Nutzer können künftig ihre Telefonnummer verbergen und stattdessen mit einem individuellen Namen kommunizieren. Was nach mehr Privatsphäre klingt, sorgt jedoch für erhebliche Spannungen mit Aufsichtsbehörden.
Indien bremst die Einführung aus
Die indische Regierung hat Meta und Telegram offiziell zu ihren Nutzername-Funktionen vorgeladen. Das Ministerium für Elektronik und Informationstechnologie (MeitY) sieht erhebliche Risiken: In Indien dient die Telefonnummer traditionell als zentraler Anker für die digitale Identität und Rechenschaftspflicht. Könnte die Möglichkeit, diese zu verstecken, Phishing und sogenannte „Digital Arrest“-Betrugsmaschen Vorschub leisten?
Die Behörden verlangen von Meta, die Funktion in Indien vorerst zu pausieren. Eine rechtliche Prüfung läuft, innerhalb der nächsten 20 Tage soll eine formelle Stellungnahme folgen. Ein komplettes Verbot steht nicht im Raum, aber die Regierung drängt auf einheitliche Regeln für alle Plattformen. Meta betont, dass Nutzernamen optional und einmalig sind – und dass für Regierungsvertreter und öffentliche Personen reservierte Kennungen existieren.
Datenschutz in Europa – Sicherheitslücke für Nutzer?
In Europa ist die Funktion bereits seit Juni 2026 verfügbar und gilt als konform mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Doch Sicherheitsexperten schlagen Alarm: Bisher war die Telefonnummer ein stilles Vertrauenssignal. Wer sie teilte, gab ein Stück seiner Identität preis. Fällt dieser implizite Schutz weg, entsteht eine Lücke.
Europäische Cybersicherheitsanalysten verweisen auf Artikel 21 der NIS2-Richtlinie. Unternehmen müssten die sogenannten „Human-Layer-Risiken“ neu bewerten. Denn Nutzernamen bieten keine sekundäre Verifikation. Betrüger können leicht abgewandelte Versionen offizieller Namen verwenden – etwa minimale Variationen von Politikernamen – um ahnungslose Opfer zu täuschen. Ein aktueller Fall aus Singapur, bei dem ein Deepfake-Betrug Schaden in Höhe von 4,9 Millionen US-Dollar verursachte, zeigt, wie verwundbar digitale Kommunikation bleibt.
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Neue Angriffsmethoden und explodierende Betrugszahlen
Parallel zur Nutzername-Einführung entdeckten Sicherheitsforscher eine neue Bedrohung: den sogenannten „GhostPairing“-Angriff. Diese Methode ermöglicht Eindringlingen dauerhaften Zugriff auf ein WhatsApp-Konto, indem sie die Bestätigung für die Kopplung neuer Geräte manipulieren – ein Passwort wird nicht benötigt.
Die Zahlen sind alarmierend: Im ersten Halbjahr 2026 stiegen Betrugsfälle im Messaging-Bereich massiv an. E-Shop-Betrug legte um 109 Prozent zu, Amtsbetrug um 387 Prozent und der sogenannte „Familiennotfall“-Betrug sogar um 454 Prozent. Sicherheitssoftware blockierte weltweit rund 1,9 Milliarden Tracking-Versuche. Die Botschaft ist klar: Kriminelle setzen auf immer raffiniertere und hartnäckigere Methoden.
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So schützen Sie sich jetzt
Die Funktion wird schrittweise ausgerollt. Nutzer können einen Namen zwischen 3 und 35 Zeichen reservieren – sollten aber keine sensiblen persönlichen Daten darin verwenden. Die Polizei und Sicherheitsexperten empfehlen:
- Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren – sie bietet eine zusätzliche Sicherheitsebene.
- Misstrauisch bleiben bei jeder Geldforderung, selbst wenn sie scheinbar von einem bekannten Kontakt kommt.
- Identität prüfen über einen zweiten Kanal, bevor Sie auf Links klicken oder Daten weitergeben.
- Einfache Nutzernamen früh sichern, um zu verhindern, dass Betrüger sie für Identitätstäuschung verwenden.
WhatsApp reserviert weiterhin Namen für Unternehmen und VIPs. Doch die Verantwortung für die Identitätsprüfung verlagert sich zunehmend auf den einzelnen Nutzer. Der Abschied von der Telefonnummer als Identitätsanker ist ein großer Schritt – aber einer, der neue Wachsamkeit erfordert.

