Der Softwarekonzern steckt in einem Dilemma: Während die Kosten für Microsoft 365 steigen, häufen sich technische Probleme und Sicherheitsvorfälle.
Derzeit plagen gleich mehrere Baustellen den Konzern aus Redmond. Am Donnerstag bestätigte Microsoft einen lästigen Anzeigefehler in Outlook Classic: Eingebettete Bilder in E-Mails, Newslettern und Signaturen werden nicht korrekt dargestellt. Stattdessen erscheint ein rotes „X“-Symbol. Betroffen ist die Version 2604 (Build 19929.20164). Eine erste Umgehungslösung gibt es bereits: Nutzer sollten bestimmte Textumbruch-Optionen – insbesondere „Oben“ und „Unten“ – vermeiden.
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Sechs aktive Störungen im Microsoft-365-Netz
Die Bild-Problematik ist kein Einzelfall. Stand heute Morgen verzeichnen die Statusmonitore für Microsoft 365 mindestens sechs aktive Dienstbeeinträchtigungen. Dazu gehören nicht reagierende Links in OneDrive für Teams-Nutzer sowie Authentifizierungsfehler für mobile Teilnehmer. Eine hartnäckige Synchronisationsstörung zwingt manche Unternehmen sogar dazu, Outlook-Benutzerprofile komplett neu anzulegen.
Zumindest eine Altlast wird nun beseitigt: Google hat gestern angekündigt, dass ein Fix für den Authentifizierungsfehler in der Gmail-App für Android ausgerollt wird. Der Bug hatte seit Anfang März Microsoft-365- und Exchange-Online-Nutzer ausgesperrt.
Kritische Sicherheitslücken unter Hochdruck
Die technischen Pannen fallen in eine Zeit erhöhter Sicherheitsrisiken. Erst am Mittwoch hat die US-Cybersicherheitsbehörde CISA eine kritische Schwachstelle in Outlook in ihren Katalog bekannter Exploits aufgenommen. Die als CVE-2026-45803 geführte Lücke ermöglicht Angreifern das Ausführen von Schadcode über präparierte E-Mails und erreicht einen Schweregrad von 9,8 von 10 möglichen Punkten. Betroffen sind Outlook-Versionen 2308 und älter. Microsoft hatte bereits am 15. Mai ein außerplanmäßiges Update bereitgestellt.
Weitere Sicherheitsprobleme:
- Exchange Online XSS: Eine Cross-Site-Scripting-Lücke (CVE-2026-42897) wurde am Montag bestätigt. CISA setzt Unternehmen eine Frist bis zum 29. Mai, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
- BitLocker-Bypass: Der als „YellowKey“ bekannte Zero-Day-Exploit (CVE-2026-45585) umgeht die BitLocker-Verschlüsselung über die Windows-Wiederherstellungsumgebung.
- Missbrauch interner Adressen: Eine interne Microsoft-E-Mail-Adresse für Service-Meldungen wird von Unbefugten genutzt, um Spam-Links zu verbreiten.
Preisschock zum Juli
Parallel zu den technischen Turbulenzen treibt Microsoft die Preise für seine Geschäftskunden-Tarife nach oben. Zum 1. Juli steigen die Kosten deutlich: Microsoft 365 Business Basic verteuert sich um rund 16 Prozent auf etwa 6,50 bis 7,00 Euro pro Nutzer. Der Business-Standard-Tarif zieht um etwa 12 Prozent auf rund 13,00 bei 14,00 Euro an.
Hinzu kommt: Seit Mitte April hat Microsoft die kostenlosen Copilot-KI-Funktionen aus den Desktop-Anwendungen entfernt. Sie stehen nur noch in den Web-, Teams- und Outlook-Versionen zur Verfügung. Als Ausgleich preist der Konzern neue Produktivitäts-Features an – darunter einen „Agent Mode“ für Excel, der bei komplexen Datenaufgaben bis zu 30 Prozent Zeitersparnis bringen soll.
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Europäische Alternativen im Aufwind
Die Kombination aus steigenden Kosten und nachlassender Stabilität befeuert die Diskussion um digitale Souveränität in Europa. Mehrere EU-Behörden prüfen offenbar den Umstieg auf Alternativen – sei es „Office EU“ oder andere Open-Source-Lösungen. Ziel ist es, unabhängiger von US-amerikanischer Cloud-Gesetzgebung zu werden.
Die Konkurrenz schläft nicht: ONLYOFFICE hat am Montag Docs 9.4 veröffentlicht. Die Community Edition fällt die bisherige Grenze von 20 gleichzeitigen Verbindungen und bietet einen Dark Mode für Tabellenkalkulationen. Das „Euro-Office“-Projekt – ein Fork von ONLYOFFICE, entwickelt von Ionos und Nextcloud – positioniert sich als direkter europäischer Konkurrent. Allerdings belastet ein Rechtsstreit mit Ascensio System, dem Unternehmen hinter ONLYOFFICE, das Vorhaben.
Auch LibreOffice hat heute Version 7.5.1 veröffentlicht, mit verbesserter DeepL-Integration und erweiterten PDF-Export-Funktionen.
Ausblick: Ein voller Terminkalender für IT-Administratoren
Die kommenden Monate werden für IT-Verantwortliche anspruchsvoll. Neben den akuten Patch-Pflichten für Exchange und Outlook müssen Unternehmen die Einstellung von Teams Live Events zum 30. Juni vorbereiten. Und der langfristige Fahrplan sieht die Abschaltung von Microsoft Publisher zum 1. Oktober vor.
Ob Microsofts Strategie – hin zu einer stärker KI-getriebenen, webbasierten Umgebung – aufgeht, wird maßgeblich davon abhängen, ob der Konzern die grundlegenden Fehler wie den aktuellen Outlook-Bildfehler in den Griff bekommt. Die Konkurrenz durch die Apple WWDC ab dem 8. Juni und Googles „Gemini Spark“-KI-Agenten-Beta zeigt: Der Wettbewerb um die Zukunft der digitalen Produktivität wird härter.

