Meta: Milliardenklage wegen Betrugs-Werbung eingereicht

Eine US-Klage wirft Meta vor, mit KI-gesteuerter Werbung systematisch von Betrug profitiert zu haben. Interne Dokumente belegen Milliardeneinnahmen aus riskanten Anzeigen.

Der Vorwurf: Der Facebook-Konzern habe wissentlich von betrügerischer Werbung profitiert und Milliardengewinne damit erzielt. Die Klage wurde am Montag beim California Superior Court eingereicht.

Systematische Ausbeutung durch KI-gesteuerte Werbung

Die Anklageschrift wirft Meta vor, täglich rund 15 Milliarden betrügerische Anzeigen auf Facebook, Instagram und WhatsApp zuzulassen. Das Unternehmen erziele daraus jährlich fast sieben Milliarden Euro – intern als „violating revenue“ bezeichnet, also Einnahmen aus Regelverstößen.

Besonders brisant: Laut Klage habe Meta seine künstliche Intelligenz nicht zum Blockieren der Betrüger eingesetzt, sondern zur Optimierung ihrer Anzeigen. Das System habe tausende Varianten getestet und gezielt an Nutzer ausgespielt, die bereits auf ähnliche Betrugsmaschen hereingefallen waren. Besonders betroffen: Senioren und einkommensschwache Haushalte.

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Die Staatsanwaltschaft wirft Meta zudem vor, ein spezielles Preissystem für Risiko-Werbetreibende entwickelt zu haben. Statt betrügerische Accounts zu sperren, verlangte der Konzern angeblich höhere Gebühren – und machte die Kriminellen so zu einer lukrativen Einnahmequelle.

Interne Dokumente belasten Meta schwer

Die Klage stützt sich auf interne Unterlagen aus dem Jahr 2025. Demnach privatisierte Meta für 2024, dass mehr als zehn Prozent des Gesamtumsatzes – rund 16 Milliarden Euro – aus riskanten Anzeigen stammen würden, darunter Finanzbetrug, illegales Glücksspiel und verbotene Waren.

Eine Untersuchung des Consumer Federation of America (CFA), die ebenfalls im April Klage einreichte, enthüllte einen weiteren Skandal: Interne Richtlinien hätten die Werbe-Prüfteams angewiesen, keine Maßnahmen zu ergreifen, die das Unternehmen mehr als 0,15 Prozent des Gesamtumsatzes kosten würden. Die Folge: 96 Prozent der gültigen Nutzerbeschwerden über betrügerische Anzeigen wurden laut Klage ignoriert.

Neue Strategie: Meta als „Mitautor“ des Betrugs

Die Klagen versuchen, den rechtlichen Schutzschild des Section 230 zu durchbrechen. Dieses US-Gesetz macht Plattformen normalerweise nicht für Inhalte Dritter haftbar. Die Anwälte argumentieren jedoch: Durch KI-gestützte Werbeoptimierung werde Meta zum „Mitautor“ der Betrugsmaschen.

Ein Präzedenzfall könnte der Prozess des australischen Milliardärs Andrew Forrest werden, der im April vor einem Bundesgericht in Silicon Valley verhandelt wurde. Seine Anwälte argumentieren, Metas generative KI „mixe und matche“ Bilder, Videos und Texte von Betrügern zu immer neuen, effektiveren Anzeigen.

Metas Verteidigung: 159 Millionen Anzeigen gelöscht

Meta weist alle Vorwürfe zurück. Ein Sprecher betonte, das Unternehmen habe allein im vergangenen Jahr 159 Millionen betrügerische Anzeigen entfernt – 92 Prozent davon proaktiv, bevor Nutzer sie meldeten. Zudem seien 10,9 Millionen Konten krimineller Betrugsringe gelöscht worden.

Der Konzern argumentiert, Betrug schade dem Geschäft, weil er die Nutzererfahrung verschlechtere und das Vertrauen legitimer Werbekunden untergrabe. Man arbeite eng mit Strafverfolgungsbehörden weltweit zusammen.

Internationaler Druck wächst

Die US-Klagen sind Teil einer globalen Offensive gegen Plattform-Betrug. In der Europäischen Union einigten sich die Mitgliedsstaaten Ende 2025 auf neue Anti-Betrugs-Regeln, die soziale Netzwerke zur strengeren Prüfung von Finanzanzeigen zwingen. Die Australische Wettbewerbs- und Verbraucherkommission (ACCC) verfolgt parallel ein Verfahren wegen prominenzgestützter Betrugsanzeigen.

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Was droht Meta?

Die Klage von Santa Clara County ist besonders bemerkenswert: Erstmals klagt eine lokale Staatsanwaltschaft eigenständig gegen einen Tech-Giganten. Gefordert werden die Rückzahlung „illegaler Gewinne“ sowie zivilrechtliche Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe.

Juristen sehen einen möglichen Paradigmenwechsel: „Der Fokus verschiebt sich vom Inhalt der Anzeigen zum Geschäftsmodell dahinter“, analysieren Experten. Wenn Gerichte entscheiden, dass KI-gesteuerte Werbeauslieferung eine „wesentliche Beteiligung“ an illegalen Inhalten darstellt, würde dies Section 230 fundamental verändern.

Die nächste wichtige Anhörung im Fall Forrest ist für Ende Mai angesetzt. Dann könnte ein Richter entscheiden, ob Meta forensische Beweise zur Funktionsweise seiner Algorithmen vorlegen muss. Die finale Abstimmung über das EU-Anti-Betrugs-Paket wird in den kommenden Monaten erwartet.