Der Technologiekonzern prüft offenbar, die günstigste Variante seines neuen Einsteiger-Laptops MacBook Neo einzustellen. Grund sind explodierende Kosten für Speicherchips und eine angespannte Lieferkette.
„RAMageddon“ trifft Apples Budget-Strategie
Die Halbleiterbranche erlebt derzeit eine beispiellose Preisexplosion. Im ersten Quartal 2026 verteuerten sich DRAM-Chips um rund 90 Prozent. Grund: Die großen Hersteller wie Samsung, SK Hynix und Micron konzentrieren sich zunehmend auf profitable KI-Anwendungen. Für das zweite Quartal erwarten Experten weitere Preissteigerungen von 40 bis 50 Prozent – sowohl bei DRAM als auch bei NAND-Flash-Speicher.
Apple hat bereits reagiert. Anfang Mai strich der Konzern die 256-GB-Version des Mac Mini – bisher das günstigste Tor zum Apple-Universum für 599 Euro. Der Einstiegspreis stieg um 200 Euro auf nun 799 Euro. Ein ähnliches Szenario zeichnet sich nun für das MacBook Neo ab.
Da der Einstieg in die Mac-Welt preislich immer anspruchsvoller wird, lohnt es sich, das Beste aus der vorhandenen Hardware herauszuholen. In diesem kostenlosen PDF-Ratgeber erfahren Sie, wie Sie mit den 19 wichtigsten Tastenkombinationen Ihre Produktivität sofort steigern. Die 19 besten Mac-Shortcuts kostenlos sichern
Die Speicherkomponenten machen inzwischen über 30 Prozent der Materialkosten bei Einsteiger-Laptops aus. Während Konkurrenten wie Asus, Acer und Lenovo ihre Preise bereits um 10 bis 25 Prozent angehoben haben, versuchte Apple zunächst, die Preise stabil zu halten. Doch die Lieferzeiten für das MacBook Neo liegen aktuell bei 15 bis 23 Tagen – ein klares Zeichen für Engpässe.
Vom Ausschuss zum Herzstück: Das A18-Pro-Chip-Problem
Das MacBook Neo war seit seiner Markteinführung im Frühjahr ein überraschender Erfolg. Tim Cook sprach in der jüngsten Bilanzkonferenz von „außergewöhnlich hoher Nachfrage“. Apple verdoppelte daraufhin das Produktionsziel von ursprünglich 5 bis 6 Millionen auf 10 Millionen Einheiten.
Doch genau hier liegt das Problem. Ursprünglich verbaute Apple im Neo sogenannte „binned“ A18-Pro-Chips – Prozessoren mit fünf aktiven GPU-Kernen statt der sechs im iPhone 16 Pro. Diese Chips waren eigentlich Ausschussware, die nicht die vollen Spezifikationen für die High-End-Smartphones erfüllte. Doch die Produktion des iPhone 16 Pro läuft aus – und damit auch der Nachschub an diesen günstigen Chips.
Apple muss nun voll funktionsfähige A18-Pro-Chips mit sechs GPU-Kernen für das Neo fertigen. Das treibt die Kosten pro Gerät deutlich nach oben. Die derzeit für 699 Euro angebotene Einstiegsvariante mit 256 GB Speicher und ohne Touch ID steht damit auf der Kippe. Fällt sie weg, würde das Neo künftig bei 799 Euro starten – für die Version mit 512 GB Speicher.
macOS 27: KI schiebt die Hardware-Anforderungen nach oben
Der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein. Am 8. Juni 2026 will Apple auf der Entwicklerkonferenz WWDC macOS 27 vorstellen. Das Betriebssystem soll die umstrittene „Liquid-Glass“-Optik des Vorgängers überarbeiten und mit einer neuen Siri-Version auf Basis eines Gemini-Chatbots ausgestattet werden.
Diese KI-Funktionen brauchen Leistung. Tim Cook zufolge sind KI-Entwickler inzwischen ein bedeutender und wachsender Kundenkreis für Mac-Hardware. Höhere Basis-Speicherkonfigurationen sind die logische Konsequenz – auch wenn das den Einstiegspreis nach oben treibt.
Angesichts der neuen Funktionen in macOS 27 wird eine effiziente Bedienung des Betriebssystems immer wichtiger, um im Arbeitsalltag nicht den Überblick zu verlieren. Dieser Report zeigt Ihnen die nützlichsten Tastenkombinationen, mit denen Sie das lästige Suchen in Menüs am Mac endlich beenden. Jetzt Gratis-Report für schnelleres Arbeiten am Mac herunterladen
Markt im Umbruch: Zwischen Rekordumsatz und Preis-Dilemma
Der PC-Markt insgesamt schrumpft – IDC prognostiziert für 2026 einen Rückgang um 11,3 Prozent. Apple trotzt dem Trend: Die Mac-Sparte setzte im zweiten Quartal 2024 umgerechnet rund 7,7 Milliarden Euro um, angetrieben vom Neo und dem MacBook Air M4.
Doch der Preisdruck wächst. Händler bieten das MacBook Air M4 mit 16 GB RAM bereits für 799 Euro an – die Preisschere zwischen Neo und Air schließt sich damit gefährlich.
Langfristige Strategie: Intel als Partner gegen die Chip-Krise
Apple arbeitet bereits an einer Lösung für die Zukunft. Gemeinsam mit Intel soll ab 2027 die Chip-Produktion in den USA starten – zunächst für künftige M-Serien-Prozessoren im 18A-Verfahren. iPhone-Chips sollen ab 2028 folgen. Bis dahin bleibt Apple jedoch von TSMC abhängig, das im September 2026 mit der Fertigung von 2-nm-Chips für das iPhone 18 Pro beginnen will.
Was bleibt vom günstigen Mac?
Für Bildungseinrichtungen und Erstkäufer steht viel auf dem Spiel. Die Ära des Mac unter 700 Euro neigt sich offenbar dem Ende zu. Branchenbeobachter erwarten, dass Apple die verbleibenden Neo-Modelle mit neuen Farbvarianten oder kleinen Updates aufwerten könnte – um den höheren Startpreis von 799 Euro zu rechtfertigen.
Der Trend ist eindeutig: Leistungsstarke Komponenten und der Zug zur KI-fähigen Hardware treiben die Mindestinvestition für moderne Computer in die Höhe. Wer auf ein besonders günstiges OLED-MacBook Ultra hofft, muss sich übrigens bis Anfang 2027 gedulden – dieses Projekt wurde verschoben.

