Soziale Netzwerke verdienen in Europa Milliarden mit betrügerischen Anzeigen – und Verbraucher zahlen den Preis. Eine neue Studie zeigt das erschreckende Ausmaß des digitalen Betrugsgeschäfts, während in den USA ein Gesetz die Plattformen endlich in die Pflicht nehmen will.
Die Zahlen sind alarmierend: Allein 2025 erzielten Plattformen wie Meta, TikTok und YouTube in Europa rund 4,4 Milliarden Euro Umsatz mit betrügerischer Werbung. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung von Juniper Research im Auftrag des Fintechs Revolut hervor. Fast jede zehnte Anzeige, die Nutzer in Europa sehen, ist demnach ein Betrugsversuch. In Großbritannien liegt der durchschnittliche Schaden pro Opfer bei über 1.400 Euro.
Ein Milliardengeschäft auf Kosten der Nutzer
Das Problem wächst rasant. Im Vereinigten Königreich stiegen die Einnahmen aus Betrugs-Anzeigen seit 2022 um 56 Prozent auf 500 Millionen Euro im Jahr 2025. Jeder britische Nutzer sieht heute schätzungsweise 185 betrügerische Anzeigen pro Monat. In Irland beliefen sich die Einnahme der Plattformen auf 32 Millionen Euro, bei einem Durchschnittsschaden von fast 1.500 Euro pro Geschädigten.
Die Prognose ist düster: Ohne entschlossenes Eingreifen könnte das Volumen in Europa bis 2030 auf über 10 Milliarden Euro anwachsen. Die Zahl der Betrugs-Impressionen würde dann auf 1,4 Billionen steigen. Die Betrüger werden dabei immer raffinierter – sie imitieren seriöse Unternehmen, werben mit nicht existenten Produkten und nutzen das Vertrauen der Nutzer in die Plattformen schamlos aus.
USA preschen mit scharfem Gesetz vor
Auf diesen Druck reagiert nun die Politik. In den USA brachte eine parteiübergreifende Gruppe von Senatoren am 4. Februar 2026 den „SCAM Act“ ein. Das Gesetz soll die Spielregeln für soziale Netzwerke grundlegend ändern. Künftig müssten Plattformen „angemessene Schritte“ unternehmen, um betrügerische Werbung zu verhindern.
Konkret sieht der Entwurf vor, dass Anzeigenkunden vor der Schaltung identifiziert werden müssen – etwa durch amtliche Ausweise oder Handelsregistereinträge. Diese Verschiebung von „Know Your Customer“ zu „Know Your Advertiser“ wäre ein Paradigmenwechsel. Die US-Handelsaufsicht FTC und Bundesstaaten könnten bei Verstößen zivilrechtlich gegen die Unternehmen vorgehen. Die amerikanische Bankenvereinigung unterstützt den Vorstoß, da auch die Finanzbranche die Folgen der Betrugswelle zu spüren bekommt.
Das zerstörte Vertrauen und die menschlichen Schicksale
Hinter den Milliarden-Zahlen stehen zahllose Geschädigte, die ihr Erspartes verloren haben. Die Betrugsmaschen sind vielfältig: Gefälschte Krypto-Investitionen, Fake-Shops bekannter Marken oder dreiste Abofallen. Experten warnen, dass Nutzer in den sozialen Medien ihre Wachsamkeit senken – in dem falschen Glauben, die Plattformen würden die Inhalte prüfen.
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Dieser Vertrauensverlust wird langfristig zum Problem für die Netzwerke selbst. Kurzfristig mag das Geschäft mit Betrugs-Werbung lukrativ sein. Doch die Glaubwürdigkeit des gesamten Werbe-Ökosystems steht auf dem Spiel. Hinzu kommt: Oft sind es die Banken, die die Schäden ihrer Kunden ausgleichen müssen. Daten der irischen Zentralbank zeigen, dass 80 Prozent aller Zahlungsbetrugsfälle in sozialen Medien beginnen.
Wird 2026 die Wende für Big Tech?
Die Kombination aus vernichtenden Studienergebnissen und konkreten Gesetzesinitiativen markiert einen möglichen Wendepunkt. Der SCAM Act greift den bisherigen Haftungsschutz der Tech-Giganten direkt an. Sollte das Gesetz passieren, könnte es einen neuen globalen Standard für Werbekunden-Überprüfung setzen.
Die Zeit drängt. Juniper Research prognostiziert, dass europäische Nutzer 2030 bereits 250 Betrugs-Anzeigen monatlich sehen werden. Die Betrüger setzen zunehmend auf KI und Deepfakes, etwa für gefälschte Promi-Werbung. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Politik die sozialen Netzwerke dazu bringen kann, die Sicherheit ihrer Nutzer über die Profite aus krimineller Werbung zu stellen.





