Bastian Baudy, der seit Anfang des Jahres die Leitung des Mercedes-Benz-Designs übernommen hat, strebt eine strategische Neuausrichtung bei der Gestaltung von Fahrzeuginnenräumen an. Wie aus aktuellen Branchenberichten hervorgeht, plant der Nachfolger von Gorden Wagener eine Abkehr von der bisherigen Dominanz rein digitaler Anzeigenflächen.
Stattdessen sollen künftig wieder vermehrt haptische Schalter, physische Knöpfe und klassische Materialien wie Holz und Metall zum Einsatz kommen, um die Wertigkeit der Cockpits zu steigern.
Strategiewechsel verbindet Digitalisierung mit klassischer Haptik
Baudy betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Materialität und Qualität, die Fahrzeuge der Marke seit jeher ausgezeichnet hätten. Während Bildschirme in modernen Autos weiterhin sinnvoll seien, dürfe das Fahrzeug nicht auf einen reinen Bildschirm reduziert werden.
Der neue Designchef orientiere sich bei seinem Kurs unter anderem an der Formsprache früherer Jahrzehnte, insbesondere an der Ära von Bruno Sacco, der das Design zwischen 1987 und 1999 prägte.
Das Außendesign der kommenden Modelle soll hingegen sportlich und progressiv bleiben. Ein zentrales Ziel sei dabei die Wiedererkennbarkeit eines Mercedes-Benz aus einer Distanz von 200 Metern, unabhängig davon, ob es sich um ein Elektroauto oder ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor handelt.
Kundenfeedback und neue Modelle mit mechanischen Bedienelementen
Auch der Vertriebsbereich bestätigt den Trend zur haptischen Rückbesinnung. Laut Vertriebschef Mathias Geisen verlange das Kundenfeedback wieder nach direkten Tasten für Kernfunktionen. In der kommenden Generation der GLC- und C-Klasse, die auf der neuen MB.EA-Plattform basieren und deren Marktstart für das vierte Quartal 2026 vorgesehen ist, wird diese Philosophie bereits sichtbar.
Mercedes kehrt bei den Innenräumen zu physischen Knöpfen, Holz und Metall zurück — der neue Designchef nennt das Auto ausdrücklich mehr als einen Bildschirm. Wer wissen will, welche Modelle das betrifft und woran man Wertigkeit im Cockpit erkennt, findet hier die wichtigsten Punkte kompakt zusammengefasst. Jetzt kostenlosen Überblick anfordern
Trotz eines MBUX Hyperscreens mit einer Diagonale von 39,1 Zoll und einer Breite von fast einem Meter werden physische Tasten vor der Mittelkonsole sowie mechanische Schalter am Lenkrad integriert.
Der für 2026 angekündigte GLC 400 4MATIC Electric verdeutlicht zudem die technischen Eckpunkte der neuen Elektro-Plattform: Neben einem 800-Volt-System und einer nutzbaren Batteriekapazität von 94 kWh bietet das Modell ein größeres Platzangebot im Innenraum und ein Kofferraumvolumen von bis zu 1.740 Litern bei umgeklappten Rücksitzen.
In der kürzlich vorgestellten S-Klasse finden sich zudem spezifische Bedienelemente wie ein mechanischer Lautstärke-Roller sowie haptische Schalter für das Distronic-System.
Branchenweiter Trend und Sicherheitsaspekte
Die Entscheidung zur Wiedereinführung physischer Bedienelemente steht im Kontext verschärfter Anforderungen durch Euro NCAP. Ab dem Jahr 2025 plant die Organisation, die Bewertung der Bedienung von Basisfunktionen wie Blinkern, Warnblinkern oder Scheibenwischern zu verschärfen, sofern diese ausschließlich über Touchscreens gesteuert werden.
Wissenschaftliche Untersuchungen stützen diesen Kurs: Studien zur Verkehrspsychologie zeigen, dass die Nutzung von Touchscreens während der Fahrt die Aufgabendauer verlängert und die Fahrleistung negativ beeinflussen kann.
Touchscreens lenken beim Fahren nachweislich ab — und Euro NCAP verschärft ab 2025 die Bewertung von Basisfunktionen wie Blinker oder Scheibenwischer. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, welche Hersteller wieder auf echte Schalter setzen und wie Sie beim nächsten Autokauf darauf achten. Checkliste jetzt kostenlos sichern
Neben Mercedes-Benz verfolgen auch andere Hersteller wie Volvo, Volkswagen, Hyundai und Kia ähnliche Ansätze und bringen Buttons für Schlüsselfunktionen zurück. Parallel dazu findet ein Wandel bei den verwendeten Materialien statt. So gab Nissan bekannt, künftig auf glänzenden schwarzen Kunststoff („Piano Black“) zu verzichten, da dieser anfällig für Fingerabdrücke und Kratzer sei.
Stattdessen setzt das Unternehmen auf mattierte oder texturierte Oberflächen und reduziert zudem den Einsatz von hellem Chrom aus ästhetischen und ökologischen Gründen. Ähnliche Tendenzen zum Verzicht auf Chrom zeigen sich auch bei Wettbewerbern wie BMW oder Jeep.

