WhatsApp öffnet sich für fremde KI-Dienste: Meta beugt sich dem Druck der EU-Kommission und schlägt ein Modell vor, das Chatbots von OpenAI, Perplexity und Anthropic kostenlosen Zugang gewährt – zumindest bis zu einer bestimmten Grenze.
Der Vorstoß ist eine direkte Reaktion auf den Digital Markets Act (DMA). Das Gesetz zwingt große Plattformen wie Meta dazu, ihre Dienste für Drittanbieter zu öffnen und fairen Wettbewerb zu ermöglichen. Konkret schlägt Meta nun ein gestaffeltes System vor: Bis zu einer bestimmten Nutzungsgrenze dürfen KI-Bots kostenlos mit WhatsApp-Nutzern interagieren. Erst danach würden Gebühren fällig.
Während Meta versucht, neue KI-Dienste in den Messenger zu integrieren, rücken Datenschutz und Privatsphäre für viele Nutzer immer stärker in den Fokus. Wer eine sichere Alternative sucht und WhatsApp verlassen möchte, erfährt in diesem kostenlosen Ratgeber, wie der Wechsel reibungslos gelingt. In 5 Minuten weg von WhatsApp: Jetzt anonyme Chat-Alternative entdecken
Ein bemerkenswerter Schwenk. Noch im Januar hatte der Konzern sämtliche Drittanbieter-KI komplett blockiert. Im März folgte ein Bezahlmodell – rund 0,06 Euro pro Nachricht. Der neue Vorschlag liegt nun bei der EU-Kommission zur Prüfung. Die entscheidende Frage: Reicht das den Wettbewerbshütern in Brüssel?
Datenschutz als zweite Front
Doch Meta geht nicht nur auf die Regulierer zu. Parallel arbeitet der Konzern an technischen Lösungen, um die wachsenden Datenschutzbedenken zu entschärfen. Mit „Private Processing“ führt WhatsApp eine Art Inkognito-Modus für KI-Chats ein. Diese Unterhaltungen sind temporär, werden nicht auf Metas Servern gespeichert – und sollen für den Konzern selbst unsichtbar bleiben.
Ein kluger Schachzug: Damit versucht Meta, den Datenschutzbehörden zuvorzukommen, die bei KI-Integrationen regelmäßig Alarm schlagen. Zusätzlich plant das Unternehmen sogenannte „Side Chats“ – eine Funktion, bei der KI in Echtzeit Kontext zu laufenden Gesprächen liefern kann, ohne die Privatsphäre zu verletzen.
Apple zieht nach – EU-Sonderlocken für iOS
Der Druck aus Brüssel zeigt auch bei anderen Tech-Riesen Wirkung. Mit dem Update auf iOS 26.5, das am 19. und 20. Mai ausgerollt wurde, bringt Apple gleich mehrere EU-exklusive Funktionen. Dazu gehören vereinfachtes Bluetooth-Pairing für Drittanbieter wie Sony oder Sennheiser sowie die Möglichkeit, iPhone-Benachrichtigungen auf fremde Smartwatches weiterzuleiten.
Auch hier ist die Handschrift des DMA unverkennbar: Die Plattformbetreiber müssen die Hürden für Konkurrenten senken.
Neue Features im Test – und ein globaler Ausfall
Während die Regulierung die großen strategischen Fragen bestimmt, tüftelt WhatsApp im Hintergrund an neuen Funktionen. In der Beta-Version testet der Dienst derzeit „read-triggered“-Verschwindenachrichten. Anders als bisher beginnt der Countdown erst, wenn der Empfänger die Nachricht tatsächlich gelesen hat. Die Testoptionen: fünf Minuten, eine Stunde oder zwölf Stunden. Bleibt eine Nachricht ungelesen, wird sie nach 24 Stunden automatisch gelöscht.
Ebenfalls in der Erprobung: eine „Close Friends“-Liste für Status-Updates – ähnlich wie bei Instagram. Nutzer können damit personalisierte Gruppen erstellen und Statusmeldungen nur für bestimmte Kontakte sichtbar machen. Erkennungsmerkmal: ein violetter Ring.
Doch nicht alles läuft rund. Am 20. Mai kam es zu einem weltweiten Ausfall von WhatsApp Web. Nutzer in den USA, Indien und Teilen Asiens wurden fälschlicherweise auf die Facebook-Loginseite umgeleitet. Laut Ausfalldaten betrafen 47 Prozent der gemeldeten Probleme die Web-Version, 22 Prozent die mobile App. Meta hat sich bislang nicht offiziell zu den Ursachen geäußert.
Sicherheitslücken und dringende Updates
Die Sicherheitslage bleibt angespannt. Mit iOS 26.5 schloss Apple insgesamt 61 Sicherheitslücken – darunter die als „DarkSword“ bekannten Exploits, die als kritisch für die Integrität von Kernel und Webkit eingestuft wurden.
Nach großen Software-Aktualisierungen wie dem aktuellen iOS-Update sollten Nutzer ihre Privatsphäre-Einstellungen genau unter die Lupe nehmen. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihr iPhone sicher konfigurieren und Ihre Daten wirksam schützen. iOS-Updates sicher installieren: Gratis-Ratgeber für Einsteiger jetzt anfordern
Auch Microsoft schlug Alarm: Am 19. Mai warnte der Konzern vor einer schwerwiegenden Schwachstelle in der Authenticator-App. Angreifer könnten sich unbefugten Zugriff auf geschützte Konten verschaffen. Als sicher gelten Android 6.2605.2973 und iOS 6.8.47 oder höher.
Ein Lichtblick: iOS 26.5 bringt eine Beta für RCS-Verschlüsselung – Ende-zu-Ende-verschlüsselte Nachrichten zwischen iPhone und Android. Möglich macht das das MLS-Protokoll, ein lang ersehnter Schritt für mehr Sicherheit im plattformübergreifenden Austausch.
Das Ende der „Walled Gardens“?
Die Zugeständnisse von Meta und die EU-Sonderfunktionen von Apple deuten auf einen fundamentalen Wandel hin. Lange Zeit setzten die Tech-Giganten auf geschlossene Ökosysteme – proprietäre Features und exklusive Hardware-Integrationen sicherten die Marktdominanz. Der DMA zwingt sie nun zur Öffnung.
Die Folge: Europäische Nutzer bekommen zunehmend eine offenere Plattform-Erfahrung als der Rest der Welt. Für Meta stellt sich die Frage nach der Monetarisierung. Der Vorschlag eines kostenlosen Einstiegs für KI-Bots ist ein Balanceakt: Regulierer zufriedenstellen, ohne ganz auf Gebühren zu verzichten.
Ausblick: iOS 27 und ein neuer CEO
Apple bereitet sich bereits auf die nächste Stufe vor. Auf der WWDC am 8. Juni 2026 soll iOS 27 vorgestellt werden – mit weitreichenden KI-Funktionen wie natürlichen Sprachbefehlen und einem überarbeiteten Siri, der auf externe Modelle wie Google Gemini setzt.
Und ein Führungswechsel steht bevor: John Ternus übernimmt am 1. September 2026 den CEO-Posten bei Apple. Er muss das Unternehmen durch eine Ära navigieren, die von beispiellosen regulatorischen Hürden und technischem Wandel geprägt ist.
Ob Metas WhatsApp-Vorschlag von der EU-Kommission abgesegnet wird, bleibt abzuwarten. Gelingt der Spagat, könnte das gestaffelte Zugangsmodell zum Blaupause für die gesamte Branche werden. Die Botschaft aus Brüssel ist jedenfalls klar: Die Zeit der abgeschotteten Plattform-Ökosysteme neigt sich dem Ende zu.

