Das Technologieunternehmen Glide.id hat die öffentliche Beta-Phase für seine neue Authentifizierungslösung MagicalAuth eingeleitet. Die Technologie zielt darauf ab, die herkömmliche Zwei-Faktor-Authentifizierung via SMS-Einmalcodes (OTP) durch ein sichereres, SIM-basiertes Verfahren zu ersetzen.
Das System ist bereits für die Betriebssysteme iOS und Android verfügbar und wird zum Start von den US-Mobilfunkbetreibern AT&T, T-Mobile und Verizon unterstützt.
Anstelle von numerischen Codes, die per Textnachricht versendet werden, nutzt MagicalAuth kryptografische Schlüssel, die direkt in der SIM-Karte des Mobiltelefons hinterlegt sind. Die Authentifizierung erfolgt laut Unternehmensangaben im Hintergrund innerhalb von Sekundenbruchteilen.
Ein wesentlicher Sicherheitsaspekt der Technologie ist die Echtzeiterkennung von SIM-Wechseln. Sollte eine SIM-Karte missbräuchlich getauscht werden, blockiert das System neue Karten kurzzeitig, um sogenannte SIM-Swap-Angriffe zu verhindern.
Globale Expansion und regulatorischer Rahmen
Eran Haggiag, CEO von Glide.id, erklärte dazu, dass durch den Wegfall von Codes keine Angriffsfläche für klassisches Phishing mehr bestehe. Während die Technologie in Deutschland, Großbritannien und Spanien bereits integriert ist, plant das Unternehmen für das Jahr 2026 die Expansion nach Kanada.
Der Markteintritt erfolgt vor dem Hintergrund eines weltweit steigenden regulatorischen Drucks. Insbesondere in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indien, Vietnam und auf den Philippinen wurden zuletzt die Anforderungen an die digitale Identität und Authentifizierung verschärft.
Wer sich mit dem Schutz digitaler Identitäten befasst, sollte die Technologie kennen, die Passwörter und Codes überflüssig macht. Dieser kostenlose Report zeigt, wie Sie Passkeys bei Amazon, Microsoft und WhatsApp sofort einrichten. Was steckt hinter Passkeys – der Technologie, die Passwörter für immer ablösen soll?
Auch in Ägypten gibt es Fortschritte: Die Zentralbank des Landes (CBE) genehmigte kürzlich die Regulierung für eine Plattform zur digitalen Finanzidentität (DFI), die eine elektronische Kundenidentifikation (eKYC) und Kontoeröffnungen ohne Filialbesuch ermöglichen soll.
Steigender Handlungsbedarf durch massive Betrugsschäden
Die Notwendigkeit für sicherere Verfahren wird durch aktuelle Zahlen der US-Handelsbehörde FTC verdeutlicht. Demnach beliefen sich die Verluste durch Betrug im Jahr 2025 auf insgesamt 15,9 Mrd. USD, nachdem der Wert im Vorjahr noch bei 12,5 Mrd. USD gelegen hatte. Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei Text-Scams: Die Verluste in diesem Bereich betrugen 2024 rund 470 Mio. USD, was einer Verfünffachung gegenüber dem Jahr 2020 entspricht.
Sicherheitsexperten von Cisco Talos warnten zudem vor hochmodernen Angriffsmethoden. Ein neu entdecktes Phishing-Framework namens „JWR“ klont die Webseiten namhafter Dienste wie PayPal, Klarna, Shopify oder Apple sowie diverse Bankportale.
Die Eingaben der Opfer werden dabei via WebSocket in Echtzeit an die Angreifer übertragen. Dieses Framework wird mit einer Phishing-Plattform namens „Outsider“ in Verbindung gebracht, die seit 2023 weltweit Schäden in Höhe von 1,9 Mrd. USD verursacht haben soll, bevor sie im Juni 2026 durch das FBI zerschlagen wurde.
Aktuelle Bedrohungen für Bankkunden
Trotz dieser Erfolge der Strafverfolgungsbehörden bleiben die Risiken hoch. Das FBI warnt aktuell vor der Plattform „Kali365“, die Microsoft-365-Konten unter Umgehung der Multifaktor-Authentifizierung (MFA) kompromittiert. In Deutschland sehen sich Sparkassen-Kunden derzeit mit betrügerischen E-Mails konfrontiert, die ein angebliches Update für das S-pushTAN-Verfahren fordern und auf Phishing-Seiten verlinken.
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Auch im institutionellen Bereich steigt der Druck zur Modernisierung der IT-Infrastruktur. Die Landwirtschaftliche Rentenbank wurde aufgrund von IT-Mängeln von der Finanzaufsicht Bafin gerügt. Das Institut plant nun Investitionen von rund 130 Mio. € für eine umfassende IT-Modernisierung und Migration, die bis Ende 2027 abgeschlossen sein soll.
Parallel dazu kündigte Google neue Sicherheitsfunktionen für Android an, darunter eine Deepfake-Erkennung sowie ein erweitertes System für verifizierte Finanzanrufe, um Nutzer vor betrügerischen Anrufen zu schützen.

