Microsoft: Britische Wettbewerbshüter prüfen Marktmacht

Die CMA leitet eine formelle Untersuchung gegen Microsoft ein, um eine mögliche zu dominante Stellung in Geschäftssoftware und KI zu prüfen. Dies könnte zu weitreichenden Auflagen führen.

Die britische Wettbewerbsbehörde CMA leitet eine formelle Untersuchung gegen Microsoft ein. Im Fokus steht die Frage, ob der Tech-Riese eine zu dominante Stellung in der Geschäftssoftware besitzt. Das könnte weitreichende Auflagen nach sich ziehen.

Strategische Marktstellung unter der Lupe

Die Competition and Markets Authority (CMA) kündigte am 31. März 2026 an, Microsofts gesamtes Geschäftssoftware-Ökosystem zu prüfen. Konkret geht es um Produkte wie Windows, Microsoft 365, Teams und die KI-Plattform Copilot. Die Behörde will feststellen, ob das Unternehmen den Status einer „Strategischen Marktstellung“ (SMS) erhält. Dieser würde der CMA erweiterte Befugnisse geben, um in die Geschäftspraktiken des Konzerns einzugreifen.

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Hintergrund ist ein neues, schärferes Wettbewerbsrecht für digitale Märkte. Eine SMS-Einstufung droht Firmen mit „erheblicher und gefestigter“ Marktmacht. Für Microsoft wäre das eine bedeutende Eskalation der regulatorischen Kontrolle. Die formelle Untersuchung soll im Mai 2026 starten.

Lizenzierungspraxis als Kernproblem

Ein zentraler Prüfpunkt sind Microsofts Softwarelizenzen. Konkurrenten und Cloud-Anbieter kritisieren diese seit langem. Sie bemängeln, dass es für Kunden teurer sei, Microsoft-Software wie Windows Server auf konkurrierenden Cloud-Plattformen wie Amazon Web Services (AWS) oder Google Cloud zu betreiben.

Die CMA hatte bereits im Juli 2025 in einer Cloud-Marktstudie festgestellt, dass Microsoft und Amazon zusammen 70 bis 80 Prozent der britischen Cloud-Ausgaben kontrollieren. Seitdem habe Microsoft nur „begrenzte Fortschritte“ bei der Behebung der Lizenzbedenken gemacht, so die Behörde. Kritiker sprechen von künstlichen Barrieren, die Kunden an einen Anbieter binden – dem sogenannten „Vendor Lock-in“.

KI-Integration als neuer Risikofaktor

Besondere Sorge bereitet der CMA die rasante Integration von Künstlicher Intelligenz in Standardsoftware. Mit Tools wie Copilot für Microsoft 365 befürchtet die Behörde, Microsoft könne seine Dominanz bei klassischer Bürosoftware unangreifbar in den KI-Markt übertragen.

„Unser Ziel ist es, für ein faires Wettbewersumfeld in dieser kritischen Phase der technologischen Transformation zu sorgen“, sagte CMA-Chefin Sarah Cardell. Die Untersuchung prüft, ob die Bündelung von KI-Tools mit bestehenden Unternehmensverträgen konkurrierende KI-Anbieter vom Markt fernhält. Die Behörde betont, dass britische Unternehmen am meisten von der freien Wahl zwischen verschiedenen Anbietern profitieren würden.

Zugeständnisse bei Cloud-Gebühren

Parallel zur Ankündigung der Untersuchung machten Microsoft und Amazon Zugeständnisse. Beide Konzerne wollen künftig auf „Egress Fees“ verzichten. Das sind Gebühren für den Transfer von Daten aus ihrer Cloud zu einem Konkurrenten.

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Britische Kunden erhalten nun ein Zeitfenster von mindestens 180 Tagen, um ihre Daten ohne diese spezifischen Kosten zu migrieren. Microsoft kündigte zudem neue technische Lösungen an, um direktere Verbindungen zu Rechenzentren von Wettbewerbern wie Google Cloud zu ermöglichen. Die CMA begrüßte diese Schritte als positiv für Multi-Cloud-Strategien, betonte aber, dass sie die grundlegenden Lizenzprobleme nicht lösen.

Gemischte Reaktionen und weitere Verfahren

Die Ankündigung der Untersuchung stieß auf ein geteiltes Echo. Einige britische Cloud-Anbieter bedauerten, dass der Fokus zunächst nur auf Microsoft liege. Verbraucherschützer und kleinere Softwareentwickler lobten dagegen das proaktive Vorgehen der CMA.

Für Microsoft kommt die Prüfungen zu einer ungünstigen Zeit. Das Unternehmen sieht sich im UK bereits mit einer Milliardenklage konfrontiert. Rund 60.000 Unternehmen werfen dem Konzern vor, sie durch restriktive Windows-Server-Lizenzen übervorteilt zu haben. Das Urteil der CMA könnte auch diesen Prozess beeinflussen.

Neunmonatiger Prüfprozess startet im Mai

Die formelle SMS-Untersuchung beginnt im Mai 2026. Die CMA hat dann gesetzlich neun Monate Zeit für eine Entscheidung. In dieser Phase wird sie Stellungnahmen von Wettbewerbern, Kunden und Experten einholen.

Microsoft kündigte Kooperation an. Vizepräsident Brad Smith betonte, die Märkte für Cloud und KI seien dynamisch und wettbewerbsintensiv. Sollte die SMS-Einstufung kommen, müsste Microsoft möglicherweise Dienstleistungen entbündeln oder seine Preismodelle für britische Kunden grundlegend ändern. Für Unternehmen im Land hängt viel davon ab: die künftigen Kosten und die Flexibilität ihrer digitalen Infrastruktur.