Der Technologiekonzern Microsoft will seine zersplitterte KI-Landschaft bündeln und arbeitet an einer zentralen Anwendung. Das Projekt mit dem internen Slogan „Delivering one Copilot“ soll die verschiedenen Copilot-Dienste in einer einzigen Oberfläche vereinen. Hintergrund sind interne Eingeständnisse, dass die aktuelle Fragmentierung der Angebote viele Nutzer verwirrt.
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Ein Copilot für alles
Die Initiative steht unter der Leitung von Jacob Andreou. Bereits 2025 hatte CEO Satya Nadella in einer internen Betriebsversammlung die Komplexität der KI-Produkte des Unternehmens kritisiert. Die neue „Super App“ soll unter anderem GitHub Copilot, Copilot Chat, Copilot Cowork und das kürzlich entwickelte Autopilot-Tool integrieren. Ein besonderes Feature: Nutzer sollen per Schalter zwischen privaten und geschäftlichen Konten wechseln können.
Neues Design für Microsoft 365 Copilot
Erst am 29. Mai kündigte Microsoft ein umfassendes Redesign von Microsoft 365 Copilot an. Die neue Oberfläche setzt auf ein sogenanntes „Progressive Disclosure“-Modell – sie zeigt nur die jeweils relevantesten Funktionen an. Die technischen Verbesserungen haben die Ladezeiten um mehr als 50 Prozent verkürzt.
Die Nutzungszahlen der KI-Funktionen steigen kontinuierlich. Im Vergleich zu den ersten Pilotphasen legte die Nutzung von Copilot in Word um 27 Prozent zu, in Excel um 33 Prozent, in PowerPoint um 43 Prozent und in Outlook um 30 Prozent. Dennoch bleibt die Zahl der zahlenden Kunden überschaubar: Während GitHub Copilot 4,7 Millionen Abonnenten zählt, nutzen weniger als 4,5 Prozent der 450 Millionen Microsoft-365-Nutzer die kostenpflichtigen KI-Funktionen.
Milliarden-Investitionen in KI
Die KI-Sparte des Konzerns läuft wirtschaftlich auf Hochtouren. Der annualisierte Umsatz liegt bei umgerechnet über 37 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr 2026 sind Investitionsausgaben von rund 190 Milliarden Euro geplant. Die Microsoft-Aktie schloss am 29. Mai bei 450,24 US-Dollar – ein Tagesplus von über fünf Prozent.
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Parallel dazu arbeitet Microsoft eng mit Hardware-Partnern zusammen. Gemeinsam mit Nvidia verschickte das Unternehmen am 29. und 30. Mai synchronisierte Teasereinladungen zur Computex in Taipeh. Branchenbeobachter erwarten die Vorstellung des N1X, eines Arm-basierten Chips, der mit High-End-Prozessoren von Apple und AMD konkurrieren soll. Die KI-Leistung des neuen Prozessors wird auf 180 bis 200 TOPS geschätzt.
Wann kommt die Super App?
Ein erster Blick auf die integrierte Anwendung könnte bereits auf der Build-Konferenz in der ersten Juniwoche in San Francisco geworfen werden. Der vollständige Launch wird für Ende Sommer 2026 erwartet. Auf der Entwicklerkonferenz will Microsoft zudem eigene KI-Modelle für Code-Erstellung, Transkription und logisches Schließen vorstellen – um die Abhängigkeit von Drittanbietern zu reduzieren.
KI erobert das Gesundheitswesen
Bereits am 29. Mai startete Microsoft eine Preview von Copilot Health in den USA. Das Tool aggregiert Daten von Wearables und medizinischen Aufzeichnungen von über 50.000 Anbietern. Entwickelt mit einem Gremium von mehr als 250 Medizinern, soll der Dienst einen Teil der 50 Millionen gesundheitsbezogenen Anfragen bearbeiten, die Microsoft täglich erreichen.
Die Strategie einer einheitlichen KI-Anwendung folgt einem Branchentrend. Auch Wettbewerber wie OpenAI arbeiten offenbar an ähnlichen „Super App“-Konzepten, um den Zugang zu generativen KI-Tools zu vereinfachen.

