Microsoft Copilot: KI-Assistent verzehnfacht Nutzung in einem Jahr

Microsofts KI-Tools erreichen mit 15 Millionen Lizenzen den Massenmarkt, treiben den Cloud-Umsatz auf Rekordniveau und erfordern Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur.

Microsofts KI-Tools erleben einen explosionsartigen Durchbruch in Unternehmen weltweit. Die tägliche Nutzung von Microsoft 365 Copilot ist innerhalb eines Jahres um das Zehnfache gestiegen, wie der Konzern jetzt in seinen Quartalszahlen offenlegte. Diese Zahlen belegen: Künstliche Intelligenz wird vom Experiment zur betrieblichen Routine.

Die am 28. Januar veröffentlichten Ergebnisse für das zweite Geschäftsquartal 2026 zeigen einen Tech-Riesen im radikalen Wandel. Bei einem Rekordumsatz von 81,3 Milliarden Euro steht nicht mehr die bloße Technologie im Fokus, sondern ihre flächendeckende Integration in den Arbeitsalltag. Die Kehrseite der Medaille: historisch hohe Investitionen in die notwendige Infrastruktur.

15 Millionen bezahlte Lizenzen: KI erreicht den Massenmarkt

Erstmals gab Microsoft konkrete Nutzerzahlen für seinen Unternehmens-Assistenten preis – und sie sind beeindruckend. Microsoft 365 Copilot hat die Marke von 15 Millionen bezahlten Lizenzen erreicht. Das entspricht einem Zuwachs von 160 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

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Noch aussagekräftiger ist die Verzehnfachung der täglichen aktiven Nutzer. Für Analysten ist diese Kennzahl entscheidend. Sie beantwortet die Frage, ob KI-Werkzeuge zum täglichen Arbeitswerkzeug werden oder eine Randerscheinung bleiben. Die Antwort scheint klar.

Den Schub treiben Großkunden. Die Zahl der Unternehmen, die mehr als 35.000 Lizenzen einsetzen, hat sich verdreifacht. Ein prominentes Beispiel ist die Werbeholding Publicis Groupe. Sie hat über 95.000 Copilot-Lizenzen erworben, um KI in kreative Prozesse und Medienplanung zu integrieren.

„Agenten sind die neuen Apps“ – Die nächste Evolutionsstufe

Jenseits der Nutzerzahlen skizzierte Microsoft-Chef Satya Nadella einen strategischen Paradigmenwechsel. Die Zukunft liege nicht in Apps, sondern in autonomen KI-Agenten. Diese würden zur primären Schnittstelle für die Software-Interaktion.

Über 80 Prozent der Fortune-500-Unternehmen bauen bereits aktiv solche Agenten auf Microsoft-Plattformen. Diese Systeme gehen weit über reine Texterstellung hinaus. Sie erledigen komplexe, mehrstufige Arbeitsabläufe – von der Bearbeitung von Versicherungsansprüchen bis zur Steuerung von Lieferketten – weitgehend ohne menschliches Zutun.

Die Entwicklung wird von Programmierern vorangetrieben. GitHub Copilot, das KI-Tool für Software-Entwickler, verzeichnet 4,7 Millionen bezahlte Abonnenten – ein Plus von 75 Prozent. Die Premium-Variante GitHub Copilot Pro+ legte sogar um 77 Prozent zum Vorquartal zu.

Rekordumsatz trifft auf Rekordinvestitionen

Die finanziellen Ergebnisse unterstreichen die gewaltigen Dimensionen von Microsofts KI-Geschäft. Der Umsatz stieg im Quartal bis zum 31. Dezember 2025 um 17 Prozent. Entscheidenden Anteil hatte das Microsoft Cloud-Segment, das erstmals die 50-Milliarden-Euro-Marke pro Quartal knackte (51,5 Milliarden Euro).

Dahinter steht das massive Wachstum von Azure und anderen Cloud-Diensten um 39 Prozent. Kunden strömen auf die Plattform, um eigene KI-Lösungen auf Microsofts Infrastruktur aufzubauen.

Doch dieser Erfolg hat einen historischen Preis. Die Investitionsausgaben (CapEx) erreichten mit 37,5 Milliarden Euro einen Rekordwert. Finanzchefin Amy Hood erläuterte, dass fast zwei Drittel davon in kurzlebige Vermögenswerte flossen – vor allem in die GPU- und CPU-Kapazitäten zum Trainieren und Ausführen großer Sprachmodelle.

Diese gewaltigen Ausgaben belasteten die Stimmung an den Märkten. Die Aktie verlor im außerbörslichen Handel zwischen sechs und zehn Prozent an Wert. Analysten sehen zwar robustes Umsatzwachstum, warnen aber vor den schneller als erwartet steigenden Kosten für den Aufbau von Rechenzentren.

Die Zukunft: Von Assistenten zu autonomen Partnern

Die Diskrepanz in den Nutzerzahlen ist aufschlussreich. Während die Nutzung der allgemeinen Copilot-App sich verdreifachte, verzehnfachte sich die der tief in Microsoft 365 integrierten, bezahlten Version. Das zeigt: Der wahre Wert entsteht, wenn die KI auf die firmeneigenen Daten – Dokumente, E-Mails, Chats – zugreifen kann, und nicht als generischer Chatbot agiert.

Microsoft betont, man stehe erst am Anfang der KI-Ära. Die Prioritäten für 2026 sind klar: die physische Infrastruktur ausbauen, um der Nachfrage Herr zu werden, und den Übergang von passiven Assistenten zu aktiven, autonomen Agenten vorantreiben.

Mit einem Cloud-Geschäft, das inzwischen über 200 Milliarden Euro pro Jahr umsetzt, hat Microsoft die finanziellen Mittel, die hohen Infrastrukturkosten zu tragen. Der Druck bleibt jedoch, zu beweisen, dass diese Milliardeninvestitionen langfristig auch entsprechende Gewinnmargen bringen.

Die verzehnfachte tägliche Nutzung ist wohl nur der Vorbote. Sie deutet auf eine grundlegende Neugestaltung des digitalen Arbeitsplatzes in den kommenden Jahren hin.

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