Ein aktuelles Gutachten des Aktionsrats Bildung spricht sich für ein komplettes Verbot an Grundschulen aus. Parallel dazu erhöhen milliardenschwere Vergleiche in den USA den Druck auf Plattformbetreiber.
Gefahren überwiegen den Nutzen
Der Aktionsrat Bildung warnt in seinem Gutachten vor erheblichen Risiken. Bildungswissenschaftlerin Nele McElvany von der Universität Dortmund sieht die Gefahren der Nutzung deutlich über den potenziellen positiven Aspekten. Die Experten identifizieren eine zunehmende Suchtgefahr, Aufmerksamkeitsstörungen und mehr Cybermobbing bereits im Kindesalter.
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Angesichts steigender Nutzungszahlen fordern die Fachleute ein neues Bildungsziel: mediale Integrität. Das Schulministerium in Nordrhein-Westfalen hat bereits reagiert und empfiehlt ein Verbot der privaten Smartphone-Nutzung an Grundschulen. Die Kinder sollen geschützt werden, solange ihnen die nötige Reife für einen verantwortungsvollen Umgang fehlt.
Politik ringt um Altersgrenzen
Auch auf Bundesebene werden die Rufe nach strengeren Regeln lauter. Bundesfamilienministerin Karin Prien betonte Ende Mai, dass ein umfassendes Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche weiterhin eine Option bleibe. Für Juni erwartet sie die Empfehlungen einer Expertenkommission. Darauf basierend soll ein Maßnahmenpaket mit gesetzlichen Neuregelungen geschnürt werden. Prien strebt einen Dreiklang aus Schutz, Befähigung und Teilhabe an.
Doch innerhalb der Bundesregierung gibt es unterschiedliche Ansichten. Vertreter von SPD und CDU sprechen sich für eine Altersgrenze von 14 Jahren aus. Innenminister Alexander Dobrindt hingegen mahnt die Verantwortung der Familien an und äußert Vorbehalte gegen pauschale Verbote. Prien kündigte zudem an, den Kontakt von Kleinkindern unter drei Jahren mit digitalen Endgeräten begrenzen zu wollen – möglicherweise durch Regelungen im Bürgerlichen Gesetzbuch.
Österreich geht voran
Österreich verfolgt bereits einen konkreten Zeitplan. Staatssekretär Alexander Pröll kündigte an: Ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren soll ab Ende Juni in die Begutachtung gehen. Der Beschluss ist für den Herbst geplant, sodass die Regelung Anfang 2027 in Kraft treten könnte.
Pröll verwies auf alarmierende Zahlen: 76 Prozent der Mädchen verspüren einen negativen Einfluss sozialer Medien auf ihr Körperbild. Über 90 Prozent der Jugendlichen wurden bereits mit Hass im Netz konfrontiert.
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Milliardenvergleiche in den USA
Während Europa über Prävention diskutiert, schaffen juristische Auseinandersetzungen in den USA Fakten. Der Schulbezirk Breathitt County in Kentucky einigte sich Ende Mai auf einen Vergleich von 27 Millionen US-Dollar mit Meta, Snap, TikTok und YouTube. Die Kläger warfen den Unternehmen vor, durch süchtig machende Technologien eine Krise der psychischen Gesundheit bei Schülern verursacht zu haben. Die Folge: erhebliche Mehrkosten für psychologische Beratung.
Von der Gesamtsumme entfallen neun Millionen US-Dollar auf Meta, jeweils acht Millionen auf Snap und TikTok sowie zwei Millionen auf YouTube. Dieser Vergleich könnte Signalwirkung haben: Über 1.300 weitere Schulbezirke haben ähnliche Klagen eingereicht. US-Gerichte stufen das sogenannte Suchtdesign – endloses Scrollen oder Autoplay – zunehmend als Produktfehler ein.
Experten schätzen die potenzielle Gesamthaftung der Branche auf bis zu 400 Milliarden US-Dollar. Ein weiterer bedeutender Prozess wird für Februar 2027 in Arizona erwartet. Dort steht eine Schadensersatzforderung von über einer Milliarde US-Dollar im Raum.

