Microsoft 365: KI-Sicherheitslücke und Preiserhöhungen belasten Unternehmen

Eine kritische Sicherheitslücke im KI-Copilot, bevorstehende Preiserhöhungen bis zu 21 Prozent und eine Kartellprüfung in den USA belasten Microsofts Flaggschiff-Produktivitätssuite.

Microsofts Flaggschiff-Produktivitätssuite Microsoft 365 steckt in einer Zwickmühle. Während das Unternehmen seine KI-Funktionen massiv ausbaut, sorgen eine kritische Sicherheitslücke im Copilot, regulatorische Prüfungen in den USA und drastische Preiserhöhungen ab Juli für erheblichen Druck auf IT-Abteilungen weltweit.

KI-Copilot ignoriert vertrauliche Daten

Eine schwere Sicherheitslücke erschüttert das Vertrauen in Microsofts KI. Wie Cybersecurity-Experten am 23. und 24. Februar 2026 berichteten, konnte der Microsoft 365 Copilot interne Sicherheitsbarrieren umgehen. Die als CW1226324 geführte Schwachstelle ließ das KI-Tool Data Loss Prevention (DLP)-Richtlinien und Vertraulichkeits-Labels ignorieren.

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Konkret las und verarbeitete der Copilot im „Work“-Tab vertrauliche E-Mails aus den „Gesendet“- und „Entwürfe“-Ordnern – selbst wenn diese Dokumente explizit als streng vertraulich markiert waren. Damit wurden sensible Daten wie Rechtsgutachten oder Gesundheitsinformationen potenziell zugänglich.

Microsoft bestätigt den Vorfall. Das Unternehmen räumte ein, dass der Chat-Dienst vertrauliche Nachrichten trotz aktiver DLP-Konfigurationen verarbeitete. Obwohl bereits Gegenmaßnahmen laufen, warnen Sicherheitsexperten: Unternehmen können sich nicht blind auf die Plattform-internen Sicherheitsmechanismen verlassen. Sie empfehlen eine physische Trennung von Verschlüsselungsschlüsseln und -inhalten.

Kartellwächter prüfen, Microsoft drängt auf KMU

Parallel zur Sicherheitskrise gerät Microsofts aggressive KI-Strategie ins Visier der US-Wettbewerbshüter. Die Federal Trade Commission (FTC) prüft, ob die tiefe Integration des Copilots in Windows 11 und Microsoft 365 wettbewerbswidriges Verhalten darstellt. Vorwurf: Die enge Bündelung erschwere es Unternehmen, die KI-Tools abzuschalten, und zwinge sie zur Nutzung.

Trotz dieser regulatorischen Gegenwinde prescht Microsoft beim Markteintritt voran. Besonders im KMU-Segment will der Konzern die Adoption vor den Juli-Preiserhöhungen ankurbeln. Dazu hat Microsoft sein KI-Angebot neu strukturiert und den Copilot in separate „Enterprise“- und „Business“-Varianten aufgeteilt.

Bis zum 31. März 2026 lockt der Konzern mit Rabatten von bis zu 35 Prozent für gebündelte Lizenzen von Microsoft 365 Business Standard oder Premium inklusive Copilot. Zudem kündigte Microsoft am 23. Februar an, ab März den Copilot Chat in Microsoft Forms zu integrieren. Das soll die Erstellung von Umfragen und Datenanalysen für Geschäftsanwender ohne tiefe IT-Kenntnisse vereinfachen.

Preisschock ab Juli: Bis zu 21 Prozent teurer

Die wohl konkreteste Herausforderung für IT-Einkäufer sind die umfassenden Preiserhöhungen ab 1. Juli 2026. Microsoft begründet die Anpassungen mit über 1.100 neuen Funktionen, darunter erweiterte Sicherheitstools wie Microsoft Defender for Office 365 Plan 1.

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Die finanziellen Auswirkungen sind jedoch sehr unterschiedlich, je nachdem, ob Unternehmen komplette Suites oder Einzellizenzen nutzen:
* Suite-Preise steigen moderat: Microsoft 365 E3 wird um 8,3 Prozent von 36 auf 39 US-Dollar pro Nutzer und Monat teurer. Die Premium-Suite E5 steigt um 5,3 Prozent von 57 auf 60 Dollar.
* Einzellizenzen explodieren: Deutlich härter trifft es eigenständige Lizenzen. Windows E3 wird um 15 Prozent von 6,63 auf 7,63 Dollar teurer. Noch extremer: Apps for Business steigt um 21 Prozent von 8,25 auf 10,00 Dollar.

Experten raten dringend zu einem genauen License-Audit vor der Juli-Deadline. Für Großunternehmen, die kürzlich ihre Altbestandsrabatte verloren haben, werden die Kostensteigerungen besonders spürbar.

Ausblick: Innovation versus Kosten und Sicherheit

Die Entwicklungen Ende Februar 2026 markieren eine Übergangsphase für Unternehmenssoftware. Microsoft 365 wandelt sich von einer Standard-Produktivitätssuite zu einem KI-getriebenen Betriebssystem. Die Balance zwischen Innovation, Kosten und Sicherheit wird dabei immer fragiler.

Die Sicherheitspanne beim Copilot zeigt: Die Einführung von KI erfordert eine unabhängige Sicherheitsvalidierung – blindes Vertrauen in die Schutzmechanismen des Anbieters ist riskant.

Für Unternehmen schließt sich ein Zeitfenster. Die Rabattaktionen enden im März, die dauerhaften Preiserhöhungen folgen im Juli. IT-Verantwortliche sollten prüfen, ob mehrjährige Verträge aktuelle Preise sichern können. Gleichzeitig könnte die FTC-Prüfung in den USA langfristig beeinflussen, wie KI-Tools gebündelt, reguliert und verkauft werden. Am Ende müssen Unternehmen abwägen: Sind die Produktivitätsvorteile der KI den finanziellen Aufwand und den strikten Datenschutz wert?