Microsoft 365: Übergangsformat sorgt laut Stiftung weiter für Kompatibilitätsprobleme

Die Stiftung kritisiert Microsofts OOXML-Verfahren und verweist auf fortbestehende Kompatibilitätsprobleme mit alternativen Office-Programmen.

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Die Organisation hinter LibreOffice, The Document Foundation, hat schwere Vorwürfe gegen den US-Softwarekonzern Microsoft erhoben. Der Vorwurf lautet, Microsoft habe den internationalen Standardisierungsprozess für das Dokumentenformat Open Office XML zwischen 2006 und 2008 gezielt manipuliert.

Die Organisation wirft dem Konzern vor, Schwächen der Verfahren der Internationalen Organisation für Normung ausgenutzt, systematisch Einfluss auf nationale Normungsgremien genommen und eine für eine ordentliche Prüfung viel zu umfangreiche Spezifikation eingereicht zu haben.

Vorgeschichte und Druck durch alternative Standards

Nach Darstellung der Document Foundation begann Microsoft im Jahr 2000 mit der Entwicklung eines XML-basierten Formats für Dateitypen wie DOC, XLS und PPT. Eine Unterstützung des offenen Formats OpenDocument Format lehnte der Konzern damals mit der Begründung ab, dies liege nicht im eigenen Interesse.

Unter Zugzwang geriet Microsoft erst, als der US-Bundesstaat Massachusetts im Jahr 2006 ankündigte, künftig für öffentliche Dokumente verbindlich auf ODF zu setzen.

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Daraufhin reichte das technische Komitee TC 45 von Ecma International, dessen Vorsitz zwei Microsoft-Mitarbeiter innehatten, im Jahr 2006 eine rund 6.000 Seiten umfassende Spezifikation bei der ISO ein. Dies geschah über das sogenannte Fast-Track-Verfahren, das eigentlich nur für bereits ausgereifte und kurze Spezifikationen vorgesehen war.

Einflussnahme auf nationale Normungsgremien

Um die Annahme des Formats auf internationaler Ebene durchzusetzen, soll Microsoft nach Angaben der Stiftung die Zusammensetzung nationaler Normierungsgremien beeinflusst haben.

Im Jahr 2007 verzeichnete Portugal einen auffälligen Zustrom neuer Mitglieder in seinem Normungsausschuss, von denen viele geschäftliche Beziehungen zu Microsoft unterhielten. In Italien wuchs das zuständige Gremium innerhalb weniger Monate von 5 auf über 80 Mitglieder an, darunter befanden sich Anwaltskanzleien und PR-Agenturen des Konzerns.

Auch von damaligen Funktionären der Organisation gab es Widerspruch: Martin Bryan, seinerzeit Koordinator einer ISO-Arbeitsgruppe, kritisierte 2007 das Verhalten der neu beigetretenen Teilnehmer. Diese seien primär angetreten, um die Zulassung zu beschleunigen, anstatt die technische Spezifikation inhaltlich sorgfältig zu prüfen. Mehrere Verfahrensabstimmungen scheiterten letztlich aufgrund der Anwesenheit dieser Mitglieder.

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Anhaltende Folgen für die Interoperabilität

Die Document Foundation verweist zudem auf die langfristigen Auswirkungen dieser Normierungsstrategie. Im Jahr 2010 setzte Microsoft in Office 2010 auf die sogenannte Übergangsversion des Formats anstelle der strikten ISO-Version. Diese Entscheidung verursacht bis heute anhaltende Kompatibilitätsprobleme zwischen Microsoft Office, LibreOffice und weiteren Softwareanwendungen.

Am 23. Oktober 2026 erneuerte The Document Foundation ihre Kritik mit Blick auf moderne Cloud-Dienste: Auch in Microsoft 365 setze der Konzern weiterhin überwiegend die Übergangsversion anstelle der strikten ISO-Version ein. Dies führe nach wie vor zu gravierenden Kompatibilitätsproblemen bei alternativen Programmen wie LibreOffice und WPS Office.