Microsoft stattet seine Bürosoftware mit einer neuen Funktion aus, um KI-generierte Audio- und Videoinhalte klar zu kennzeichnen. Ab Ende Februar 2026 können Administratoren verpflichtende Wasserzeichen für alle KI-Medien im Microsoft-365-Ökosystem aktivieren. Der Schritt ist eine direkte Antwort auf die wachsende Flut täuschend echter KI-Inhalte und soll für mehr Transparenz und Vertrauen in digitalen Arbeitsabläufen sorgen.
Standardisierte Kennzeichnung für Audio und Video
Herzstück der Ankündigung ist eine neue Richtlinie im Cloud Policy Service für Microsoft 365. Sie ermöglicht es IT-Administratoren, automatisch Wasserzeichen auf alle KI-generierten oder -bearbeiteten Medieninhalte anzuwenden. Ein mit KI-Funktionen in Microsoft Clipchamp erstelltes Video erhält dann ein sichtbares Logo. Eine von Copilot erstellte Audio-Zusammenfassung eines Word-Dokuments wird mit einem hörbaren Markierungston versehen.
Laut Microsoft-Dokumentation vom 22. Januar 2026 sind Aussehen und Wortlaut dieser Wasserzeichen standardisiert und können nicht angepasst werden. Das soll ein einheitliches Erkennungsmerkmal schaffen. Selbst wenn eine Organisation die sichtbaren oder hörbaren Markierungen deaktiviert, werden Metadaten zur Herkunft in der Datei gespeichert. Diese bieten einen versteckten, aber verifizierbaren Nachweis der KI-Nutzung. Die Funktion wird in der zweiten Februarhälfte 2026 verfügbar sein, zunächst jedoch nicht für US-Regierungskunden.
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Aufbauend auf dem C2PA-Standard für Bilder
Die neue Richtlinie baut auf Microsofts Engagement für die Content Provenance and Authenticity Coalition (C2PA) auf. Dieser offene Standard für Inhaltsherkunft funktioniert wie ein digitales Nährwertetikett. Für alle mit KI-Bildbearbeitung in Microsoft 365 Copilot erstellten Bilder setzt das Unternehmen diesen Standard bereits um. Ein kryptografischer Anhang – die Content Credentials – dokumentiert, ob und mit welchen Tools Inhalte erzeugt wurden.
Die Ausweitung auf Audio und Video zeigt einen umfassenderen Ansatz. Microsoft will die Authentizität von Inhalten in seiner gesamten Produktivitätssuite sicherstellen. „Dies ist eine logische Erweiterung unserer langjährigen Verpflichtung“, so ein Unternehmenssprecher. Die Daten lassen sich auf der Content-Credentials-Website überprüfen und bieten einen fälschungssicheren Herkunftsnachweis.
Gemessene Strategie statt General-Lösung
Analysten sehen in dem Schritt eine bewusste, aber gezielte Strategie. Bislang konzentrieren sich die robustesten Herkunftsnachweise auf Medien wie Bilder, Video und Audio. Die Erwartung, dass Microsoft 365 Copilot auch reinen KI-Text in Word oder Outlook automatisch kennzeichnet, wird von der aktuellen Dokumentation nicht gestützt.
Stattdessen setzt das Unternehmen auf eine mehrschichtige Transparenz-Strategie. Dazu gehören klare Hinweise in den Benutzeroberflächen und umfangreiche Administrations-Tools für Unternehmen. IT-Verantwortliche können über Data Loss Prevention (DLP) und Sensitivity Labels steuern, wie Copilot Inhalte verarbeitet und erzeugt. Diese Kombination aus expliziter Kennzeichnung und Backend-Governance gibt Kontrolle, ohne die Nutzerfreundlichkeit übermäßig einzuschränken.
Kontext: Antwort auf Regulierung und Misstrauen
Die Wasserzeichen-Initiative ist kein isoliertes Technik-Update. Sie manifestiert Microsofts übergreifenden Responsible AI Standard. Dieser basiert auf sechs Prinzipien: Fairness, Zuverlässigkeit, Privatsphäre, Inklusivität, Transparenz und Rechenschaftspflicht. Die Herkunftskennzeichnung unterstützt direkt die letzten beiden Prinzipien.
Die Maßnahme steht auch im Einklang mit dem Enterprise AI Services Code of Conduct des Konzerns. Dieser verpflichtet Unternehmen zur Verantwortung für ihre KI-generierten Inhalte und verbietet die Erstellung täuschender Medien. In einer Zeit, in der KI-Werkzeuge immer mächtiger werden, will Microsoft so Missbrauch vorbeugen, Marken schützen und Vertrauen in die Technologie aufbauen. Der Schritt ist auch eine strategische Positionierung im Hinblick auf regulatorische Rahmen wie den EU AI Act.
Ausblick: Herkunftsnachweis als Grundpfeiler der KI-Ära
Die Bedeutung von Inhaltsauthentizität wird in den nächsten Jahren dramatisch zunehmen. Microsoft-AI-Chef Mustafa Suleyman skizzierte kürzlich eine nahe Zukunft, in der die meisten Menschen einen persönlichen KI-Assistenten haben werden. Wenn KI-Systeme von Werkzeugen zu ständigen Begleitern werden, die sehen und hören, verschwimmt die Grenze zwischen menschlicher und synthetischer Realität.
Die Einführung von Wasserzeichen und Content Credentials kann als Grundstein für diese Zukunft gesehen werden. Indem die Branche heute klare Normen für KI-Transparenz setzt, können Privatsphären- und Authentizitätsbedenken proaktiv adressiert werden. Beobachter fragen sich nun, ob Microsoft diese Kennzeichnungspflicht auch auf rein textbasierte KI-Inhalte ausweiten wird. Dies wäre der nächste logische Schritt in Richtung einer transparenten, KI-gestützten Arbeitswelt.
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