Metas Oversight Board hat seine Kritik am geplanten Umbau der Inhaltsmoderation konkretisiert. Faktenchecks und Community Notes verfolgten unterschiedliche Zwecke und könnten sich daher nicht gegenseitig ersetzen, erklärte das Gremium in einem Statement. Community Notes seien kein direkter Ersatz für professionelle Faktenprüfung, sondern erfüllten eine andere Funktion.
Warnung vor realen Schäden
Das Board warnte zudem vor realen Schäden, die durch eine Ablösung klassischer Faktenchecks durch Community Notes entstehen könnten. Bereits im März hatte das Gremium auf Menschenrechtsrisiken hingewiesen, die ein globaler Rollout des neuen Systems mit sich bringen könnte. Als problematisch benannt wurden dabei unter anderem repressive Regime, gesellschaftliche Polarisierung und organisierte Desinformationsnetzwerke.
Das Oversight Board wurde 2020 gegründet und zählt unter anderem Alan Rusbridger und Helle Thorning-Schmidt zu seinen Mitgliedern. Es berät Meta zu Moderationsfragen, ohne dem Konzern direkt unterstellt zu sein.
Pilotprojekt in Lateinamerika läuft weiter
Unabhängig von der Kritik führt Meta seit Mittwoch, dem 9. September 2026, einen Test von Community Notes in 16 spanischsprachigen Ländern Lateinamerikas durch – darunter Argentinien, Mexiko, Kolumbien, Chile und Peru. Brasilien ist von dem Piloten ausgenommen. Im laufenden Testbetrieb sind die Hinweise für Nutzer derzeit nicht sichtbar.
Während Meta seinen Community-Notes-Test in 16 lateinamerikanischen Ländern ausrollt, warnt das Oversight Board vor realen Schäden — und Faktenprüfer fordern, dass Community Notes das Fact-Checking ergänzen statt ersetzen. Wer als Plattform-Team die eigene Moderationsstrategie absichern will, findet in diesem kostenlosen Report den direkten Funktionsvergleich beider Systeme und eine Compliance-Checkliste für sensible Märkte. Jetzt kostenlosen Moderations-Report anfordern
Um am Pilotprogramm teilzunehmen, müssen Nutzer mindestens 18 Jahre alt sein, ihr Konto seit mindestens sechs Monaten bestehen, dürfen keine wiederholten Regelverstöße aufweisen und benötigen eine verifizierte Telefonnummer oder Zwei-Faktor-Authentifizierung. Das klassische Fact-Checking läuft parallel zum Test weiter, einen Zeitplan für einen weltweiten Rollout gibt es bislang nicht.
Kritik auch von Faktenprüfern
Auch außerhalb des Oversight Board regt sich Widerstand gegen Metas Kurs. Angie Drobnic Holan, Direktorin des International Fact-Checking Network (IFCN), erklärte, Community Notes allein reichten nicht aus. Der Zusammenschluss LatamChequea, dem 47 Organisationen angehören, forderte, Community Notes sollten das Fact-Checking ergänzen statt ersetzen.
Zuckerberg hatte das US-Faktencheck-Programm bereits im Januar 2025 mit dem Argument politischer Voreingenommenheit eingestellt. Der aktuelle Test in Lateinamerika gilt als möglicher Vorbote für eine weitere Ausweitung des Community-Notes-Systems auf zusätzliche Regionen.
Repressive Regime, gesellschaftliche Polarisierung, organisierte Desinformationsnetzwerke: Genau diese Risiken benennt das Oversight Board für einen globalen Community-Notes-Rollout — und einen Zeitplan dafür gibt es bislang nicht. Wer einen Lateinamerika-Markteintritt oder eine Ausweitung der Moderationspraxis vorbereitet, braucht jetzt eine belastbare Risiko-Analyse, bevor die Konkurrenz Fakten schafft. Risiko-Analyse jetzt kostenlos sichern
Der Analysedienst Policy Wire ordnete eine viral kursierende Behauptung, das Oversight Board habe Meta formell aufgefordert, das Fact-Checking nicht zu ersetzen, als irreführend ein. Das Board habe zwar Bedenken geäußert, jedoch keine formelle Direktive erlassen – der zugrunde liegende Bericht von Tech Xplore sei demnach aus dem Kontext gerissen worden.
Finanziell steht der Umbau der Moderationspraxis vor dem Hintergrund eines Konzerns, der zuletzt hohe Investitionen in künstliche Intelligenz sowie Rechts- und Abfindungskosten verbucht hat: Im zweiten Quartal 2026 meldete Meta einen Umsatz von 60,8 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einer auf 31 Prozent gesunkenen operativen Marge – im Vorjahr hatte sie noch 43 Prozent betragen.

