Der Facebook-Konzern Meta leitet einen radikalen Umbau ein: Rund zehn Prozent der Belegschaft müssen gehen, während das Unternehmen massiv in Künstliche Intelligenz investiert.
Die Kündigungen sollen ab Mittwoch, dem 20. Mai, wirksam werden. Betroffen sind etwa 8000 Mitarbeiter weltweit. Das bestätigte Personalchefin Janelle Gale in einer unternehmensweiten Mitteilung vom Montag. Die Streichungen sind Teil einer grundlegenden Neuausrichtung, mit der Meta seine Kosten drastisch senken und gleichzeitig Milliarden in den KI-Bereich pumpen will.
Während Tech-Giganten wie Meta Milliarden in die Entwicklung investieren, fragen sich viele Nutzer, wie sie selbst von der neuen Technologie profitieren können. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie KI-Tools wie ChatGPT ohne Vorkenntnisse für Ihre tägliche Organisation nutzen. Gratis-Report: ChatGPT als Alltagshelfer jetzt herunterladen
Tausende wechseln in KI-Einheiten
Doch der Konzern baut nicht nur ab – er baut auch um. Rund 7000 Beschäftigte werden in neue Positionen versetzt, die sich ausschließlich mit Künstlicher Intelligenz befassen. Meta setzt dabei auf sogenannte „AI-native“ Teams: kleine, autonome Einheiten mit flachen Hierarchien, die schneller arbeiten sollen als die bisherigen Abteilungen.
Um diese Struktur zu ermöglichen, streicht der Konzern mehrere Ebenen des mittleren Managements. Die Devise lautet: Weniger Chefs, mehr Eigenverantwortung. Zusätzlich zu den Entlassungen hat Meta die Besetzung von 6000 offenen Stellen gestrichen. In der Summe reduziert sich der geplante Personalbestand damit um 14.000 Positionen – und das, obwohl der Konzern gleichzeitig Spitzenkräfte für sein „Superintelligence Lab“ mit hohen Gehältern ködert.
Rekordgewinne treffen auf gigantische Investitionen
Die Personalpolitik wirkt auf den ersten Blick paradox. Meta meldete für das erste Quartal 2026 einen Rekordumsatz von umgerechnet rund 52 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von knapp 25 Milliarden Euro. Die Zahlen übertrafen die Erwartungen der Analysten deutlich.
Doch die Kehrseite: Die Investitionen in KI explodieren. Meta hat seine Ausgabenprognose für 2026 auf 115 bis 135 Milliarden Euro angehoben – mehr als das Dreifache der Summe von 2024. Das Geld fließt vor allem in Hochleistungs-Chips, neue Rechenzentren und eigene Chipentwicklung. Allein im ersten Quartal 2026 verpflichtete sich der Konzern zu neuen Verträgen über rund 99 Milliarden Euro für Cloud- und Infrastruktur-Deals.
Der massive Ausbau der KI-Kapazitäten bei Konzernen wie Meta bringt auch in Europa neue regulatorische Pflichten für Unternehmen mit sich. Erfahren Sie in diesem praxisnahen E-Book, welche Anforderungen der EU AI Act stellt und wie Sie Risikoklassen und Dokumentationspflichten rechtzeitig umsetzen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zur KI-Verordnung sichern
Unmut in der Belegschaft
Der radikale Kurswechsel sorgt intern für Spannungen. Die Stimmung in der Belegschaft gilt als angespannt, die Moral als schlecht. Mitarbeiter in Nordamerika wurden angewiesen, am Mittwoch von zu Hause zu arbeiten – um nicht im Büro zu sein, wenn die Kündigungen per E-Mail eintreffen.
Besonders umstritten ist eine interne Software namens „Model Capability Initiative“. Das Programm zeichnet angeblich Mausbewegungen und Tippverhalten der Mitarbeiter auf, um KI-Modelle zu trainieren. Viele Beschäftigte sehen darin den Versuch, ihr eigenes Wissen zu extrahieren, um ihre Jobs langfristig zu automatisieren. Es gab bereits Proteste und Petitionen.
Hinzu kommt eine wachsende Gehaltsschere: Während die durchschnittliche Vergütung der Belegschaft von rund 388.000 Euro (2024) auf etwa 361.000 Euro (2025) sank, lockt der Konzern KI-Experten mit Spitzengehältern. Das Unternehmen setzt zunehmend auf ein Zwei-Klassen-Modell: „Superintelligenz“ statt Social Media.
Facebook, Instagram und die VR-Sparte unter Druck
Die Kürzungen treffen nicht alle Bereiche gleich. Besonders stark betroffen sind die Facebook-Sparte, der Vertrieb, die Personalabteilung und globale Betriebsabläufe. Die Reality-Labs-Sparte – zuständig für Metaverse und Wearables – hatte bereits im Januar 1500 Stellen gestrichen.
Für die Kern-Apps WhatsApp, Instagram und Messenger bedeutet der Umbau eine radikale Neuausrichtung auf KI-gesteuerte Funktionen. Chatbots für den Kundenservice und autonome Programmierwerkzeuge werden zum neuen Standard. Ingenieure, die zuvor an klassischen Social-Media-Features arbeiteten, werden in die „Applied AI Engineering“-Abteilung versetzt.
Auch die Inhaltsmoderation stellt Meta um: Statt auf externe Dienstleister setzt der Konzern künftig auf KI-Lösungen – ein Schritt, der Kosten spart und gleichzeitig die hauseigene Technologie vorantreibt.
Weitere Einschnitte nicht ausgeschlossen
Branchenbeobachter rechnen damit, dass dies nicht die letzte Personalrunde des Jahres war. Die Meta-Führung hat weitere Kürzungen für die zweite Jahreshälfte nicht ausgeschlossen – abhängig davon, wie schnell sich die neuen KI-Strukturen als effizient erweisen.
Analysten der Bank of America schätzen, dass der Stellenabbau jährliche Einsparungen von bis zu 7,5 Milliarden Euro bringen könnte. Das Geld wäre dringend nötig für den Ausbau der KI-Infrastruktur. Ob die Strategie aufgeht, hängt jedoch davon ab, ob die „Superintelligenz“ die Nutzerzahlen und Werbeeinnahmen stabil halten kann – bisher getragen von menschlicher Produktentwicklung. Der Wettlauf mit anderen Tech-Giganten ist eröffnet.

