter ihrer Leitung stieg der Frauenanteil im Aufsichtsrat auf 37,5 Prozent.
Hongkong als Drehscheibe für Tech-IPOs
Der geplante Börsengang von Luxshare, der für Juli 2026 erwartet wird, reiht sich in eine Welle von Tech-Listings in Hongkong ein. Erst am 22. Juni hatte der Elektronikzulieferer Lingyi iTech angekündigt, über eine Hongkong-Notierung mehr als eine Milliarde Euro einsammeln zu wollen.
Die jüngsten Debüts in der Branche zeigen eine starke Nachfrage von Privatanlegern. Die Aktien des Batterieseparator-Herstellers Shenzhen Senior Technology Material legten am 23. Juni an ihrem ersten Handelstag in Hongkong um über 22 Prozent zu – die öffentliche Zeichnung war massiv überzeichnet. Der milliardenschwere Luxshare-IPO wird nun zeigen, ob die Anleger auch bei großen Industrie- und Technologiewerten zugreifen.

