Die Schäden durch Internetkriminalität auf Handelsplattformen und über Messenger-Dienste haben ein erhebliches Ausmaß erreicht. Deutsche Nutzer sind im internationalen Vergleich überproportional betroffen. Gleichzeitig professionalisieren Kriminelle ihre Methoden durch Künstliche Intelligenz und spezialisierte Dienstleistungsplattformen.
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Deutsche Opfer zahlen besonders schnell
Analysen des Sicherheitsanbieters Kaspersky zeigen: Deutsche Opfer verlieren bei Messenger-Betrug im Durchschnitt 1.180 Euro pro Vorfall. Der globale Durchschnitt liegt bei 630 Euro. Ein entscheidender Faktor ist die Geschwindigkeit der Täter. Rund 44 Prozent der Betroffenen zahlen innerhalb von nur 30 Minuten nach der ersten Kontaktaufnahme.
Ende Mai meldeten Behörden aus Unterfranken Ermittlungserfolge. Drei Festnahmen stehen im Zusammenhang mit Betrugsversuchen durch falsche Bankmitarbeiter. Die Bedrohungslage bleibt jedoch hoch. In etwa 65 Prozent der Fälle wechseln Angreifer die Kommunikationskanäle, um Sicherheitsmechanismen der ursprünglichen Plattformen zu umgehen.
KI und Phishing-as-a-Service treiben die Entwicklung an
Die Qualität der Angriffe hat durch technologische Innovationen deutlich zugenommen. CrowdStrike beobachtete einen Anstieg KI-gestützter Cyberangriffe um 89 Prozent. Diese Technologien ermöglichen überzeugendere Nachrichten und simulieren emotionale Drucksituationen glaubhafter.
Das FBI warnt zudem vor Phishing-as-a-Service-Plattformen wie Kali365. Seit Frühjahr 2026 ermöglicht das Angebot Kriminellen, die Multi-Faktor-Authentifizierung von Microsoft-365-Konten zu umgehen. Die Täter manipulieren den Device-Code-Login und stehlen OAuth-Tokens. Seit Anfang 2025 sollen weltweit Schäden von über 262 Millionen Euro entstanden sein. Betroffen sind nicht nur Privatpersonen, sondern auch das Gesundheitswesen, die Fertigung und Regierungsorganisationen.
Reiseportale und soziale Medien im Visier
Ein aktueller Schwerpunkt liegt auf Buchungs- und Handelsplattformen. Nach einem Vorfall bei Booking.com im April 2026 nutzen Täter echte Buchungsdetails für Phishing-Kampagnen. Sicherheitsforscher warnen vor einer gezielten Angriffswelle im Umfeld von Großveranstaltungen. Für das dritte Quartal 2026 prognostizieren Experten: Der Anteil von Infostealer-Malware könnte auf etwa 20 Prozent steigen.
Meta schloss zum 1. Juni 2026 eine Sicherheitslücke in einem Support-Chatbot von Instagram. Auf Handelsplattformen wie Ricardo oder Kleinanzeigen beobachten Experten komplexe Verfahren wie den Dreiecksbetrug. Dabei werden Zahlungen vorgetäuscht oder Verkäufer auf gefälschte Bankseiten gelockt. Ein Fall aus der Schweiz illustriert die Schwere: Anfang März verlor eine Familie aus Bern über 40.000 Franken. Die Täter räumten trotz Zwei-Faktor-Authentifizierung das Konto.
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Sicherheitslücke zwischen Selbstbild und Realität
Trotz der steigenden Gefahr klafft eine Lücke zwischen Selbsteinschätzung und tatsächlicher Sicherheit. Rund 74 Prozent der Deutschen halten ihre Passwörter für sicher. Doch nur 32 Prozent nutzen modernere Verfahren wie Passkeys.
Neben dem Diebstahl großer Summen dienen auch Kleinstbeträge als Einstieg. Bei gefälschten WhatsApp-Gewinnspielen, die Marken wie Krombacher oder Adidas imitieren, fordern Täter oft eine geringe Gebühr von zwei Euro für den angeblichen Versand von Gewinnen. Das ist nur der Vorwand, um Kreditkarteninformationen für spätere, deutlich höhere Abbuchungen zu erlangen. Die Finanzaufsicht Bafin warnte zudem kürzlich vor betrügerischen Angeboten zum Tausch von Aktien über unlizenzierte Finanzplattformen.

