Microsoft 365: Preise ab Juli um bis zu 16 Prozent erhöht

Microsoft macht den umstrittenen KI-Button in Excel nach Nutzerprotesten verschiebbar und deaktivierbar. Neue Tastenkürzel für Copilot eingeführt.

Der schwebende KI-Button nervte Excel-Profis so sehr, dass Microsoft jetzt nachbessert.

Der Softwarekonzern reagiert auf monatelange Kritik von Power-Usern: Der sogenannte „Dynamic Action Button“ (DAB) – ein schwebendes Interface-Element, das Microsoft Ende 2025 einführte, um die KI-Nutzung voranzutreiben – blockierte immer wieder aktive Zellen und Formeln. Ab sofort können Nutzer den Button per Rechtsklick entweder in die klassische Menüleiste verschieben oder ganz deaktivieren. Die Änderung wurde am 23. Mai im Rahmen des Microsoft-365-Insider-Programms ausgerollt.

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Der Spagat zwischen Sichtbarkeit und Funktionalität

Der Konflikt zwischen KI-Sichtbarkeit und Tabellenkalkulation zeigt exemplarisch, wie schwierig die Integration „agentischer“ KI in professionelle Arbeitsabläufe ist. Microsoft führt parallel neue Tastenkombinationen ein: Windows-Nutzer steuern Copilot künftig mit Alt+C, Mac-User mit Command+Control+I. Ziel ist es, den Assistenten vom Seitenleisten-Helfer zu einem echten Agenten weiterzuentwickeln, der Dokumente bearbeitet, komplexe Präsentationen erstellt und tiefgehende Datenanalysen durchführt – ohne manuelle Zellauswahl.

Die Bezahlzahlen bleiben indes verhalten. Nur rund 3,3 Prozent der Microsoft-365-Nutzer zahlen derzeit für das separate Copilot-Abo. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 vermeldete der Konzern zwar 20 Millionen bezahlte Lizenzen – das entspricht einem KI-Gesamtumsatz von umgerechnet rund 34 Milliarden Euro. Dennoch: Der Durchbruch in der Breite steht noch aus.

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OpenAI und Google ziehen nach – der Wettbewerb verschärft sich

Microsoft ist nicht allein auf dem Feld der autonomen KI-Assistenten. Am 25. Mai veröffentlichte OpenAI eine neue Version seiner Codex-Anwendung für macOS. Das Tool nutzt Apples ScreenCaptureKit und Accessibility-APIs, um aktive Fenster zu „sehen“ und mit ihnen zu interagieren. In Vorführungen debuggte die Software eigenständig Anwendungen über die grafische Oberfläche, erstellte Websites aus Textbefehlen und generierte Geschäftsberichte durch direkte Integration mit Slack, Gmail und internen Wissensdatenbanken.

Parallel dazu bereitet sich die Branche auf die WWDC 2026 am 8. Juni vor. Apple wird dort voraussichtlich seine „Apple Intelligence“-Funktionen vorstellen, darunter eine tiefe Integration von KI in iOS 27 und macOS 27.

Drittanbieter drängen in die Nische

Während Microsofts Copilot noch an der Benutzerfreundlichkeit feilt, setzen professionelle Anwender zunehmend auf spezialisierte Drittanbieter. Claude Cowork auf Basis des Opus-4.7-Modells erstellt komplexe, mehrblättrige Umsatzprognosen mit über 700 Formeln auf einen einzigen Befehl hin. Tools wie Shortcut.ai und ChatGPT-Erweiterungen für Google Sheets werden für spezifische Bearbeitungsaufgaben genutzt.

Auch im Bereich der Automatisierung tut sich etwas: Das Plugin Shortcuts Playground für Codex erlaubt seit dem 23. Mai die Erstellung von Apple-Kurzbefehlen per natürlicher Sprache – ein Vorgeschmack auf das, was auf dem Mac möglich wird.

Preisschock für Unternehmen – Alternativen formieren sich

Die Kosten für professionelle Produktivität steigen spürbar. Microsoft hebt zum 1. Juli 2026 die Preise für seine Business-Tarife an: Business Basic steigt um 16 Prozent, Business Standard um 12 Prozent. Gleichzeitig führt der Konzern mit Microsoft 365 E7 ein neues Spitzenpaket für 92 Euro pro Nutzer und Monat ein – gedacht für Organisationen mit maximalem KI-Integrations- und Sicherheitsbedarf.

Die Konkurrenz reagiert. OnlyOffice Docs 9.4 hat Mitte Mai seine bisherige 20-Nutzer-Grenze aufgehoben und positioniert sich als kostengünstige Alternative für kleine und mittlere Unternehmen. Die „Euro-Office“-Initiative unter Beteiligung von Ionos, Nextcloud und Proton plant für Sommer 2026 den Marktstart – ein Signal für mehr digitale Souveränität in Europa.

Ausblick: Vom Helfer zum Agenten

Der Rest des Jahres 2026 wird vom Wandel generativer KI hin zu agentischen Systemen geprägt sein, die eigenständig mehrschrittige Aufgaben über verschiedene Anwendungen hinweg ausführen. Googles Spark-Agenten stehen kurz vor der macOS-Beta, und Apples WWDC-Keynote dürfte weitere Impulse setzen.

Für Excel-Nutzer bleibt die entscheidende Frage: Wie viel Automatisierung verträgt die Präzision? Der zurückgenommene Copilot-Button ist ein Eingeständnis, dass Sichtbarkeit nicht auf Kosten der Funktionalität gehen darf. Die Preisrunde zum 1. Juli wird zeigen, ob die versprochenen Effizienzgewinne die steigenden Kosten rechtfertigen – oder ob der Markt zu günstigeren, souveränen Alternativen greift.