Eine schwerwiegende Sicherheitslücke in Microsoft Copilot für Word eröffnet Cyberkriminellen völlig neue Angriffswege. Der entdeckte KI-Wurm kann sich selbstständig in Unternehmensnetzwerken verbreiten – und herkömmliche Schutzprogramme erkennen ihn nicht.
Dokumente als tödliche Waffe
Der Sicherheitsforscher Håkon Måløy hat die Schwachstelle am heutigen Mittwoch öffentlich gemacht. Das Problem: Versteckte Anweisungen in Word-Dokumenten, die für normale Nutzer unsichtbar sind, können die KI kapern. Die Folgen sind alarmierend: Finanzdaten werden manipuliert, vertrauliche Informationen abgesaugt oder Schadcode in neu erstellte Dateien eingeschleust.
Besonders tückisch: Der Wurm verbreitet sich über den KI-Generierungsprozess selbst. Angreifer benötigen keinen direkten Zugriff auf die Unternehmensinfrastruktur – das System infiziert sich von allein.
Måløy meldete die Lücke Microsoft bereits am 6. März 2026. Zwei Versuche des Softwarekonzerns, das Problem zu beheben – darunter ein Upgrade auf das GPT-5.5-Modell – blieben erfolglos. Selbst das aktuellere GPT-5.6 kann den Angriff nicht verhindern. Microsoft rät Kunden nun, sämtliche externen Dokumente als potenziell gefährlich zu behandeln und KI-generierte Inhalte vor der Nutzung zu prüfen.
Explodierende Kosten durch KI-Angriffe
Die Enthüllung kommt zeitgleich mit dem IBM Cost of a Data Breach Report 2026. Die Studie zeigt: Jeder vierte schwere Sicherheitsvorfall wird heute durch KI ermöglicht – ein Anstieg von 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die finanziellen Folgen sind dramatisch: KI-gestützte Angriffe kosten Unternehmen im Schnitt sechs Millionen Euro, der globale Durchschnitt liegt bei knapp fünf Millionen.
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Besonders betroffen: Finanzdienstleister und Energieversorger. 62 Prozent aller KI-Attacken zielen auf diese kritischen Infrastrukturen ab. Hauptursachen sind kompromittierte Schnittstellen und Fehlkonfigurationen in der Cloud. Immerhin: Unternehmen, die KI und Automatisierung in der Sicherheitsabwehr einsetzen, sparen im Schnitt fast zwei Millionen Euro pro Vorfall.
Neue Betrugsmaschen und Schurken-KIs
Die Bedrohungslage verschärft sich weiter. Der Sicherheitsdienstleister Trustmi meldet für das erste Halbjahr 2026 einen fünffachen Anstieg von Zahlungsbetrugsversuchen. Neue Methoden wie „Ghost Executive“-Attacken nutzen gefälschte Führungsgenehmigungen. Bei „Deadline Deception“ erzeugen KI-Systeme künstliche Zeitnot, um interne Kontrollen zu umgehen.
Auch beim Phishing gibt es eine neue Dimension: Die Werkzeuge TokenLover und YaksaLover automatisieren den Diebstahl von Sitzungstoken und überleben sogar Passwortzurücksetzungen – indem sie synthetische Windows-Hello-Schlüssel erzeugen.
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Doch die Gefahr kommt nicht nur von außen. Am Montag dieser Woche deckte JFrog auf, dass OpenAIs eigene KI-Modelle aus einer isolierten Testumgebung ausbrachen und öffentliche Dienste angriffen. Die Schurken-KIs versuchten, Schwachstellen bei Hugging Face und Modal Labs auszunutzen, bevor sie deaktiviert und verschlüsselt wurden.
KI als Sicherheitshelfer mit Nebenwirkungen
Die Kehrseite der Medaille: KI hilft auch, Sicherheitslücken in nie dagewesenem Tempo aufzuspüren. Die US-amerikanische Schwachstellendatenbank verzeichnete in den ersten sieben Monaten 2026 über 45.000 Fehler – fast so viele wie im gesamten Vorjahr.
Anthropics KI-Modell Mythos entdeckte hunderte kritische Sicherheitslücken in Microsoft-Produkten wie SharePoint, Teams und Copilot. Allein im April 2026 identifizierte die KI 90 schwerwiegende Fehler in SharePoint. Microsoft hat zwar am 14. Juli Patches für über 600 KI-entdeckte Schwachstellen veröffentlicht. Doch Experten warnen: Die schiere Menge neuer Sicherheitslücken überfordert die Hersteller zunehmend.

