Meta Luna: Kameralose Smartglasses zur Connect am 23. September

Meta reagiert mit der geplanten Brille Luna auf Missbrauchsvorwürfe, während Ermittlungen, Klagen und Auflagen in mehreren Ländern zunehmen.

Meta gerät weltweit unter zunehmenden regulatorischen Druck – und reagiert nun offenbar auch produktseitig. Nach Vorwürfen, die Kameras der Smartglasses seien für heimliche und „perverse“ Aufnahmen missbraucht worden, arbeitet der Konzern laut Berichten von The Information an einer kamerafreien Version seiner smarten Brillen.

Gleichzeitig sieht sich Meta in mehreren Ländern mit Ermittlungen, Klagen und drohenden Sanktionen konfrontiert, die weit über das Brillen-Geschäft hinausreichen.

Neue Brille „Luna“ ohne Kamera

Die neue Brille trägt intern den Namen „Luna“ und soll laut The Information ohne Kamera auskommen, dafür aber mit sechs Mikrofonen ausgestattet sein. Ergänzt wird das Gerät um einen Side-Button für Meta AI und die Assistenzfunktion Muse sowie um offene Speaker und schlankere Bügel.

Geplant sind zwei Designvarianten namens Clubmaster und Burbank. Die Vorstellung soll auf der Meta Connect am 23. und 24. September erfolgen, die Auslieferung ist für den Herbst beziehungsweise ab Oktober vorgesehen. Für 2027 ist zudem eine AR-Brille mit dem Codenamen „Phoenix“ geplant, die virtuelle Arbeitsflächen und Kinoscreens bieten soll.

Missbrauchsfälle bei bestehenden Modellen

Der Vorstoß zu einer kamerafreien Brille fällt zusammen mit Eingeständnissen zu Missbrauchsfällen bei den bereits verkauften Smartglasses. Alex Himel, VP AR bei Meta, gab an, dass weniger als 0,1 Prozent der verkauften Brillen manipuliert wurden – bei rund 7 Millionen ausgelieferten Geräten.

Ein Software-Update soll die Aufnahme künftig stoppen, sobald die Aufnahme-LED blockiert wird. In den USA laufen bereits 13 Sammelklagen gegen Meta im Zusammenhang mit den Geräten. Zum Vergleich: Der Brillenhersteller EssilorLuxottica, mit dem Meta kooperiert, verkaufte 2025 mehr als 7 Millionen KI-Brillen.

Strafuntersuchung in Frankreich, Verbotspläne in Australien

Der Druck bleibt nicht auf die USA beschränkt. Die Pariser Staatsanwaltschaft hat eine Strafuntersuchung wegen mutmaßlicher sexueller Belästigung im Zusammenhang mit Smartglasses eröffnet, betroffen sind sowohl Meta Platforms als auch EssilorLuxottica. Die französische Datenschutzbehörde hatte zuvor Beschwerden von Unternehmen erhalten.

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In Australien prüft die Regierung unter Premierminister Albanese ein nach eigener Einschätzung „weltweit führendes“ Verbot von Smartglasses in Büros und Servicezentren des Commonwealth. Public-Service-Ministerin Katy Gallagher beauftragte eine entsprechende Prüfung, nachdem Kommunen die Technologie zunehmend aus öffentlichen Räumen verdrängen wollten. Ein Importverbot ist derzeit nicht geplant.

Indien setzt Frist von zwei Wochen

Besonders zugespitzt hat sich die Lage in Indien. Die Regierung erklärte, Meta könne nach dem Eingeständnis von Versäumnissen bei der Bekämpfung von Kindesmissbrauchsmaterial (CSAM) nicht länger den Intermediär-Status beanspruchen – dem Konzern droht damit der Verlust der Safe-Harbour-Immunität.

Auslöser war ein BBC-Eye-Bericht vom Juli 2026. Bei einer rund 70-minütigen Sitzung der Kinderschutzbehörde NCPCR mit Meta-India-Chef Arun Srinivas erhielt Meta nun eine Frist von zwei Wochen, um auf die Vorwürfe zu antworten.

Srinivas war bereits am 16. September – zum zweiten Mal innerhalb einer Woche – vor der NCPCR erschienen. Meta verpflichtete sich im Zuge der Gespräche, Kinderschutzfälle künftig direkt an Indiens I4C-Portal zu melden, anstatt sie wie bisher an das US-amerikanische NCMEC weiterzuleiten.

Weitere Verfahren in mehreren Ländern

Auch anderswo mehren sich die Verfahren gegen den Konzern. Das philippinische Repräsentantenhaus hat Meta-Chef Mark Zuckerberg wegen Kinderschutzbedenken vorgeladen und das für 2027 vorgeschlagene DICT-Budget von 17,6 Milliarden philippinischen Pesos bis zur Klärung gestoppt; das DICT wirft Meta eine zu langsame Entfernung schädlicher Inhalte vor.

Ein deutsches Gericht urteilte zudem, dass Meta für Fake-Werbung Dritter auf Instagram und Facebook haftet und Inhalte entfernen sowie Schadenersatz zahlen muss – Klägerin war der Betreiber eines deutschen Finanzportals.

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In den USA hatte eine Jury im New-Mexico-Verfahren Meta bereits in 75.000 Fällen schuldig gesprochen, verbunden mit Strafzahlungen von 375 Millionen US-Dollar plus 567 Millionen US-Dollar.

Parallel hatte sich Meta mit US-Bundesstaaten auf Zahlungen von 18 Milliarden US-Dollar über zehn Jahre sowie zusätzliche Schutzmaßnahmen wie Nutzungslimits, Nacht-Sperren, Elternkontrollen und Altersverifikation verständigt.

Für Nutzer und Unternehmen zeichnet sich damit ein Bild eines Konzerns ab, der auf mehreren Kontinenten gleichzeitig regulatorischen Gegenwind erfährt – während er mit „Luna“ gleichzeitig versucht, das Vertrauen in seine Hardware-Sparte durch technische Anpassungen zurückzugewinnen.