Die niederländische Steuer- und Zollverwaltung stoppt den geplanten Rollout der Public-Cloud-Plattform Microsoft 365. Stattdessen setzt die Behörde künftig wieder auf lokale Server und Open-Source-Software. Der ursprüngliche Zeitplan sah einen Umstieg ab dem Jahr 2025 vor, der bis Ende 2026 abgeschlossen sein sollte. Rund 5.000 Mitarbeiter waren bereits auf die Cloud-Lösung migriert worden.
Dem Schritt ging eine Empfehlung des Beratungsrats AcICT aus dem Juni voraus, die eine Rückabwicklung des Vorhabens vorsah. Am 5. Oktober 2026 bestätigte der Staatssekretär für Finanzen, Eelco Eerenberg, diesen On-Premises-Ansatz mit quelloffenen Werkzeugen für den Belastingdienst, den Zoll sowie die Leistungsverwaltung in einem Schreiben an das Parlament.
Sicherheitsbedenken und fehlende Exit-Strategie
Als Gründe für den Abbruch des Projekts nannte die niederländische Steuer- und Zollverwaltung Mängel bei der Informationssicherheit, der Datenverarbeitung sowie der Zukunftssicherheit.
Demnach fehlten sowohl ein Double-Key-Encryption-Verfahren als auch eine standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei 1:1-Anrufen in Microsoft Teams; auch Gruppenanrufe verfügten nicht über diesen Schutz. Zudem wurden die Kontrolle vertraulicher Dokumente über Server in den USA sowie ein drohender Vendor-Lock-in und das Fehlen einer tragfähigen Exit-Strategie beanstandet.
Ein Prüfbericht von AcICT stellte Mängel bei der Klassifizierung und dem Schutz sensibler Informationen fest. Zudem wurden Lücken bei der Datensicherung identifiziert: Verschlüsselte Dateianhänge ließen sich ohne Microsoft 365 nicht wiederherstellen, und Teams-Inhalte wurden unvollständig gesichert.
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Zudem fehle es an einem belastbaren Ausstiegsplan und einer vollständigen Kostenübersicht. Einem Bericht zufolge handelte es sich bei der Entscheidung nicht um die Reaktion auf einen technischen Exploit oder Sicherheitsvorfall, sondern um einen strategischen Entschluss auf Basis politischer Beratung.
Als Auslöser nannte ein Bericht die Sperrung des Nachrichtenzugangs des Anklägers des Internationalen Strafgerichtshofs unter dem Druck von Vertretern aus Washington sowie unbefriedigende Verschlüsselungsstandards und ein undurchsichtiges Metadatenmanagement.
Neues Konzept sieht eigene Rechenzentren und Open Source vor
Bestehende Microsoft-Programme bleiben bei der Steuer- und Zollverwaltung vorerst weiter in Betrieb. Die Systeme für E-Mail und Kalender sollen ab 2027 wieder lokal betrieben werden. Für Speicher- und Kollaborationsdienste sind für Ende 2027 und 2028 europäische Open-Source-Lösungen vorgesehen. Die Kerntaxsysteme verbleiben dauerhaft im behördeneigenen Rechenzentrum in Apeldoorn.
Zur Umsetzung der künftigen Infrastruktur führen die niederländischen Steuer-, Zoll- und Sozialbehörden das Projekt DAWO (Digitaal Autonome Werkomgeving Overheid) durch.
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Die neue Architektur setzt auf NixOS als Betriebssystem, Nextcloud als Speicherplattform, Collabora für die Bearbeitung von Dokumenten, Element für Instant Messaging sowie OpenProject. An entsprechenden Tests beteiligen sich acht Kommunen. Dabei kooperieren die Behörden mit der französischen Initiative La Suite sowie der deutschen Plattform openDesk.
Trend zu digitaler Souveränität in Europa
Die Entscheidung in den Niederlanden reiht sich in vergleichbare Entwicklungen in anderen europäischen Staaten ein. Berichten zufolge verzeichnen auch die Schweiz, Österreich, Frankreich, Deutschland und Irland Wechsel hin zu Linux-Systemen.
Laut dem Report 2026 der Linux Foundation Europe erachten 94 Prozent der Organisationen in der Europäischen Union digitale Souveränität für wichtig, 61 Prozent halten sie für sehr wichtig. Künstliche Intelligenz wird von 94 Prozent der Organisationen mit derselben Priorität eingestuft.
Thierry Carrez, General Manager der Linux Foundation Europe, betonte den Bedarf an souveräner Kontrolle, während Nithya Ruff, Vorsitzende des Linux Foundation Board, digitale Souveränität als weltweites Erfordernis beschrieb.

