Microsoft 365: KI-Offensive trifft auf schärfere Compliance

Microsoft führt einen Platzhalter für Copilot auf Macs ein, erweitert KI-Fähigkeiten in Edge und Outlook und verschärft ab sofort die Vorgaben für elektronische Beweissicherung.

Microsoft treibt die Integration seiner KI Copilot in dieser Woche mit einer neuen Strategie für Mac-Nutzer voran und verschärft gleichzeitig die Compliance-Vorgaben für Unternehmen. Ab sofort gelten neue Regeln für die elektronische Beweissicherung.

Copilot für macOS: Platzhalter statt Vollinstallation

Ein neuer Ansatz für die Verteilung der KI auf Apple-Computern sorgt für Aufsehen. Seit dem Valentinstag rollt Microsoft ein Update für den Installer der Microsoft-365-Apps auf macOS aus. Es bringt einen „Shim“ – einen Platzhalter oder eine Verknüpfung – für Microsoft 365 Copilot mit sich.

Diese Methode ist vor allem für Unternehmen gedacht. Statt die volle KI-Software automatisch auf alle Geräte zu spielen, können Nutzer sie bei Bedarf durch einen Klick auf das Symbol nachladen. Das schont Bandbreite und Speicherplatz und gibt IT-Administratoren mehr Kontrolle über die Einführung der KI-Tools. Bestehende Installationen bleiben zunächst unverändert.

Edge und Outlook: KI lernt „zusammenhängendes Denken“

Parallel dazu kündigte Microsoft in seinem Roadmap-Update vom 12. Februar neue Fähigkeiten für Copilot an. Sie zielen darauf ab, die Interaktion der KI mit Nutzerdaten zu vertiefen.

In Microsoft Edge erhält der browserbasierte Assistent die Fähigkeit, über mehrere geöffnete Tabs hinweg zu „denken“. Bisher war die Analyse auf die aktive Seite beschränkt. Künftig soll Copilot komplexe Fragen beantworten können, die Informationen aus verschiedenen Webquellen oder Dokumenten in mehreren Tabs zusammensetzen müssen. Der Browser wird so zu einem mächtigeren Recherche-Assistenten.

In Outlook wird die KI deutlich kontextbewusster. Sie soll künftig nicht nur einzelne E-Mail-Threads zusammenfassen, sondern Verbindungen zwischen verschiedenen Nachrichten, Kalenderterminen und Unternehmensdaten herstellen können. Das verspricht einen ganzheitlicheren Blick auf den Arbeitskontext eines Nutzers.

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Für Admins: Neue Pflichten und lang ersehnte Tools

Für IT-Administratoren und Compliance-Beauftragte gilt ab heute, dem 16. Februar, eine wichtige Neuregelung. Microsoft hat Änderungen bei Microsoft Purview eDiscovery (Premium) umgesetzt. Für komplexe Workflows sind nun zwingend vollwertige eDiscovery (Premium)-Fälle zu nutzen. Die Unterstützung für Review-Sets und fallbezogene Datenquellen in standardmäßigen Content-Search-Fällen entfällt. Unternehmen müssen für rechtliche Sicherungen und Untersuchungen jetzt auf den robusteren Premium-Workflow umsteigen.

Eine Erleichterung gibt es hingegen für Exchange-Online-Administratoren. Ein neues PowerShell-Cmdlet löst ein altes Problem: Es ermöglicht erstmals, den Organisator einer bestehenden Besprechung zu ändern. Das ist entscheidend, wenn ein Mitarbeiter die Abteilung wechselt oder das Unternehmen verlässt. Die Besprechungsserie, der Wiederholungsrhythmus und die Teilnehmerliste bleiben dabei erhalten – die Geschäftskontinuität ist gewahrt.

Strategischer Spagat: Mehr KI, mehr Kontrolle

Die Updates zeigen den strategischen Spagat von Microsoft für 2026: Die Hemmschwelle für Endnutzer, KI einzusetzen, soll sinken, während gleichzeitig die Governance-Anforderungen für Unternehmens-IT steigen. Die Einführung eines „Forschungs-Agenten“ für hochsensible Regierungsclouds (GCC) unterstreicht, dass auch sicherheitskritische Sektoren nun fortschrittliche, „agentische“ KI-Fähigkeiten erhalten.

Analysten deuten die neuen „Reasoning“-Fähigkeiten als nächste Phase der KI-Nutzung – vom einfachen Generieren von Inhalten hin zur Ausführung komplexer Aufgaben. Die gleichzeitige Verschärfung der eDiscovery-Regeln ist jedoch eine klare Erinnerung: Mit wachsender KI-Macht müssen auch die Compliance-Rahmenwerke Schritt halten.

Die Einführung des Copilot-Shims für macOS soll bis zum späten Frühjahr abgeschlossen sein. Die neuen Reasoning-Funktionen in Edge und Outlook werden in den kommenden Wochen erwartet. IT-Administratoren sollten ihre eDiscovery-Prozesse umgehend überprüfen, um die neuen, ab heute geltenden Standards einzuhalten.