Nach den schweren Ausschreitungen beim „Sansad Chalo“-Marsch am 20. Juli hat die Polizei eine technische Sonderermittlung eingeleitet. Im Fokus stehen spezielle Bluetooth-Messenger, mit denen Demonstranten trotz abgeschalteter Mobilfunknetze koordiniert kommunizierten.
Anti-Terror-Einheit übernimmt Ermittlungen
Die Anti-Terror-Einheit Delhis durchleuchtet derzeit die digitale Infrastruktur der Protestbewegung. Die Ermittler wollen herausfinden, wie die Teilnehmer trotz gezielter Netzabschaltungen in Echtzeit kommunizieren konnten. Während der Demonstrationen hatte die Polizei in Teilen der Hauptstadt die 4G- und 5G-Dienste vorübergehend lahmgelegt.
Doch die Organisatoren waren darauf vorbereitet. Sie nutzten sogenannte Bluetooth-Low-Energy-Mesh-Netzwerke – eine Technologie, die ohne Internet- oder Mobilfunkverbindung auskommt. Die Nachrichten springen dabei von Gerät zu Gerät per Bluetooth und bilden ein dezentrales Kommunikationsnetz. Herkömmliche Störsender sind dagegen machtlos.
Verdächtige Apps unter der Lupe
Die Ermittler haben mehrere Apps ins Visier genommen, darunter Briar und Bitchat. Letztere wurde erst im Juli 2025 von Jack Dorsey auf den Markt gebracht und soll bereits über eine Million Downloads verzeichnen. Solche Technologien kamen bereits bei Protesten in Hongkong (2019), im Iran und in Myanmar zum Einsatz. Dass sie nun in Delhi massenhaft genutzt wurden, markiert einen Wendepunkt in der lokalen Protestkultur.
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Digitale Spurensuche mit Hochdruck
Die Polizei setzt bei der Fahndung auf eine Kombination aus Gesichtserkennung, CCTV-Analyse und IPDR-Auswertung (Internet Protocol Detail Records). Denn auch Mesh-Netzwerke sind nicht völlig immun gegen Metadaten-Überwachung. Die Behörden planen zudem, die App-Betreiber um Herausgabe von Nutzerdaten zu bitten.
Die Bilanz des 20. Juli ist erschreckend: 118 Polizisten und 70 Demonstranten wurden verletzt, 15 bis 20 Fahrzeuge beschädigt. Bislang wurden vier Strafanzeigen (FIRs) registriert.
Geplante Eskalation?
Die Ermittler werten zudem Chatprotokolle aus, die auf beschlagnahmten Geräten gefunden wurden. Darin sollen Strategien zur Aufrechterhaltung der Kommunikation bei Internetabschaltungen diskutiert worden sein. Auch die Rede von den „letzten Tagen der aktuellen Regierung“ taucht auf. Besonders brisant: In einigen Nachrichten soll erwogen worden sein, Todesfälle bei den Protesten politisch zu instrumentalisieren.
Die Ermittlungen konzentrieren sich auch auf Personen von außerhalb Delhis. Viele Teilnehmer reisten aus anderen Bundesstaaten an – einige waren offenbar mit Steinen und Pfefferspray ausgerüstet. Ein Politiker aus Nordost-Delhi steht im Verdacht, an der Koordination beteiligt gewesen zu sein.
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Die Bewegung hinter dem Protest
Die Organisation CJP entstand erst im Mai 2026 – zunächst als satirische Online-Bewegung nach einer umstrittenen Äußerung eines hochrangigen Richters am 15. Mai. Gründer Abhijeet Dipke wandelte die Gruppe später in eine ernsthafte Protestbewegung um, die sich unter anderem gegen den NEET-Prüfungsskandal richtet.
Die Ermittler analysieren derzeit rund 150 virale Videos, um den genauen Ablauf der Proteste zu rekonstruieren. Klar ist: Während WhatsApp-Gruppen für die erste Mobilisierung dienten, lief die taktische Koordination vor Ort über die nun im Fokus stehenden „geheimen“ Bluetooth-Apps.

