M&A-Boom: KI-Nachfrage treibt Übernahmen um 40 Prozent

Das weltweite Transaktionsvolumen steigt um 40 Prozent. US-Energiekonzerne und Tech-Riesen investieren Milliarden in KI-Infrastruktur und Daten.

Getrieben von der unstillbaren Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz stieg das weltweite Transaktionsvolumen binnen Jahresfrist um 40 Prozent. 2025 wird damit zum zweitstärksten Jahr für Unternehmenszusammenschlüsse seit einem Jahrzehnt – und der Ausblick auf 2026 verspricht weiteres Wachstum.

Laut einer aktuellen Analyse von Morgan Stanley wurden allein 60 Deals mit einem Wert von jeweils über zehn Milliarden Euro abgeschlossen. Das setzt Maßstäbe, von denen auch deutsche Unternehmen profitieren könnten.

US-Versorger investieren Milliarden in KI-Infrastruktur

Besonders spektakulär fällt die Entwicklung im US-Energiesektor aus. Dort wurden in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 bereits 203,6 Milliarden Euro an Übernahmen registriert – mehr als im gesamten Vorjahr (141,7 Milliarden Euro). Der Grund: KI-Rechenzentren verschlingen Unmengen an Strom.

Allein 151,5 Milliarden Euro entfielen auf Deals, die direkt mit der Energieversorgung von KI-Infrastruktur zusammenhängen. Der größte Deal: NextEra Energy übernimmt Dominion Energy für 112 Milliarden Euro. Branchenexperten sehen darin eine direkte Reaktion auf den massiv steigenden Strombedarf durch KI-Anwendungen.

Tech-Konzerne rüsten mit Milliarden auf

Die großen IT-Dienstleister stocken ihre Budgets für Zukäufe massiv auf. Accenture hat sein Akquisitionsbudget für das Geschäftsjahr 2026 auf umgerechnet neun Milliarden Euro verdoppelt. Das Geld fließt in industrielle KI, Cybersicherheit und die sogenannte Creator Economy.

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Mehrere spektakuläre Übernahmen wurden bereits abgeschlossen:

  • Apple sicherte sich das israelische Startup Q.ai für rund zwei Milliarden Euro. Das Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, die Mikrobewegungen der Gesichtshaut für nonverbale Kommunikation in Wearables wie Kopfhörern oder Brillen nutzt.
  • Mobileye übernahm Mentee Robotics für 900 Millionen Euro. Das auf humanoide Roboter spezialisierte Unternehmen war im März 2025 noch mit 162 Millionen Euro bewertet worden und agiert nun als eigenständige Einheit.
  • Persistent Systems kaufte Nagarro für 1,27 Milliarden Euro – eine der größten IT-Übernahmen Indiens. Damit entsteht der siebtgrößte IT-Dienstleister des Landes.
  • IBM schloss die Übernahme von Confluence für rund 16 Milliarden Euro ab, während SAP mit dem Zukauf von Reltio seine Datenstrategie schärfte.

Vom Modell zum Datenschatz

Die Strategie der Tech-Konzerne verschiebt sich. Statt in die Entwicklung großer Sprachmodelle (LLMs) zu investieren, rückt der Erwerb hochwertiger Datensätze in den Fokus. Gartner hatte bereits 2025 „KI-ready Data“ als entscheidende Technologie für die Skalierung von Unternehmen identifiziert.

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Eine Umfrage von EY Korea zeigt: 95 Prozent der südkoreanischen CEOs planen, ihre M&A-Aktivitäten auszuweiten – im globalen Durchschnitt sind es 89 Prozent. Während weltweit langfristiges Wachstum und Technologiezukäufe im Vordergrund stehen, sorgen sich koreanische Manager vor allem um geopolitische Risiken und bürokratische Hürden.

Warnsignale aus der Finanzwelt

Trotz der Euphorie mahnen Experten zur Vorsicht. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt davor, dass die schuldenfinanzierten KI-Investitionen eine Finanzkrise auslösen könnten. Die fünf größten Cloud-Anbieter werden voraussichtlich mehr als eine Billion Euro in KI-Infrastruktur investieren – verteilt auf 2025 und 2026.

Die BIZ verweist auf Risiken durch „Chipflation“ – die steigenden Halbleiterpreise. Diese haben dazu beigetragen, dass die US-Inflation im Mai 2026 mit 4,2 Prozent den höchsten Stand seit drei Jahren erreichte. Zudem fürchten Investoren in der IT-Branche sinkende Margen und überhöhte Kaufpreise für KI-Startups. Der Erfolg der Übernahmewelle wird letztlich davon abhängen, ob die Integration der zugekauften Firmen gelingt.