Microsoft in Großbritannien: CMA plant Sonderstatus für Unternehmenssoftware

Die CMA prüft Microsofts Marktmacht und mögliche Auflagen; eine endgültige Einstufung steht noch aus.

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Mehr als eine Million Organisationen und öffentliche Einrichtungen im Vereinigten Königreich gaben im Jahr 2025 über 7 Milliarden US-Dollar bei Microsoft aus. Dabei entfielen 80 bis 90 Prozent des britischen Umsatzes des Technologiekonzerns auf eine kleine Zahl von Großkunden sowie staatliche Stellen.

Vor diesem Hintergrund schlug die britische Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde (CMA) am 16. Oktober 2026 vor, Microsoft für sein Ökosystem für Unternehmenssoftware mit einem strategischen Marktstatus zu belegen. Grundlage des Schritts ist der Digital Markets, Competition and Consumers Act von 2024.

Hohe Marktanteile und starke Bündelung

In ihrer 179 Seiten umfassenden vorläufigen Feststellung bescheinigt die CMA dem Konzern eine substanzielle und verankerte Marktmacht über fünf zentrale Segmente hinweg. Neben PC-Betriebssystemen betrifft dies Produktivitätssuiten, Sicherheitssoftware, Server-Betriebssysteme und relationale Datenbanken. Insgesamt erreicht das Software-Ökosystem des Anbieters in Großbritannien monatlich rund 20 Millionen Nutzer.

Den Erhebungen der Aufsichtsbehörde zufolge lagen die britischen Umsatzanteile von Microsoft im Jahr 2025 bei Produktivitätssoftware sowie bei Server-Betriebssystemen in einer Spanne von 70 bis 80 Prozent.

Auf globaler Ebene ohne Berücksichtigung Chinas bewegt sich der Anteil bei PC-Betriebssystemen ebenfalls zwischen 70 und 80 Prozent, während Apple auf 5 bis 10 Prozent und Google auf 0 bis 5 Prozent kommen.

Bei relationalen Datenbanken im Vereinigten Königreich hält Microsoft 40 bis 50 Prozent, gefolgt von Oracle mit 30 bis 40 Prozent und PostgreSQL mit 10 bis 20 Prozent. Das Geschäft mit Identitätsmanagement fällt zudem etwa fünfmal größer aus als das des Konkurrenten Okta.

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Als wesentlichen Hebel identifizierte die Behörde Verknüpfungen im Angebot: Kunden, die Produktivitätsprogramme, PC-Betriebssysteme und Sicherheitslösungen gemeinsam beziehen, zeichnen für 90 bis 100 Prozent des Umsatzes dieser drei Produktkategorien verantwortlich.

Der Wettbewerber Google erreicht im britischen Markt demgegenüber Anteile von 0 bis 5 Prozent bei PC-Betriebssystemen, 10 zu 20 Prozent bei Produktivitätssoftware und 0 bis 5 Prozent bei Sicherheitslösungen. Bei Cloud-Infrastrukturdiensten liegt Googles Anteil bei 5 bis 10 Prozent, während Microsoft 30 bis 40 Prozent erreicht.

Bei Windows Server auf Azure ging der Anteil von 40 bis 50 Prozent im Jahr 2022 auf 30 bis 40 Prozent zurück. Laut der Aufsicht liegt die Rentabilität des Softwarekonzerns deutlich über dem Niveau im Wettbewerb.

Mögliche Auflagen und weiterer Zeitplan

Die Prüfung der Behörde, die am 14. Mai 2026 begann, konzentriert sich auf Wechselbarrieren, hohe Kosten für den Betrieb von Windows Server und SQL Server auf fremden Cloud-Plattformen sowie technische Vorgaben bei Software-Bündeln und Einschränkungen bei KI-Werkzeugen.

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CMA-Chefin Sarah Cardell erklärte, Organisationen müssten in der Lage sein, Softwareprodukte frei zu wählen, auszutauschen und zu kombinieren. Sollte die Einstufung bestätigt werden, drohen verbindliche Vorgaben gegen Bündelungen, mehr Flexibilität bei Cloud-Lizenzen, erweiterte Schnittstellen für Drittanbieter sowie freie Auswahl bei KI-Diensten abseits des konzerneigenen Copilot-Assistenten.

Microsoft trat den Vorwürfen entgegen und erklärte, die eigenen Produkte einschließlich Copilot seien offen und interoperabel gestaltet. Unterstützung für das Vorgehen der CMA signalisierte hingegen die Brancheninitiative Browser Choice Alliance, die auf eine Bevorzugung des Edge-Browsers hinwies.

Die Einstufung ist bislang ein Entwurf; ein Fehlverhalten stellte die CMA ausdrücklich nicht fest. Zudem stellte die Behörde klar, dass Microsofts Position bei Cloud-Diensten für sich genommen keine solche Regulierung rechtfertige. Gemeinsam mit Amazon Web Services solle das Unternehmen verbleibende Hürden beim Wechsel von Cloud-Anbietern abbauen.

Die Konsultation zu dem Entwurf läuft bis zum 13. November 2026 um 17:00 Uhr britischer Zeit. Die gesetzliche Frist für eine finale Entscheidung endet am 13. Februar 2027. Wird der Status bestätigt, wäre Microsoft nach Google und Apple der dritte Konzern unter dem neuen britischen Rechtsrahmen.