Meta kämpft in Brüssel um WhatsApp-KI-Zugang

Meta kämpft vor der EU-Kommission gegen die Anordnung, WhatsApp für KI-Dienste von Wettbewerbern zu öffnen. Der Konzern warnt vor hohen Kosten.

In einer vierstündigen Anhörung in Brüssel versuchte Meta am Dienstag, eine drohende Anordnung der Europäischen Kommission abzuwenden. Der Konflikt dreht sich um die Integration künstlicher Intelligenz in WhatsApp. Die EU-Wettbewerbshüter befürchten Marktverzerrungen, weil Meta den eigenen Assistenten bevorzugt. Das Unternehmen warnt dagegen vor unfairen finanziellen Belastungen.

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Hochrangige Meta-Vertreter trafen auf Regulierer der EU-Kommission sowie auf Vertreter konkurrierender Unternehmen. Anlass war ein im April verschärftes Verfahren. Die Kommission wirft Meta vor, seine marktbeherrschende Stellung bei Messaging-Diensten zu missbrauchen. Ziel sei ein unfairer Vorteil im rasant wachsenden KI-Markt.

Eskalation um die Business-API

Der Streit dreht sich um die WhatsApp Business API – die Schnittstelle für automatisierte Dienste. Meta hatte im Oktober vergangenen Jahres eine Richtlinienänderung angekündigt, die am 15. Januar in Kraft trat. Seither sind Drittanbieter von KI-Assistenten ausgeschlossen, sofern die KI die Hauptleistung darstellt. Die konzerneigene Meta AI blieb der einzige direkt verfügbare Dienst. Integrationen wie ChatGPT oder Microsoft Copilot verloren den Zugang.

Im März ruderte Meta teilweise zurück und stellte KI-Anbietern den Zugang gegen Gebühr in Aussicht. Die EU-Kommission bewertete das als unzureichend und verschickte im April eine ergänzende Mitteilung der Beschwerdepunkte. Die Behörde argumentiert: Solche Gebühren könnten kleinere Wettbewerber behindern. Meta müsse den Zugang zu denselben Bedingungen wie vor dem Verbot gewähren – faktisch kostenlos.

Die Argumentation der Wettbewerbshüter

Die stellvertretende Generaldirektorin Linsey McCallum und Direktorin Carlota Reyners Fontana leiten die Untersuchung. Die Kommission prüft vorläufige Maßnahmen – ein seltenes, aber scharfes Instrument im EU-Recht. Es soll „schweren und irreparablen Schaden“ am Wettbewerb verhindern.

Die Gefahr: Meta könnte die Reichweite von WhatsApp nutzen, um Nutzer an das eigene KI-Ökosystem zu binden. WhatsApp ist in weiten Teilen Europas die Standard-Kommunikations-App. Der Ausschluss von Konkurrenten hätte enorme Hebelwirkung. Zu den Beschwerdeführern gehört das Unternehmen The Interaction Company, Entwickler des KI-Assistenten Poke.com. Dessen technischer Leiter Felix Schlegel betonte: Meta versuche, die KI-Nutzung auf WhatsApp zu monopolisieren.

Metas Verteidigung: Kosten und Innovationsschutz

Meta trat mit einem Team aus Rechtsanwälten an, darunter Tim Lamb. Führungskräfte aus den USA verfolgten die Verhandlungen online. Der Konzern weist die Vorwürfe entschieden zurück. In einer Stellungnahme heißt es: Die Regulierungsbehörden wollten Meta zwingen, sein kostenpflichtiges Business-Messaging-Produkt den größten Tech-Konzernen gratis zur Verfügung zu stellen.

Ein zentrales Argument sind die finanziellen Belastungen. Konzernkreisen zufolge warnte Meta: Am Ende müssten kleine europäische Betriebe die Infrastrukturkosten von Giganten wie OpenAI mittragen. Eine Bäckerei, die für Bestellungen über WhatsApp zahlt, würde indirekt die kostenlose Schnittstelle für externe KI-Anbieter subventionieren.

Zudem verwies Meta auf steigende KI-Ausgaben. Im ersten Quartal stiegen die Kosten um 35 Prozent – das Umsatzwachstum von 33 Prozent wurde übertroffen. Die Forderung nach kostenlosem Zugang sei ein Eingriff in das Recht, für technologische Dienstleistungen eine Vergütung zu verlangen.

Der regulatorische Kontext

Der Streit steht im Zusammenhang mit dem Digital Markets Act (DMA). Meta wurde als Gatekeeper eingestuft, was strikte Interoperabilitäts-Pflichten bedeutet. Meta hat WhatsApp bereits für andere Messaging-Dienste geöffnet – im November wurden Kooperationen mit BirdyChat und Haiket angekündigt. Bei KI-Funktionen sieht der Konzern jedoch keine Verpflichtung zur kostenlosen Öffnung.

Parallel dazu steht Meta wegen des Digital Services Act (DSA) unter Beobachtung. Ende April gab die EU-Kommission vorläufige Ergebnisse bekannt: Meta tue nicht genug, um Minderjährige von seinen Plattformen fernzuhalten. Rund 12 Prozent der Kinder unter 13 Jahren nutzen Dienste wie Instagram trotz Altersbeschränkungen. Meta reagierte am Tag der Anhörung mit neuen KI-gestützten Sicherheitsinitiativen zur Identifikation dieser Nutzer.

Machtkampf um die Schnittstellen der Zukunft

Der Fall markiert eine neue Phase der EU-Regulierung. Es geht nicht mehr nur um Datenaustausch zwischen Messaging-Apps, sondern um den Zugang zu Schnittstellen – die entscheiden, welche KI den Alltag von Millionen Menschen prägt. Für Meta ist die exklusive Integration von Meta AI in WhatsApp ein entscheidender Baustein, um mit Google und Microsoft mitzuhalten.

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Analysten beobachten die zunehmende Bereitschaft der EU-Kommission zu interimistischen Maßnahmen. Dass die Behörde bereits zum zweiten Mal formelle Beschwerdepunkte übermittelt hat, deutet auf hohe Entschlossenheit hin. Der Ausgang könnte Signalwirkung für andere Plattformen wie Apple oder Alphabet haben.

Entscheidung in den kommenden Monaten

Die Kommission wird nun die Ergebnisse der Anhörung prüfen. Eine Entscheidung über einstweilige Maßnahmen wird für die kommenden Monate erwartet. Sollte Meta zur kostenlosen Öffnung verpflichtet werden, müsste das Unternehmen den Zugang für Dienste wie ChatGPT wiederherstellen.

Ein solches Urteil könnte die Geschäftsstrategie von Meta empfindlich treffen und den Konzern zwingen, seine Monetarisierungspläne für WhatsApp Business grundlegend zu überdenken. Bis zum Abschluss des Hauptverfahrens bleibt das Verhältnis zwischen Brüssel und Menlo Park angespannt – während andere regulatorische Fronten wie Altersverifizierung und Jugendschutz bestehen bleiben.