MicroLub-Mikrogele: Fett- und Kaloriengehalt um bis zu 75 Prozent senken

Neue B2B-Angebote, stabilisierte Enzyme und Protein-Mikrogele erweitern die Möglichkeiten für Aromen und Lebensmittelrezepturen.

•

In der Aromenindustrie zeichnen sich signifikante Fortschritte durch die Digitalisierung von B2B-Prozessen sowie neue Ansätze in der biochemischen Stabilisierung ab. Während Unternehmen verstärkt auf skalierbare Lösungen vom Labormaßstab bis zur industriellen Fertigung setzen, ermöglichen technologische Innovationen präzisere Anwendungsmöglichkeiten in den Bereichen Lebensmittel, Getränke und funktionelle Produkte.

Skalierbarkeit und digitale Lösungen für Getränkehersteller

Ein wesentlicher Trend zeigt sich in der Bereitstellung spezialisierter digitaler Plattformen für industrielle Abnehmer. Das Hamburger Unternehmen Hertz & Selck hat laut Berichten vom September 2026 mit dem Portal www.hertz-selck.rocks eine neue B2B-Schnittstelle für Getränkearomen etabliert. Das Angebot konzentriert sich auf die Segmente Erfrischungsgetränke, Spirituosen sowie funktionelle Getränke.

Im Fokus der Plattform steht die Unterstützung des gesamten Entwicklungsprozesses – vom ersten Entwurf am Labortisch bis hin zur großvolumigen industriellen Produktion.

Nach Angaben von Michael Möller und Paul Brudeilins liegen die Prioritäten dabei auf der Reproduzierbarkeit der Aromenprofile sowie der Einhaltung regulatorischer Anforderungen. Ziel sei es, Herstellern eine konsistente Qualität über verschiedene Produktionsmengen hinweg zu gewährleisten.

Synthetische Komponenten und stabilisierte Enzyme

Parallel zur digitalen Vernetzung schreitet die Entwicklung spezialisierter Aromastoffe und deren technologische Verarbeitung voran. Der Anbieter Ningbo Inno Pharmchem Co., Ltd. führt mit Gamma-Octanolacton einen synthetischen Stoff mit Kokosnote im Portfolio, der sowohl in Fruchtaromen als auch in herzhaften Savory-Varianten eingesetzt wird.

Das Anwendungsspektrum reicht hierbei von klassischen Profilen wie Pfirsich oder Himbeere bis hin zu komplexen Noten für Fleischersatzprodukte oder Kartoffelzubereitungen.

Einen wissenschaftlichen Durchbruch in der Katalyse verzeichnete ein Team des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Wie Forscher um Prof. Christof Niemeyer in der Fachzeitschrift Advanced Materials am 24.09.2026 darlegten, wurden sogenannte All-Enzyme Hydrogels (AEHs) entwickelt. Diese bestehen aus Enzymen, die gleichzeitig als Katalysator und als Baustoff für millimetergroße Kügelchen dienen.

Die Herstellung erfolgt über ein Verfahren aus Flüssigkeitströpfchen, Schockfrieren in flüssigem Stickstoff und anschließender Gefriertrocknung. Diese Kügelchen erwiesen sich in Tests nach einer Trockenlagerung von über vier Wochen bei Raumtemperatur als katalytisch aktiv; eine Funktion konnte sogar nach fünf Monaten nachgewiesen werden. Das zum Patent angemeldete Verfahren bietet laut den Wissenschaftlern vielfältige Anwendungsmöglichkeiten, unter anderem bei der Synthese von Aromastoffen.

Anzeige

Wer Saucen, Milchprodukte oder Backwaren kalorienärmer formulieren will, stößt schnell an die Grenze des Machbaren: Fett reduzieren heißt meist Geschmack und Mundgefühl opfern. Protein-Mikrogele, die mit Polysacchariden beschichtet sind, ahmen die Schmierwirkung von Fett nach — in einzelnen Anwendungen sind laut Anbieter bis zu 75 Prozent weniger Fett und Kalorien möglich, während der Proteingehalt steigt und der Bedarf an Emulgatoren sinkt. Unser kostenloser Praxisleitfaden zeigt, wie Sie Mikrogel-Formulierungen aufbauen und typische Rezepturfehler vermeiden. Jetzt kostenlosen Praxisleitfaden Fett-Ersatzstoffe anfordern

Fermentationsoptimierung und technologische Fett-Alternativen

In der biotechnologischen Herstellung gewinnen standardisierte Lösungen an Bedeutung. Die Marke FermBase der Hamburger CREMER-Gruppe präsentierte Ende September 2026 mit dem Y-Base Blend eine standardisierte Spurenelement-Mischung für die Hefefermentation.

In Zusammenarbeit mit der Münchener TUM-Ausgründung Differential Bio wurden hierfür über 50.000 Kombinationen in 3.300 Experimenten untersucht. Ziel war die Schaffung einer Mischung, die in der industriellen Anwendung eine vergleichbare oder bessere Performance als kundeneigene Formulierungen erzielt. Das Produkt ist für Mengen vom Labormaßstab bis hin zu mehreren Tonnen weltweit verfügbar.

Zudem rücken innovative Ansätze zur Textur- und Geschmacksoptimierung in den Fokus. Das 2023 gegründete Unternehmen MicroLub, ein Spin-out der University of Leeds, sicherte sich im September 2026 Wachstumskapital in Höhe von 7,5 Millionen Pfund.

Das Unternehmen entwickelt Protein-Mikrogele aus pflanzlichen oder tierischen Quellen, die mit Polysacchariden beschichtet sind. Diese Strukturen ahmen die Schmierwirkung von Fett nach, wodurch der Fett- und Kaloriengehalt in Anwendungen wie Saucen, Milchprodukten oder Backwaren um bis zu 75 Prozent gesenkt werden könne, ohne das Mundgefühl negativ zu beeinflussen.

Anwendungstrends in der Konsumgüterindustrie

Die praktischen Anwendungen dieser Innovationen zeigen sich auch in aktuellen Markteinführungen. Im Bereich der Heißgetränke präsentierte Nivona in Berichten vom 29.09.2026 die Nivo 7000er-Serie, deren Aroma Balance System fünf verschiedene Brühprofile bietet, um unterschiedliche Geschmacksnuancen aus der Kaffeebohne zu extrahieren.

Anzeige

Kalorienreduzierte Produkte scheitern im Regal oft an der Textur: zu dünn, zu wässrig, zu kreidig. Genau hier setzen beschichtete Protein-Mikrogele an — sie liefern die Schmierwirkung, die Fett sonst übernimmt, und halten das Mundgefühl stabil. Unser kostenloser Leitfaden bündelt die wichtigsten Formulierungs-Hebel: welche Proteinquelle zu welcher Anwendung passt, wie Sie Emulgatoren und Verdickungsmittel einsparen und wie Sie vom Labormaßstab in die Produktion skalieren. Checkliste Mikrogel-Formulierungen jetzt herunterladen

Auch im Segment der Spirituosen und Backwaren werden ungewöhnliche Geschmackskombinationen forciert. V-SINNE brachte im Rahmen einer Kooperation mit Paramount den Star Trek Red Matter Gin auf den Markt, der beerige Noten mit visuellen Effekten kombiniert.

In der handwerklichen Produktion zeichnen sich für die Wintersaison 2026 Trends zu Kombinationen wie Butterstollen mit Yuzu und Bergamotte oder Lebkuchen mit Miso ab, wie Rosemarie Häussler vom Backdorf Häussler im September erläuterte. Diese Entwicklungen unterstreichen den Trend zu komplexen, teils grenzüberschreitenden Aromenprofilen in der Lebensmittelindustrie.