Microsoft rüstet seinen Enterprise-Browser mit zwei neuen Sicherheitsfunktionen auf, die gezielt Datenlecks in Unternehmen verhindern sollen. Die Features Watermarking Protection und Protected Clipboard sind ab sofort als Public Preview für Microsoft Edge for Business verfügbar.
Die Veröffentlichung von Edge Version 144 am 23. Januar 2026 brachte zunächst vor allem Performance-Updates. Die parallel gestartete Vorschau der Sicherheitstools zeigt jedoch eine klare Strategie: Microsoft will den Browser als sichere Schaltzentrale für Unternehmensdaten etablieren. Die Tools reagieren auf die wachsende Nachfrage nach robuster Data Loss Prevention (DLP) in Zeiten verteilter Teams und komplexer SaaS-Anwendungen.
Wasserzeichen als psychologische Barriere
Die neue Watermarking Protection-Funktion soll unerlaubte Datenweitergabe visuell unattraktiv machen. Organisationen können damit ein halbtransparentes Wasserzeichen über vertrauliche Inhalte im Browser legen. Es dient als ständige Erinnerung an die Sicherheitsrichtlinien und hilft, die Quelle von Lecks zurückzuverfolgen.
Das Wasserzeichen erscheint nicht pauschal, sondern nur, wenn ein Nutzer auf Inhalte zugreift, die unter strenge DLP-Richtlinien fallen – etwa solche, die das Kopieren blockieren. Aktuell zeigt es eine Vertraulichkeitswarnung, den Namen oder die E-Mail des angemeldeten Nutzers sowie einen Zeitstempel. Jeder Screenshot wird so sofort identifizierbar. Die Funktion verhindert zwar nicht physisch, dass jemand den Bildschirm abfotografiert, wirkt aber als starke psychologische Hürde. IT-Administratoren können sie über den Microsoft Edge-Management-Dienst aktivieren.
Intelligente Copy-Paste-Steuerung
Das zweite Tool, Protected Clipboard, bietet eine clevere Alternative zum pauschalen Sperren der Zwischenablage. Es soll Datenabflüsse verhindern, ohne die Produktivität zu beeinträchtigen. Der Trick: Administratoren definieren über Microsoft Purview DLP-Richtlinien eine „vertrauenswürdige Zone“ aus bestimmten Cloud-Apps und Websites.
Kopiert ein Nutzer sensible Daten aus dieser Zone, kann er sie nicht in ungeschützte Ziele – wie einen privaten E-Mail-Client, soziale Medien oder öffentliche KI-Tools – einfügen. Die Aktion wird stillschweigend blockiert. Umgekehrt funktioniert das Kopieren von externen Quellen in die vertrauenswürdigen Apps weiterhin. Für einen Rundumschutz blockiert die Funktion automatisch auch Screenshots auf Seiten, auf denen Kopiervorgänge eingeschränkt sind.
Strategische Einbettung ins Microsoft-Ökosystem
Die neuen Features sind Teil eines Branchentrends, Sicherheitskontrollen direkt in Anwendungen zu integrieren. Da Browser zur zentralen Schnittstelle für Unternehmensdaten werden, ist ihre Absicherung entscheidend. Microsofts Ansatz ist differenzierter als traditionelle „Ganz-oder-gar-nicht“-Richtlinien, die Mitarbeiter oft frustrieren.
Analysten sehen darin einen geschickten Schachzug: Durch die Integration in das bestehende Microsoft Purview-Ökosystem schafft das Unternehmen ein nahtloseres Governance-Framework für Plattform-Kunden. Die Voraussetzung einer Microsoft 365 E3- oder E5-Lizenz für die Nutzung der Tools unterstreicht zudem die Position von Edge in den Premium-Abos. Die Entwicklung ist auch eine direkte Antwort auf die Sicherheitsherausforderungen durch moderne Kollaborationstools und generative KI, bei denen sensible Firmendaten schnell unbeabsichtigt exponiert werden können.
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Ausblick: Flexiblere Wasserzeichen geplant
Beide Funktionen sind aktuell in der Public Preview für Organisationen verfügbar, die den Targeted Release-Kanal im Microsoft 365 Admin Center aktiviert haben. Ein konkretes Datum für die allgemeine Verfügbarkeit steht noch nicht fest. Zukünftige Verbesserungen könnten dynamische und anpassbare Wasserzeichen umfassen, die Administratoren mehr Flexibilität bei den angezeigten Informationen geben.
Die Weiterentwicklung der DLP-Richtlinien wird voraussichtlich noch feinere Steuerungsmöglichkeiten für den Datenfluss mit sich bringen. Sobald die Features den Preview-Status verlassen, werden sie zu zentralen Bausteinen im Sicherheits-Toolkit für Unternehmen, die auf Microsoft Edge setzen – und die Attraktivität des Browsers im Enterprise-Markt weiter steigern.
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