Microsoft Exchange: 85% der deutschen Server ungepatcht und anfällig

Das BSI meldet eine hohe Gefährdung deutscher Exchange-Server durch CVE-2026-62911 und empfiehlt sofortige Updates sowie Zugriffsschutz.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat am 29. August 2026 eine Warnung bezüglich einer schwerwiegenden Sicherheitslücke in Microsoft-Exchange-Umgebungen veröffentlicht.

Den Angaben der Behörde zufolge sind derzeit rund 85 Prozent der in Deutschland betriebenen On-Premises-Exchange-Server anfällig für Angriffe über die Schwachstelle CVE-2026-62911. Trotz der Verfügbarkeit von Sicherheitsupdates bleibt die Gefährdungslage aufgrund schleppender Patch-Prozesse in den Unternehmen auf einem kritischen Niveau.

Massiver Nachholbedarf bei Sicherheitsupdates in Deutschland

Obwohl Microsoft bereits im Rahmen des August-Patchdays entsprechende Korrekturen bereitgestellt hat, zeigt die aktuelle Bestandsaufnahme des BSI ein deutliches Defizit bei der Absicherung der Infrastrukturen.

Besonders auffällig ist die Situation bei den weit verbreiteten Versionen Exchange 2016 und Exchange 2019. Laut den Erhebungen der Cybersicherheitsbehörde verfügen bundesweit lediglich neun dieser Server über den notwendigen ESU-Patch (Extended Security Updates), um die spezifische Schwachstelle zu schließen.

Diese geringe Abdeckungsquote bei den On-Premises-Installationen — also lokal in den Unternehmen betriebenen Servern — stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Das BSI weist darauf hin, dass die betroffenen Systeme unmittelbar angreifbar sind, sofern sie nicht durch aktuelle Sicherheits-Releases geschützt wurden.

Da viele Organisationen für ihre interne Kommunikation und Terminverwaltung auf diese Architektur setzen, könnte eine Ausnutzung der Lücke weitreichende Folgen für die Betriebskontinuität haben.

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Risiken durch veröffentlichte Exploit-Konzepte steigen

Die Dringlichkeit der Lage wird durch die Veröffentlichung eines sogenannten Proof-of-Concept (PoC) unterstrichen. Ein solcher Funktionsnachweis zeigt detailliert auf, wie die Schwachstelle CVE-2026-62911 technisch ausgenutzt werden kann.

In der IT-Sicherheit gilt die Publikation eines PoC regelmäßig als Wendepunkt, da sie die Barriere für potenzielle Angreifer massiv senkt. Kriminelle Akteure können diese Informationen nutzen, um automatisierte Angriffswerkzeuge zu entwickeln, die das Internet nach verwundbaren Servern scannen.

Branchenexperten beobachten in ähnlichen Fällen häufig, dass die Zeitspanne zwischen der Bekanntgabe einer Lücke und den ersten flächendeckenden Angriffsversuchen immer kürzer wird. Im aktuellen Fall ist die Gefahr besonders hoch, da die technischen Details zur Umgehung der Sicherheitsvorkehrungen nun öffentlich zugänglich sind, während ein Großteil der deutschen Serverlandschaft noch ungepatcht ist.

Empfohlene Sofortmaßnahmen für Administratoren

Angesichts der akuten Bedrohungslage spricht das BSI eine klare Handlungsempfehlung aus. Administratoren und IT-Verantwortliche sind aufgerufen, das Patchen ihrer Systeme mit höchster Priorität vorzunehmen. Das Einspielen der Updates vom August-Patchday wird als die effektivste Maßnahme angesehen, um die Ausnutzung der Schwachstelle CVE-2026-62911 zu verhindern.

Zusätzlich zur Installation der Software-Updates rät die Behörde zu einer restriktiven Zugriffsbeschränkung. Solange die Systeme nicht vollständig abgesichert sind, sollten die Zugänge zu den Exchange-Servern auf das absolut notwendige Maß reduziert werden.

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IT-Sicherheitsexperten empfehlen in solchen Szenarien zudem, die Server-Schnittstellen nach Möglichkeit nicht direkt aus dem öffentlichen Internet erreichbar zu machen, sondern zusätzliche Sicherungsschichten vorzuschalten.

Die aktuelle Situation verdeutlicht erneut die Herausforderungen beim Betrieb eigener Server-Infrastrukturen. Während Cloud-Dienste oft zentral gewartet werden, liegt die Verantwortung für die Sicherheit der On-Premises-Systeme vollständig bei den betreibenden Unternehmen, was eine schnelle Reaktion auf neu entdeckte Schwachstellen wie CVE-2026-62911 unerlässlich macht.