Der Technologiekonzern Microsoft hat im am 30. Juni abgelaufenen Geschäftsjahr 2026 seine Investitionsausgaben für künstliche Intelligenz massiv ausgeweitet.
Wie aus aktuellen Finanzdaten hervorgeht, stiegen die Investitionsausgaben (Capex) auf 115,948 Milliarden US-Dollar, was einer Zunahme von 79,62 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Trotz dieser Rekordinvestitionen verzeichnete das Unternehmen einen Nettogewinn von 133,749 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 31,34 Prozent.
Azure-Wachstum und kommerzieller Erfolg der Copilot-Dienste
Ein wesentlicher Treiber für die positive Geschäftsentwicklung war das Cloud-Geschäft. Der Umsatz mit Azure überstieg im Geschäftsjahr 2026 die Marke von 100 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von 41 Prozent entspricht. Auch die Akzeptanz der KI-Lösungen im Arbeitsalltag nimmt zu: Für das Produkt Microsoft 365 Copilot wurden über 30 Millionen bezahlte Lizenzen gemeldet.
Besonders deutlich zeigt sich die zukünftige Geschäftserwartung im kommerziellen Auftragsbestand (RPO), der auf 678 Milliarden US-Dollar anstieg. Dies entspricht einem Plus von 84 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Während der freie Cashflow im Gesamtjahr um 6,46 Prozent auf 66,987 Milliarden US-Dollar sank, flossen 26,445 Milliarden US-Dollar in Form von Dividenden und 22,271 Milliarden US-Dollar über Aktienrückkäufe an die Anteilseigner zurück.
Weiterer Ausbau der Infrastruktur und neue Geschäftsfelder
CFO Amy Hood signalisierte für das kommende Geschäftsjahr 2027 eine Fortsetzung der aggressiven Investitionsstrategie. Die Investitionsausgaben sollen demnach auf etwa 175 Milliarden US-Dollar steigen. Hood betonte zudem, dass der freie Cashflow auch im kommenden Jahr positiv bleiben werde.
Zur strategischen Expansion gehört auch die Gründung der „Microsoft Frontier Company“ (MFC) im Juli. Mit einer Investition von 2,5 Milliarden US-Dollar unter der Leitung von Rodrigo Kede Lima fungiert MFC als KI-Beratungsgeschäft. Mit über 6.000 Experten, die direkt bei Kunden eingebettet sind, arbeitet die Einheit mit Partnern wie Accenture, Capgemini, EY, KPMG und PwC zusammen.
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Agentische Systeme und technologische Weiterentwicklung
Ein Schwerpunkt der aktuellen Entwicklung liegt auf sogenannten agentischen Systemen. Microsoft Advertising stellte hierzu einen Fahrplan vor, der auf eine automatisierte Handelsumgebung abzielt. Dabei kommen Protokolle zum Einsatz, die gemeinsam mit Partnern wie Google und Shopify entwickelt wurden.
Im Bereich der Softwareentwicklung veröffentlichte das Unternehmen zudem das Microsoft Agent Framework .NET 1.0.0, das fortschrittliche Fähigkeiten für KI-Workflows bündelt.
Dass diese Technologie bereits breite Anwendung findet, belegen Nutzungsdaten aus Australien. Die dortige Bundesregierung setzt etwa 29.000 bezahlte Lizenzen des Microsoft 365 Copilot in 67 Behörden ein. Auch im privaten Sektor festigen sich Partnerschaften: Meta hat sich zu einem der größten KI-Kunden von Microsoft entwickelt und investiert jährlich dreistellige Millionenbeträge in Azure-Cloud-Dienste.
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Sicherheit und Plattform-Integrität
Flankiert wird die Expansion von Sicherheitsmaßnahmen. Mitte August schloss Microsoft eine kritische Schwachstelle namens „CoSnitch“. Dieser Fehler im Copilot-System hätte die Exfiltration von Daten über verbundene Anwendungen wie Gmail oder OneDrive ermöglichen können. Laut Sicherheitsforschern betraf das Problem nicht nur Microsoft-Produkte, sondern sei eine generelle Herausforderung für KI-Systeme mit natürlichen Sprachschnittstellen.
Die Microsoft-Aktie reagierte zuletzt volatil. Während auf Jahressicht ein leichter Rückgang von 3,91 Prozent zu verzeichnen war, legte der Kurs im letzten Monat um 21,2 Prozent zu. Analysten beziffern das durchschnittliche Kursziel derzeit auf 569,56 US-Dollar.

