Microsoft beendet SMS-Codes: Passkeys ab September Standard

Microsoft, GMX und WEB.DE forcieren den Umstieg auf passwortloses Anmelden. Neue Hardware und Plattformen sollen die Sicherheit gegen KI-Angriffe erhöhen.

Die Ära der klassischen Passwörter neigt sich dem Ende zu. Microsoft, große E-Mail-Anbieter und Sicherheitsfirmen treiben den Umstieg auf passwortlose Authentifizierung massiv voran – getrieben von der wachsenden Bedrohung durch KI-gestützte Hackerangriffe.

Der Druck auf Unternehmen und Verbraucher wächst: Herkömmliche Sicherheitsmaßnahmen kommen gegen moderne Cyberangriffe zunehmend an ihre Grenzen. Gleich mehrere Tech-Giganten haben in dieser Woche Weichenstellungen für eine sicherere Zukunft bekannt gegeben.

Microsoft macht Schluss mit SMS-Codes

Der Softwarekonzern aus Redmond setzt ein klares Signal: Ab dem 1. September 2026 werden Passkeys zur Standard-Authentifizierungsmethode für die Identitätsplattform Entra ID. Noch weitreichender ist der angekündigte Schlussstrich: Bis zum Februar 2027 stellt Microsoft die Unterstützung für SMS- und sprachbasierte Authentifizierung komplett ein.

Der Grund dafür ist alarmierend: KI-gesteuerte Phishing-Kampagnen erzielen laut Microsoft-internen Daten mittlerweile eine Klickrate von 54 Prozent. Zum Vergleich: Bei traditionellen Angriffen liegt dieser Wert bei lediglich 12 Prozent. Passkeys gelten als deutlich sicherer, weil die kryptografischen Schlüssel auf dem Gerät des Nutzers verbleiben und nicht abgefangen werden können.

38 Millionen Nutzer bekommen Zugang

Auch für Verbraucher tut sich etwas. Die E-Mail-Dienste GMX und WEB.DE haben am 22. Juli den Passkey-Support für rund 38 Millionen Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz freigeschaltet. Der Login per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung ist damit möglich – klassische Passwörter bleiben vorerst als Alternative erhalten.

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Angesichts der massiv steigenden Klickraten bei KI-gestützten Phishing-Angriffen wird der Umstieg auf sicherere Anmeldeverfahren immer dringlicher. Dieser kostenlose Report zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Passkeys bei großen Diensten wie Amazon, Microsoft und WhatsApp sofort einrichten. Was steckt hinter Passkeys – der Technologie, die Passwörter für immer ablösen soll?

Parallel dazu bringt der Sicherheitsspezialist OneSpan seine Plattform DigipassONE auf den Markt. Sie soll Banken den Umstieg erleichtern, indem sie Einmalpasswörter, Hardware-Token und FIDO2-basierte Passkeys vereint. Mehr als 60 Prozent der 100 größten Banken weltweit nutzen bereits OneSpan-Dienste – für sie wird der Wechsel ohne sofortigen Austausch bestehender Hardware möglich.

Yubico bringt neue Schlüssel-Generation

Der Hardware-Spezialist Yubico hat mit dem YubiKey 5.8 eine aktualisierte Firmware veröffentlicht. Sie unterstützt den neuen CTAP-2.3-Standard und ermöglicht signierte WebAuthn-Transaktionen. Damit lassen sich künftig Dokumente digital unterschreiben, Identitäts-Wallets absichern oder Zahlungen bestätigen – alles hardwaregestützt und ohne Passwort.

Für Unternehmen besonders relevant: Die neuen Schlüssel erlauben eine Enterprise Attestation für bis zu 16 verschiedene Dienste pro Gerät. Das ermöglicht eine feinere Sicherheitsverwaltung in komplexen Unternehmensnetzwerken.

Der Weg ist noch weit

Trotz der Fortschritte bleibt die globale Einführung eine Herausforderung. Die FIDO Alliance zählte im Mai rund 5 Milliarden aktive Passkeys weltweit. Doch 36 Prozent der wichtigsten Websites unterstützen die Technologie noch immer nicht.

Die Risiken alter Systeme sind unüberschritten geblieben. Sicherheitsforscher von Huntress dokumentierten im ersten Halbjahr 2026 einen 155-fachen Anstieg von Credential-Spraying-Angriffen. Eine Kampagne namens LSHIY zielte im Juni auf Microsoft Azure CLI-Nutzer ab – mit 81 Millionen Anmeldeversuchen in nur zwei Wochen.

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Die Zukunft der Authentifizierung steht im Mittelpunkt der Black-Hat-USA-Konferenz Anfang August in Las Vegas. Experten diskutieren dort über KI-Agenten, IoT-Sicherheitslücken und die noch ungelösten Interoperabilitätsprobleme zwischen verschiedenen Betriebssystemen und Plattformen.