Microsoft: CEO Nadella übernimmt direkte Kontrolle über KI-Offensive

Microsoft-Chef Satya Nadella steuert die KI-Entwicklung nun direkt, nachdem er die Unternehmenshierarchie radikal abgeflacht und eine neue Führungsstruktur etabliert hat.

Microsoft-Chef Satya Nadella steuert die KI-Strategie des Tech-Riesen nun persönlich – und reduziert damit die Abhängigkeit von OpenAI. Eine umfassende Führungsreform ist abgeschlossen.

Nadella im „Gründer-Modus“: Weniger Hierarchie, mehr Tempo

Der Kurswechsel in Redmond ist radikal. CEO Satya Nadella hat die Unternehmenshierarchie massiv abgeflacht, um die Entwicklung Künstlicher Intelligenz direkt zu lenken. Intern wird dieser neue, intensive Führungsstil als „Founder Mode“ bezeichnet. Ein Bericht der Financial Times beschreibt ihn als von „Dringlichkeit“ getrieben. Bürokratische Hürden zwischen dem Konzernchef und den Kerningenieurteams wurden bewusst abgebaut.

„Das ist ein klarer Trend im Silicon Valley“, erklärt eine Insiderin. Professionelle Manager wie Nadella kopieren den direkten Zugriff von Firmengründern, um technologische Umbruchszeiten zu meistern. Die Zahl der Mitarbeiter, die direkt an Nadella berichten, ist gestiegen. So will er ungefilterten Einblick in die wichtigsten KI-Projekte behalten – von der Infrastruktur bis zur Modellentwicklung. Die Botschaft ist klar: In dem erbitterten KI-Wettlauf mit Google und Amazon zählt nur noch Geschwindigkeit.

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Althoff führt das Milliarden-Geschäft – Nadella konzentriert sich auf Technik

Ein zentraler Pfeiler der Reform ist die Trennung von Geschäft und Technik. Judson Althoff führt seit Oktober 2025 als CEO der neu geschaffenen Commercial Business-Einheit alle kommerziellen Operationen vereint. Ihm unterstehen Vertrieb, Marketing und Betrieb – verantwortlich für über 75 Prozent des Microsoft-Umsatzes.

Diese Entlastung ermöglicht es Nadella, sich fast ausschließlich auf die technische Strategie zu fokussieren. Auch Marketingchef Takeshi Numoto berichtet nun an Althoff. Das soll die Feedback-Schleife zwischen Kundenwünschen und Produktentwicklung beschleunigen. Nadella selbst sprach bei der Ankündigung von einer notwendigen „Neuerfindung“, um in der KI-Ära „mit Intensität und Tempo“ führen zu können.

Neue „CoreAI“-Einheit soll eigene KI-Souveränität aufbauen

Parallel zum kommerziellen Umbau hat Microsoft seine Technikführung umgekrempelt. Herzstück ist die neue „CoreAI“-Abteilung. Geleitet wird sie von Jay Parikh, einem ehemaligen Top-Ingenieur von Meta. Er ist verantwortlich für Entwickler-Tools und die zentrale KI-Infrastruktur.

Die Botschaft dieser Einheit ist unmissverständlich: Microsoft will eigene, unabhängige KI-Kompetenzen aufbauen. Bereits 2025 wurden die Platform-Teams von GitHub in CoreAI integriert – was zum Abgang des damaligen GitHub-CEOs Thomas Dohmke führte. Durch die Bündelung dieser Ressourcen will der Konzern seine Kodier-Tools und Anwendungen verbessern. Eine direkte Antwort auf den Druck durch agile Start-ups und etablierte Rivalen.

Strategische Wende: Microsoft löst sich von OpenAI

Die Führungsreform folgt auf eine grundlegende Neuordnung der Partnerschaft mit OpenAI im Oktober 2025. Zwar bleibt Microsoft Großinvestor, doch die Exklusivität für OpenAI-Rechenleistungen in seinen Rechenzentren entfiel. Bis Anfang der 2030er Jahre wird der Tech-Riese zudem den exklusiven Zugang zu OpenAI-Forschung und -Modellen verlieren.

Dieser Vertragswandel erzwingt eine aggressivere Eigenstrategie. Nadellas „Gründer-Modus“ zielt darauf ab, unabhängige KI-Modelle und Infrastruktur zu entwickeln, die auch ohne OpenAI bestehen können. Exekutivkreise beobachten die Fortschritte von Amazon und Google genau. Die Überholung der Führungsetage ist letztlich eine Mobilmachung, um die Dominanz im KI-Sektor zu sichern – unabhängig von der Zukunft der OpenAI-Allianz.

Schnellere Produkte, größerer Druck – der Blick geht nach vorn

Mit Beginn des Jahres 2026 werden die Auswirkungen dieser Veränderungen im Technologiesektor spürbar werden. Analysten erwarten schnellere Produktzyklen und aggressivere Marktmanöver von Microsoft. Die Bündelung der kommerziellen Führung unter Althoff könnte die Monetarisierung der milliardenschweren KI-Investitionen verbessern.

Doch der Übergang birgt auch Risiken. Der „Gründer-Modus“ setzt die Organisation unter enormen Druck, sofort Ergebnisse zu liefern. Die abgeflachte Hierarchie entfernt Puffer, die bisher zwischen CEO und Operationsteams existierten. Ob Nadellas direkte Intervention Innovation vorantreiben kann, ohne Engpässe an der Spitze zu verursachen, wird über den Erfolg dieser Restrukturierung entscheiden.

Der Markt blickt nun gespannt auf den nächsten Quartalsbericht. Er wird erste finanzielle Indikatoren liefern, wie die neue operative Struktur performt. Die Botschaft aus Redmond ist jedoch bereits jetzt unüberhörbar: Die Ära der Delegation ist vorbei. Eine neue Phase des unmittelbaren, dringlichen Handelns hat begonnen.

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