Die internationalen Aktienmärkte verzeichnen einen deutlichen Ausverkauf bei Halbleiter- und Technologieunternehmen. Neben den politischen Weichenstellungen nach den US-Midterms und drohenden Hürden beim Ausbau der Rechenzentrumsinfrastruktur geraten die Branchenwerte durch enttäuschende Unternehmensprognosen unter erheblichen Abgabedruck.
Besonders der Halbleiterkonzern Qualcomm trübte die Marktstimmung ein: Das Papier fiel um über 9 Prozent, nachdem das Unternehmen eine enttäuschende Prognose abgegeben und die Umsatzerwartungen bei Smartphone-Chips verfehlt hatte. Wie CEO Cristiano Amon mitteilte, belief sich der Quartalsumsatz im Segment der Rechenzentren auf 650 Millionen US-Dollar.
Schwere Kursverluste an der Wall Street
Der Abwärtstrend erfasste den gesamten US-Technologiesektor in der Breite. Der S&P 500 sank um 4,4 Prozent auf 7.353,73 Punkte, während der Dow Jones Industrial ein Minus von 3,4 Prozent auf 51.523,06 Zähler verzeichnete.
Nach vorliegenden Daten verloren die im S&P 500 gelisteten Unternehmen einen Rekordwert von 2,9 Billionen US-Dollar (2,6 Billionen Euro) an Marktwert; insgesamt wird der Verlust an Marktwert auf bis zu 2,5 Billionen US-Dollar beziffert.
Branchenprimus Nvidia verlor über 9 Prozent und büßte fast 450 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung ein. Bei AMD und Micron sackten die Kurse um jeweils über 17 Prozent ab, während Applied Materials zweistellige Einbußen verbuchte. Intel schloss mit einem Minus von 10,3 Prozent, und SanDisk brach um über 22 Prozent ein.
Auch außerhalb der reinen Chipbranche gerieten Technologietitel massiv unter Druck: Tesla gab um 11 Prozent nach, während SpaceX Rückgänge zwischen 8 und 9 Prozent registrierte, was zusammen mehr als 300 Milliarden US-Dollar an Marktwert vernichtete.
Die Gruppe der sogenannten „Magnificent Seven“ um Apple, Nvidia und Tesla verlor an einem einzigen Handelstag 1 Billion US-Dollar an Wert. Die großen Hyperscaler Meta, Alphabet, Amazon und Microsoft fielen jeweils um 2 bis 4 Prozent.
Unsicherheiten beim Rechenzentrumsausbau
Zusätzliche Verunsicherung schaffen veränderte politische Rahmenbedingungen in den USA. Nach den Wahlen, bei denen die Demokraten Sitze im Senat und Repräsentantenhaus sowie Gouverneursposten in Texas, Ohio, Georgia, Nevada und Iowa gewannen und Senator Jon Ossoff in Georgia wiedergewählt wurde, gerät der Ausbau von Rechenzentren in den Blickpunkt. Meta-Präsidentin Dina Powell McCormick merkte an, dass der Bau von Rechenzentren nach den Wahlen schwieriger werde.
Die designierte Gouverneurin von Texas, Gina Hinojosa, kündigte ein Moratorium für den Neubau von Rechenzentren an. Branchenanalysen von Cleanview zufolge entfallen rund 40 Prozent der geplanten US-Kapazitäten für Rechenzentren auf Bundesstaaten mit entsprechenden Pausierungszusagen neuer demokratischer Amtsinhaber.
Zudem fordert Senator Bernie Sanders ein landesweites Moratorium, während Ex-Präsident Donald Trump auf Truth Social die Demokraten für die Markteinbrüche verantwortlich machte. Von 41 lokalen Bürgerentscheiden zu Rechenzentren in zehn US-Bundesstaaten scheiterte lediglich eine Vorlage in Harwood, North Dakota.
Globale Abwärtsspirale an den asiatischen und europäischen Börsen
Die Verkaufswelle griff unmittelbar auf die weltweiten Handelsplätze über. In Südkorea schloss der Leitindex KOSPI nach Handelsunterbrechungen durch automatisierte Schutzmechanismen mit einem Minus von 6,02 Prozent bei 5.059,69 Punkten. Samsung Electronics fiel um 6,35 Prozent, während SK Hynix 10,44 Prozent verlor.
In Japan gaben Tokyo Electron zwischen 7,3 und 9 Prozent sowie SoftBank um 11,6 Prozent nach; Advantest verlor 12,2 Prozent. In Taiwan schloss TSMC nach zwischenzeitlich deutlich höheren Verlusten 4,7 Prozent im Minus, Foxconn sank um 9,4 Prozent.
In Europa zeigten sich Halbleiterwerte ebenfalls stark belastet: Infineon büßte 8,5 Prozent ein, ASML fiel um 6,5 Prozent. Der gesamteuropäische Index STOXX Europe 600 verlor im weiteren Handelsverlauf zwischen 1,2 und 1,6 Prozent. Marktbeobachter wie der Goldman-Sachs-Stratege Timothy Moe führten den weltweiten Druck vor allem auf das Auslösen von Stop-Loss-Marken, Positionsabbau und die generell hohe Volatilität zurück.

