Microsoft 365 in den Niederlanden: Behörde stoppt Cloud-Einführung

Sicherheits- und Abhängigkeitsbedenken führen zum Stopp der Cloud-Einführung; E-Mail, Kalender und Zusammenarbeit sollen schrittweise umgestellt werden.

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Die niederländische Steuer- und Zollverwaltung hat die geplante Einführung von Microsoft 365 in der Cloud gestoppt. Ausschlaggebend für die Entscheidung im laufenden Jahr 2026 sind erhebliche Bedenken hinsichtlich der Informationssicherheit, der Datenvertraulichkeit sowie der Gefahr einer langfristigen Anbieterabhängigkeit.

Wie aus Berichten hervorgeht, plant die Behörde, ihre bisherige Microsoft-Software zunächst weiter zu nutzen, während bei persönlichem Speicher und Kollaborationswerkzeugen ein Wechsel zu lokalen Installationen und Open-Source-Lösungen vollzogen werden soll.

Grundlage für diesen Schritt ist eine Empfehlung des niederländischen Beirats für IKT-Prüfung aus dem Juni. Das Beratungsgremium hatte deutliche Defizite in den Bereichen Sicherheit, Zukunftsfähigkeit und Kontrollierbarkeit festgestellt. Zudem bemängelte der Bericht das Fehlen einer tragfähigen Ausstiegsstrategie sowie eine unzureichende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Eins-zu-eins-Anrufen über Microsoft Teams.

Zeitplan sieht schrittweise Umstellung bis 2028 vor

Für den Umbau der IT-Infrastruktur hat die Behörde einen mehrstufigen Zeitplan ausgearbeitet. Bis 2027 sollen die Systeme für E-Mail und Kalenderfunktionen auf eine lokale On-Premises-Infrastruktur umgestellt werden. Für Datenspeicher und Kollaboration strebt die Behörde den Einsatz europäischer Open-Source-Lösungen an, deren Einführung für die Jahre 2027 und 2028 vorgesehen ist.

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Die Neuausrichtung fügt sich in die allgemeine Digitalstrategie des Landes ein. Am 1. Oktober 2026 unterzeichneten die niederländische Regierung, Provinzen, Gemeinden und die Bildungsorganisation SURF auf dem Open Source Leadership Summit eine Absichtserklärung, um Open-Source-Software zu einem festen Bestandteil der öffentlichen Verwaltung zu machen.

Diese Vereinbarung sieht unter anderem die Verankerung von Rollen für Programm-Büros zur Open-Source-Koordination in den Behörden vor. Staatssekretär Aerdts betonte anlässlich der Unterzeichnung, dass Open Source zwar nicht immer einfach oder billig sei, die Systeme dadurch jedoch unabhängiger würden. Bereits jetzt wird die Plattform Drupal für Overheden von über 100 Regierungsorganisationen genutzt und als Open-Source-Software bereitgestellt.

Debatte um digitale Souveränität in Europa

Die Entscheidung der niederländischen Behörden spiegelt einen europaweiten Trend wider. Laut Erhebungen der Linux Foundation Europe halten 94 Prozent der Organisationen in der Europäischen Union digitale Souveränität für wichtig. Dennoch verläuft die Loslösung von großen Technologieanbietern in der Praxis oft herausfordernd.

In Dänemark beendete das Digitalisierungsministerium im Frühjahr 2026 ein Pilotprojekt mit der Open-Source-Lösung Collabora ohne Evaluation, da es im Kommuniqué weder Erfolgsschwellen noch ein festes Enddatum gegeben hatte. Ende Oktober stritten die dänischen Ministerinnen Caroline Stage und Christina Egelund öffentlich über die Verantwortung für den Abbruch. Eine Wiederaufnahme des Projekts ist laut Ministerium nicht vorgesehen.

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Andernorts forcieren Kommunen den Wandel: Der Conseil de Métropole der französischen Stadt Montpellier beschloss am 13. Oktober 2026 einstimmig eine sechsjährige Souveränitätsstrategie, mit der binnen zwei Jahren rund 600 Softwarelösungen – darunter Microsoft 365 – ersetzt werden sollen.

Der zuständige Vize-Präsident für Souveränität, Manu Reynaud, bezifferte die jährlichen Lizenzkosten auf 1,8 Millionen Euro und verwies auf drohende Preissteigerungen von 15 bis 40 Prozent bei Vertragsverlängerungen ohne entsprechenden Mehrwert. Auch in Deutschland stehen Verwaltungen vor ähnlichen Hürden.

Laut einer aktuellen Umfrage unter Kommunen in Nordrhein-Westfalen nutzen 92 Prozent externe Software- oder Cloud-Anbieter, wobei 82 Prozent diese Abhängigkeit kritisch sehen. Die Entwicklung europäischer und lokal kontrollierter Alternativen kommt dort bislang nur langsam voran.