Meta-CTO Andrew Bosworth hat eingeräumt, dass Nutzer der Smart Glasses des Unternehmens Personen ohne deren Einwilligung gefilmt haben. Betroffene Inhalte seien gelöscht und die verantwortlichen Konten gesperrt worden. Zudem habe Meta per Software-Update tausende der KI-Brillen daran gehindert, weiter zu filmen, nachdem Nutzer die Aufnahme-LED manipuliert hatten. Das Update betrifft nach Unternehmensangaben weniger als ein Prozent der Geräte.
Zwei Software-Updates gegen Manipulation der Kontroll-LED
Die Aufnahme-LED der Brillen soll Umstehenden signalisieren, wenn gefilmt wird. Ein Update aus dem Juli habe bereits verhindert, dass die Kamera weiterläuft, wenn die LED physisch manipuliert wird. Ende August kündigte AR-Vizepräsident Alex Himel ein weiteres Update an, das die Kamera zusätzlich stoppt, sobald die LED während einer Aufnahme abgedeckt wird.
Die Firmware überwacht dafür in Echtzeit die Sensoren; andere Funktionen der Brille bleiben davon unberührt. Himel erklärte auf Threads, nur eine winzige Minderheit der Nutzer umgehe den Schutzmechanismus – räumte zugleich aber ein, dass nicht-einvernehmliche Aufnahmen weiterhin auf Instagram zu finden seien. Meta rief Nutzer auf, sich an die Richtlinien des Unternehmens zu halten.
Hintergrund der Maßnahmen ist ein Trend, in dem die Brillen zum heimlichen Filmen fremder Personen genutzt wurden – in einigen Berichten als „Pervert Glasses“-Trend bezeichnet. Bosworth bestätigte, dass Meta wegen entsprechenden Missbrauchs bereits Inhalte entfernt und Konten deaktiviert hat.
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Klage in Indien nach heimlicher Aufnahme
Konkreten Anlass für öffentliche Kritik lieferte ein Fall aus Indien: Ein Mann aus Delhi verklagte Meta sowie einen Instagram-Ersteller, nachdem er am Khan Market ohne sein Wissen gefilmt worden war. Das Video erreichte nach Angaben aus der Klage 4,19 Lakh Aufrufe und 15.700 Likes.
Der Kläger fordert Schadenersatz in Höhe von Rs 2,05 Mrd. Die Internet Freedom Foundation (IFF) sandte zudem eine Rechtsnotice an Meta und bezeichnete das Verfahren als erste Klage gegen einen Smart-Glasses-Hersteller in Indien.
Veranstalter und Aufsichtsbehörden reagieren
Auch abseits von Metas eigenen Maßnahmen verschärfen Dritte den Umgang mit den Geräten. Das Festival Burning Man verlangt inzwischen eine ausdrückliche Zustimmung vor dem Filmen, der Nachtclub Basement untersagt die Brillen komplett, und die Sicherheitskonferenz DEFCON verbietet sie generell.
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In Deutschland erwägt Hamburg ein Verbot. Frankreichs Datenschutzbehörde CNIL warnte vor Überwachungsrisiken durch die Geräte, während die irische Datenschutzkommission eine Verdopplung der LED-Größe durchsetzte. In Großbritannien sammelte die Kampagne „StopSmartGlasses“ nach eigenen Angaben 8.000 Unterschriften für ein Verbot.
Große Verbreitung erhöht den Druck
Der Konflikt zwischen Funktionsumfang und Privatsphäre gewinnt an Gewicht, weil die Brillen inzwischen breit im Markt sind: Laut Hersteller Meta wurden 2025 in Zusammenarbeit mit EssilorLuxottica über 7 Mio. Ray-Ban-Smart-Glasses verkauft.
Je größer die installierte Basis, desto häufiger dürften Fälle heimlicher Aufnahmen und daraus folgende rechtliche wie regulatorische Konsequenzen werden – ein Umstand, der die jüngsten Software-Nachbesserungen und die wachsende Zahl von Verbotszonen erklärt.

