Die Bewertung soll sich auf rund 20 Milliarden Euro verdoppeln – trotz eines schweren Sicherheitsvorfalls.
Vom Start-up zum Milliarden-Schwergewicht
Erst im Oktober 2025 hatte Mercor in einer Series-C-Runde 350 Millionen Euro eingesammelt – damals lag die Bewertung bei zehn Milliarden Euro. Nun, nur neun Monate später, strebt der KI-Trainingsspezialist das Doppelte an. Möglich macht das ein atemberaubendes Wachstum: Im Juni 2026 überschritt das annualisierte Bruttoumsatzvolumen die Zwei-Milliarden-Euro-Marke. Das entspricht einer Verdopplung binnen vier Monaten.
Doch die Zahlen täuschen. Denn von den Bruttoeinnahmen bleibt unterm Strich deutlich weniger übrig. Rund 60 bis 70 Prozent der Erlöse fließen direkt an die Freelancer, die das Unternehmen für seine Kernaufgabe benötigt: das Training hochentwickelter KI-Modelle.
Das Geschäftsmodell: Expertenwissen als Goldgrube
Mercor betreibt ein Netzwerk von über 30.000 Fachleuten, die im Schnitt 85 Euro pro Stunde verdienen. Täglich zahlt das Unternehmen zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro an diese Experten aus. Die Spezialisten liefern die qualitativ hochwertigen Daten, ohne die moderne KI-Systeme nicht funktionieren.
Das Nettoergebnis? Schätzungen zufolge liegt der Nettoumsatz zwischen 600 und 800 Millionen Euro. Die Differenz zum Bruttoumsatz ist enorm – aber offenbar akzeptabel für Investoren, die auf den boomenden KI-Markt setzen. Insgesamt hat Mercor bisher über 490 Millionen Euro eingesammelt.
Strategischer Zukauf: Deeptune soll KI-Agenten trainieren
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Am 9. Juli 2026 gab Mercor die Übernahme von Deeptune bekannt. Das Unternehmen entwickelt simulierte Software-Umgebungen, in denen KI-Agenten trainiert werden können. Eine logische Ergänzung: Während Mercor bislang vor allem menschliches Expertenwissen vermittelt, könnte die Simulationstechnologie künftig auch KI-gestütztes Training ermöglichen.
Die Übernahme kam nicht überraschend. Mercor-CEO Brendan Foody hatte bereits im März 2026 als Angel-Investor an Deeptunes Series-A-Runde teilgenommen. Die Finanzspritze von 43 Millionen Euro wurde damals von Andreessen Horowitz angeführt. Branchenkenner vermuten, dass Foody die Beteiligung von Anfang an mit Blick auf eine spätere Übernahme plante.
Sicherheitsvorfall überschattet Wachstum
Die aktuellen Bewertungsgespräche fallen in eine heikle Phase. Ende März 2026 wurde Mercor Opfer eines schweren Cyberangriffs. Die Hackergruppe Lapsus$ erbeutete vier Terabyte an Daten – darunter sensible Informationen von Kunden und Freelancern.
Der Angriff nutzte eine Schwachstelle in der Bibliothek LiteLLM aus, die als sogenannter Supply-Chain-Angriff gilt. Die Folgen waren massiv: Meta pausierte umgehend die Zusammenarbeit mit Mercor. Zudem reichten mehrere betroffene Freelancer Klagen ein.
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Trotz der Turbulenzen halten die großen KI-Entwickler dem Unternehmen die Treue. OpenAI, Anthropic und Google DeepMind zählen weiterhin zu den Kunden. Kein Wunder: Der Bedarf an hochwertigen Trainingsdaten übersteigt das Angebot bei Weitem – und Mercor gehört zu den wenigen Anbietern, die in diesem Maßstab liefern können.
Ob die Sicherheitslücken und rechtlichen Altlasten die Verhandlungen über die 20-Milliarden-Bewertung beeinflussen, bleibt abzuwarten. Das aggressive Wachstumstempo spricht jedoch eine klare Sprache: Mercor setzt voll auf Expansion – koste es, was es wolle.

