Die Schweizer Bundesverwaltung plant laut Bundeskanzlei, ihre Abhängigkeit von Microsoft schrittweise und langfristig zu reduzieren. Geprüft werden sollen Open-Source-Alternativen für Arbeitsplätze in der Verwaltung. Zuvor war Microsoft 365 auf 54.000 Arbeitsplätzen des Bundes ausgerollt worden.
Hintergrund des Vorstosses sind sowohl finanzielle als auch sicherheitspolitische Überlegungen. Laut SRF sind in den vergangenen zehn Jahren rund 1,1 Milliarden Schweizer Franken für Microsoft-Lizenzen geflossen.
Zudem gilt seit 2018 in den USA der Cloud Act, der es US-Behörden erlaubt, Daten bei US-Unternehmen unabhängig vom Serverstandort anzufordern – ein Umstand, der die Diskussion um digitale Souveränität in der Schweizer Verwaltung befeuert. Eine Machbarkeitsstudie hat inzwischen bestätigt, dass ein Ersatz proprietärer Software durch Open-Source-Lösungen technisch möglich ist.
OpenDesk als mögliche Alternative
Als konkrete Option prüft der Bund die Software OpenDesk, eine Open-Source-Alternative zu Microsoft 365. Die für die Entwicklung zuständige Organisation ZenDiS hat parallel ein Partnerprogramm für OpenDesk gestartet. Seit dem Launch im Herbst 2024 sei das Interesse an der Lösung hoch, teilte ZenDiS mit.
Das Partnerprogramm sieht drei Kategorien vor: Official Distributor, Approved Sovereign Service Provider – für den unter anderem eine BSI-C5-Attestierung sowie SEAL Level 3 vorausgesetzt werden – sowie Approved System Integrator. Das Zertifizierungsverfahren ist ab sofort offen. Nicht zertifizierte IT-Anbieter können über autorisierte Distributoren als Reseller einsteigen.
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Weitere Partnerkategorien, etwa im Bereich Consulting, sollen folgen. Auch Schweizer Anbieter sollen teilnehmen können: Sie dürfen gleichwertige Schweizer Zertifizierungen anstelle deutscher Zertifikate einreichen. Noch offen ist, ob auch Schweizer Distributoren am Programm teilnehmen können.
Studie sieht noch Lücken
Wie praxistauglich OpenDesk für die Schweizer Verwaltung bereits ist, haben die Organisation und Informatik Zürich (OIZ) und die Berner Fachhochschule in einer gemeinsamen Studie untersucht. Demnach deckt OpenDesk zentrale Funktionen wie E-Mail, Chat, Videokonferenzen und Dateiablage bereits ab.
Microsoft 365 lasse sich damit jedoch noch nicht vollständig ersetzen. Als Hürden nennt die Studie Abhängigkeiten von der bestehenden IT-Infrastruktur sowie Lücken bei Betriebsautomatisierung, Telefonie, Cybersecurity und mobilen Apps.
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Trotz dieser Einschränkungen will die OIZ konkret werden: Die Organisation plant, OpenDesk noch 2026 im laufenden Betrieb zu testen. Ein solcher Praxistest würde zeigen, ob sich die in der Studie identifizierten Defizite im Alltag der Verwaltung tatsächlich als Hindernis erweisen oder ob sich Lösungen für die offenen Punkte finden lassen.
Der geplante Umstieg der Bundesverwaltung reiht sich damit in eine breitere Bewegung ein, bei der sowohl auf technischer als auch auf organisatorischer Ebene an Alternativen zu etablierten proprietären Systemen gearbeitet wird – von der Zertifizierung neuer Partner über ZenDiS bis zum konkreten Testbetrieb bei Schweizer Behörden.

