Meta-Datenbrillen: Hamburgischer Datenschutzbeauftragter erklärt sie für rechtswidrig

Hamburgs Datenschutzbehörde sieht Meta-Ray-Ban-Brillen im öffentlichen Raum kaum DSGVO-konform einsetzbar; Tests zeigen zudem manipulierbare Aufnahmeanzeigen.

Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Thomas Fuchs, kommt in einem aktuellen Abschlussbericht zu dem Ergebnis, dass die Meta-Ray-Ban-Datenbrillen im Alltag kaum rechtssicher einsetzbar sind.

Laut den Untersuchungen des Experten können die Brillen im öffentlichen Raum kaum im Einklang mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) betrieben werden. Damit gerät eines der prominentesten Wearable-Produkte des Marktes unter erheblichen rechtlichen Druck.

Haftungsrisiken und technische Auffälligkeiten

Die Hamburger Behörde stellte fest, dass der Träger der Brille als datenschutzrechtlich Verantwortlicher haftet. Sobald jedoch Funktionen wie das KI-Training genutzt werden, entstehe eine gemeinsame Verantwortlichkeit zwischen dem Nutzer und dem Hersteller Meta gemäß Art. 26 DSGVO.

Eine Laboranalyse der ersten Generation der Meta Wayfarer legte zudem technische Details offen: Das Gerät verfügt über einen 32-GB-Flashspeicher ohne Standardanschlüsse.

In den analysierten Systemdaten fanden sich SQLite-Tabellen mit Bezeichnungen wie „face“ oder „face_group“, die derzeit zwar noch leer seien, laut den Testern jedoch auf eine kommende Funktion zur Gesichtserkennung hindeuten könnten.

Besondere Kritik gilt der Kontroll-LED, die Umstehende über eine laufende Aufnahme informieren soll. Diese sei bei Sonnenlicht kaum erkennbar und lasse sich zudem durch einfache Hilfsmittel wie Folien oder Kappen manipulieren.

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Bei Anfragen an die künstliche Intelligenz der zweiten Gerätegeneration leuchte die LED zudem gar nicht. Ein Test des Consumentenbond, der am 2. September 2026 mit der Softwareversion 127 durchgeführt wurde, bestätigte diese Bedenken.

Die Brille filmte demnach weiter, wenn die Aufnahmelampe mit einem speziellen Zubehör abgedeckt wurde, während herkömmliche Aufkleber die Aufnahme blockierten. Meta versprach zwar eine automatische Abschaltung bei Manipulationen der Lampe, doch die Verbraucherschützer fordern bereits ein Verbot der Geräte.

Internationale Gegenbewegung an Schulen und öffentlichen Orten

Die Skepsis gegenüber Smart Glasses wächst auch außerhalb Deutschlands. Im Schweizer Kanton Aargau reichte die Grossrätin Carol Demarmels einen Vorstoss ein, um die Risiken solcher Brillen sowie den Handlungsspielraum an Schulen klären zu lassen.

Im Aargau gilt bereits seit August 2025 ein Handyverbot an Schulen, wobei der Schulleitungsverband Visenti Aargau von zunehmenden Konflikten mit Eltern berichtet. Auch in der Ostschweiz, konkret in Wil, fordern politische Vorstösse klare Regeln für sensible Orte wie öffentliche Badeanstalten.

In Oslo wurde der Einsatz von Smart Glasses an Schulen bereits untersagt, während die französische Datenschutzbehörde CNIL zu erhöhter Wachsamkeit mahnt. In Großbritannien und Irland hat eine Petition mit dem Titel „Stop Smart Glasses“ bereits über 9.100 Unterschriften gesammelt; ab einer Marke von 10.000 Unterschriften ist die dortige Regierung zu einer Reaktion verpflichtet.

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Auch auf EU-Ebene fordern Abgeordnete strengere Regeln. Der Europäische Datenschutzausschuss hat für den Herbst 2026 einen Bericht zur sozialen Akzeptanz dieser Technologien in Auftrag gegeben.

Marktwachstum trotz schwerwiegender Datenschutzbedenken

Trotz der rechtlichen Hürden verzeichnet Meta steigende Absatzzahlen. Im Jahr 2025 verkaufte das Unternehmen sieben Millionen Paar Smart Glasses, während in den Jahren 2023 und 2024 zusammen lediglich zwei Millionen Stück abgesetzt wurden.

Mit der steigenden Verbreitung mehren sich die Berichte über Missbrauch. Im Dezember 2025 berichtete die damals 17-jährige Beth Knight, am Londoner Bahnhof Waterloo mutmaßlich heimlich von einem Mann mit einer solchen Brille gefilmt worden zu sein.

Zudem stehen die Verarbeitungswege der Daten in der Kritik. Wie aus Medienberichten unter Berufung auf eine Studie hervorgeht, werden Aufnahmen zur Datenannotation an Subunternehmer gesendet.

Mitarbeiter des Meta-Dienstleisters Sama in Kenia berichteten Anfang des Jahres von intimen Aufnahmen, die ihnen im Rahmen dieser Arbeit vorgelegt worden seien. Experten der FH Wiener Neustadt wie Philipp Rameder betonten, dass die Datenverarbeitung durch Smart Glasses für Außenstehende oft schwer nachvollziehbar bleibe.

Während kamera-basierte Systeme in der Kritik stehen, werden alternative Sensorkonzepte entwickelt. Das Unternehmen Syvols stellte mit BodyInsight ein System vor, das ein 3D-Körpermodell mittels Bioimpedanz über acht Elektroden und zwei Griffe erstellt.

Dieses Verfahren verzichtet vollständig auf Kameras, um Parameter wie viszerales Fett oder Wasserrückhaltung zu messen. Eine klinische Validierung steht hier jedoch noch aus; die Auslieferung wird in ein bis zwei Jahren erwartet.