Der Streit zwischen Meta und der EU spitzt sich zu: Die Kommission will den Konzern zwingen, rivalisierenden KI-Chatbots kostenlosen Zugang zu WhatsApp zu gewähren.
Der Social-Media-Riese trat am Dienstag vor die EU-Regulierungsbehörden, um gegen eine entsprechende Anordnung zu kämpfen. Die nicht-öffentliche Anhörung markiert eine deutliche Eskalation im Konflikt um digitale Wettbewerbsregeln und die sogenannte Interoperabilität – also die Pflicht, Plattformen für Drittanbieter zu öffnen.
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Der Streitpunkt: Wer zahlt für den Zugang?
Im Januar hatte Meta eine Politik eingeführt, die KI-Funktionen auf WhatsApp exklusiv dem eigenen Assistenten vorbehielt. Im März ruderte der Konzern zurück: Drittanbieter dürfen nun gegen Gebühr auf die Plattform. Die EU-Kommission reagierte im April mit einer zusätzlichen Beschwerde – ihr Argument: Solche Zugänge müssten kostenlos sein, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten.
Während der vierstündigen Anhörung argumentierten Metas Anwälte, darunter Tim Lamb, gegen die geplante Anordnung. Das Unternehmen sieht sich mit einer unfairen finanziellen Belastung konfrontiert. „Die Kosten für die Unterstützung von Drittanbietern wie OpenAI würden am Ende kleinere Unternehmen tragen“, hieß es aus Konzernkreisen.
Die Kommission prüft nun, ob Metas gebührenpflichtiges Modell eine Markteintrittsbarriere darstellt. Eine endgültige Entscheidung wird in den kommenden Monaten erwartet.
Finanzieller Druck wächst
Der Rechtsstreit trifft Meta in einer Phase massiver Kostensteigerungen. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Ausgaben um 35 Prozent – und damit schneller als die Umsätze, die um 33 Prozent zulegten. Es ist das dritte Quartal in Folge mit diesem Muster.
Die Folge: Meta hat seine Investitionsprognose für 2026 drastisch nach oben korrigiert. Statt wie 2025 noch 72 Milliarden Euro sollen nun zwischen 125 und 145 Milliarden Euro fließen. Zum Vergleich: Das entspricht fast dem Dreifachen des Jahresbudgets der Deutschen Telekom für Netzausbau und Technologie.
Neue KI-Sicherheitsmaßnahmen angekündigt
Parallel zur Anhörung präsentierte Meta am Dienstag neue Sicherheitsinitiativen. Eine KI-gestützte Technologie soll künftig Nutzer unter 13 Jahren von den Plattformen entfernen. Das System analysiert Profildaten auf Hinweise wie Schulklassen-Erwähnungen oder Geburtstagsfeiern.
Noch einen Schritt weiter geht eine Methode zur Altersschätzung: Meta scannt Fotos und Videos nach visuellen Indikatoren wie Körpergröße und Knochenstruktur. Das Unternehmen betont, dass es sich nicht um Gesichtserkennung handelt. Die Technologie wird genutzt, um mutmaßliche Teenager automatisch in „Jugendkonten“ mit verstärkten Privatsphäre-Einstellungen zu versetzen.
Die Maßnahmen werden zunächst für Instagram-Nutzer in 27 EU-Ländern und Brasilien eingeführt. In den USA kommen sie auf Facebook zum Einsatz, für Großbritannien und die EU ist der Start für Juni geplant.
Sicherheitslücken geschlossen
Bereits am Montag hatte Meta die Behebung zweier Sicherheitslücken gemeldet, die über sein Bug-Bounty-Programm entdeckt wurden. Die Schwachstellen (CVE-2026-23863 und CVE-2026-23866) betrafen verschiedene WhatsApp-Versionen auf Windows, Android und iOS.
Die erste Lücke ermöglichte Dateimanipulationen auf Windows. Die zweite betraf Validierungsfehler bei der Medienverarbeitung und KI-generierten Nachrichten auf mobilen Plattformen. Nachweis für eine Ausnutzung durch Angreifer gibt es nicht – dennoch rät Meta allen Nutzern zum Update.
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Multi-Account-Support und neue Funktionen
Ebenfalls am Dienstag begann Meta mit dem Rollout der lang erwarteten Multi-Account-Funktion für WhatsApp. Nutzer können künftig private und berufliche Profile in einer einzigen App verwalten. Die Funktion befand sich monatelang im Test.
Weitere Neuerungen: Ein „Liquid Glass“-Interface für iOS mit transparenter Chat-Leiste sowie anpassbare Chat-Filter namens „Listen“.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Der Ausgang der Anhörung könnte wegweisend sein. Sollte die EU-Kommission auf kostenlosem Zugang bestehen, wäre Meta gezwungen, seine Monetarisierungsstrategie für KI-Investitionen grundlegend zu überdenken. Die Entscheidung wird nicht nur für Meta, sondern für die gesamte Tech-Branche richtungsweisend sein – sie definiert, wie KI-Dienste künftig in dominante Messaging-Plattformen integriert werden dürfen.

