Versicherungsmakler setzen zunehmend auf KI – doch die Umsetzung hinkt hinterher.
Die Versicherungsbranche steht vor einem grundlegenden Wandel. Immer mehr Agenturen und sogenannte Managing General Agents (MGAs) setzen auf Microsoft Copilot und sogenannte agentische KI. Der Fokus verschiebt sich dabei von der einfachen Datenextraktion hin zur automatisierten Workflow-Steuerung. Branchenexperten sehen das größte Potenzial künftig in der Umsatzsteigerung, effizienteren Risikoprüfung und der Unterstützung komplexer Entscheidungsprozesse.
Strategische Umsetzung: Wo Copilot wirklich hilft
Neue Leitlinien, die am Freitag vom Beratungsunternehmen Catalyit veröffentlicht wurden, empfehlen Versicherungsagenturen, bei der Integration von Microsoft Copilot gezielt vorzugehen. Als ideale Einstiegsbereiche gelten das Verfassen von Verlängerungs-E-Mails, die Zusammenfassung von Kundengesprächen und die verständliche Erklärung komplexer Policen. Die Experten betonen: Copilot kann zwar Kundeninformationen strukturieren und Standardarbeitsanweisungen entwerfen – die menschliche Kontrolle bleibt jedoch unverzichtbar.
Um die Effektivität zu maximieren, empfehlen Technikexperten präzise Anweisungen und exakte Dateiverweise innerhalb der Copilot-Agenten. Die Integration mit SharePoint und die Nutzung organisatorischer Kataloge gelten als bewährte Verfahren für konsistente Ergebnisse. Bereits im Frühjahr wurden auf dem Microsoft Marketplace spezielle Entwicklungsdienste für KI-Agenten verfügbar. Damit können Firmen mit Power Automate und Azure AI maßgeschneiderte Lösungen für ihre bestehenden CRM- und ERP-Systeme bauen.
Milliardenschweres Potenzial: Die wirtschaftliche Dimension
Die finanziellen Auswirkungen des KI-Einsatzes werden zunehmend messbar. Marktforscher von Deloitte prognostizieren, dass agentische KI bis 2030 jährlich zwei Milliarden Euro zusätzliche Prämieneinnahmen in der US-Lebensversicherung generieren könnte. In der Schaden- und Unfallversicherung nutzen Unternehmen KI-Agenten bereits, um unstrukturierte Dokumente zu analysieren und automatisch Aktionen auszulösen. Branchenanalysten von BCG sehen darin einen erheblichen strategischen Vorteil.
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Die operative Effizienz spricht für sich: Die Integration von Microsoft Copilot in Dynamics 365 erzielt eine Kapitalrendite von über 116 Prozent. Nutzer gewinnen dadurch monatlich rund neun Stunden Produktivität zurück. Auf der Branchenkonferenz InsuranceFest 2026 berichteten Teilnehmer von Firmen wie Applied Systems, dass KI-Workflows darauf abzielen, 80 bis 90 Prozent der manuellen Aufgaben zu eliminieren. Auch Großunternehmen ziehen nach: Der britische Logistikkonzern Evri hat kürzlich 6.000 Lizenzen für Microsoft 365 E7 eingeführt – ein Paket, das Copilot und Agent 365 für knapp 90 Euro pro Nutzer und Monat umfasst.
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Die Kluft in der Praxis
Trotz des großen Interesses klafft eine erhebliche Lücke zwischen dem Wunsch nach KI und der tatsächlichen Umsetzung. Eine Umfrage des Branchenverbands Big I zeigt: Zwar wollen 68 Prozent der Makler KI nutzen, aber nur acht Prozent haben sie tatsächlich in ihren Arbeitsalltag integriert. Mehr als die Hälfte aller Agenturen (56 Prozent) verfügt über keine formelle KI-Richtlinie. Das ist besonders brisant, da 77 Prozent der Führungskräfte befürchten, dass Underwriter zu Unternehmen mit fortschrittlicheren KI-Fähigkeiten abwandern könnten.
Der MGA-Sektor zeigt sich fortschrittlicher. Ein Bericht von Optalitix ergab, dass 35 Prozent der MGAs bereits Preistransformationen durchführen. 39 Prozent sehen die Reduzierung manueller Arbeit als den größten Nutzen von KI. Allerdings gibt ein Viertel der Organisationen an, dass fehlende interne technische Fähigkeiten das Haupthindernis darstellen.
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Neue Werkzeuge und gezielte Schulungen
Softwareanbieter reagieren auf diese spezifischen Branchenbedürfnisse mit maßgeschneiderten Lösungen. Vertafore hat kürzlich seinen Insurance Expert Agent auf der Velocity AI Platform vorgestellt. Das Tool durchsucht über eine Million Dokumente von mehr als 75 Verlagen und hilft Underwritern und Produzenten, Antworten auf Deckungsfragen bis zu 80 Prozent schneller zu finden.
Auch das Sommer-Update 2026 von Sprinklr bringt Neuerungen: Neue Schnittstellen zu Microsoft Copilot und Teams sollen den Kontextwechsel für Kundendienstmitarbeiter reduzieren. Parallel dazu entstehen spezielle Schulungsprogramme für Vorstände und Underwriter von Finanzinstituten. Sie fokussieren auf die Einhaltung der KI-Richtlinien der NAIC (National Association of Insurance Commissioners) und die Lead-Generierung. Noch in diesem Monat ist ein Webinar geplant, das die geschäftlichen Anwendungen von Microsoft Copilot mit anderen großen Sprachmodellen wie ChatGPT und Claude vergleicht.

