Der Tech-Konzern meldet einen rasanten Anstieg bei der Nutzung Künstlicher Intelligenz – doch die Schere zwischen Gewinnern und Verlierern öffnet sich.
Redmond – Microsofts neuer Global AI Diffusion Report zeigt: Generative KI ist kein Experiment mehr, sondern wird zum Arbeitsalltag. Laut der am Donnerstag veröffentlichten Studie nutzen inzwischen 17,8 Prozent der weltweiten erwerbsfähigen Bevölkerung KI-Tools. Der Sprung markiert den Übergang von der Testphase zur täglichen Integration in Unternehmen.
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Doch die Zahlen offenbaren auch ein wachsendes Problem: Die Vorteile verteilen sich höchst ungleich.
Copilot knackt die 20-Millionen-Marke
Microsofts KI-Assistent Copilot hat einen Meilenstein erreicht. Anfang der Woche bestätigte der Konzern: Mehr als 20 Millionen bezahlte Unternehmenslizenzen sind im Einsatz. Die Zahl der Neukunden stieg im Jahresvergleich um 250 Prozent.
Besonders beeindruckend: Die wöchentliche Nutzungsdauer von Copilot erreicht inzwischen das Niveau etablierter Anwendungen wie Outlook. Das Tool wird zum festen Bestandteil des Arbeitsalltags.
Der größte bekannte Rollout läuft derzeit bei Accenture. Der Beratungsriese führt Copilot bei rund 743.000 Mitarbeitern ein. Erste interne Daten von 200.000 Lizenzen zeigen eine monatliche Aktivierungsrate von 89 Prozent. Die Mehrheit der Nutzer berichtet von deutlich schnelleren Routineaufgaben.
Die Zahl der Kunden mit mehr als 50.000 Lizenzen hat sich innerhalb eines Jahres vervierfacht. Und die Anzahl der Anfragen pro Nutzer stieg im Quartalsvergleich um fast 20 Prozent. Einmal eingeführt, finden Mitarbeiter offenbar immer neue Anwendungsmöglichkeiten.
Produktivität: Gewinne sichtbar, ROI unklar
Der Bericht zeigt: Softwareentwicklung bleibt der Bereich mit den deutlichsten Produktivitätssteigerungen. Weltweit stieg die Zahl der sogenannten „Git Pushes“ – das Hochladen von Code-Änderungen – um 78 Prozent im Jahresvergleich.
Juan Lavista Ferres, Microsofts Chef-Datenwissenschaftler, erklärte dazu: Steigt die Produktivität von Entwicklern, sinken die Kosten für Software. Bleibt die Nachfrage elastisch, bauen Unternehmen eher mehr Anwendungen – statt Personal abzubauen. Die Beschäftigtenzahlen untermauern das: Im März 2025 lag die Zahl der Entwickler rund vier Prozent höher als im Vorjahreszeitraum.
Doch außerhalb der IT-Abteilungen bleiben Führungskräfte vorsichtig. Viele Unternehmen setzen KI nur in ausgewählten Bereichen ein – weil sie nicht genau wissen, wie sie den Nutzen in weniger datengetriebenen Rollen messen sollen.
Die Folge: Ein „Bring Your Own AI“-Trend (BYOAI). Mitarbeiter nutzen private KI-Tools, um im Arbeitsalltag mitzuhalten – oft ohne offizielle Genehmigung. Das birgt Risiken für Datensicherheit und geistiges Eigentum.
Die globale Kluft wächst
Die Studie zeigt einen alarmierenden „AI Gap“ zwischen Regionen. 26 Volkswirtschaften melden inzwischen eine KI-Nutzung von über 30 Prozent der Erwerbsbevölkerung.
Spitzenreiter ist die Vereinigte Arabische Emirate mit 70,1 Prozent. Die USA liegen mit 31,3 Prozent auf Platz 21.
Der Unterschied zwischen Nord und Süd ist eklatant: Im Globalen Norden liegt die Nutzung bei 27,5 Prozent, im Globalen Süden bei nur 15,4 Prozent – eine Differenz von 12,1 Prozentpunkten, die weiter wächst.
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Laut Ferres wird diese Ungleichheit durch Infrastruktur, Sprachunterstützung und wirtschaftliche Barrieren verstärkt. Besonders stark zugelegt haben zuletzt asiatische Märkte wie Südkorea, Thailand und Japan – getrieben durch verbesserte Unterstützung lokaler Sprachen.
Daten sicherheit als Bremse
Der BYOAI-Trend bleibt eine der größten Herausforderungen. 78 Prozent der Arbeitnehmer nutzen eigenen Angaben zufolge private Tools im Job. Microsoft hat mit dem Purview AI Hub eine Lösung vorgestellt, um Risiken zu managen – doch der Konflikt zwischen Geschwindigkeit und Sicherheit bleibt.
Ausblick: Agentic AI als nächste Welle
Branchenbeobachter vergleichen die aktuelle Phase mit den Anfängen des Internets. Nach der Experimentierphase 2025 folgt nun der massive Ausbau der Infrastruktur und die Integration in bestehende Systeme wie Microsoft 365.
Der nächste Schritt: Agentic AI – Systeme, die eigenständig komplexe Aufgaben lösen, statt nur auf Befehle zu reagieren. Microsoft hat mit „Copilot Academy“ und „Copilot Labs“ bereits die Grundlagen gelegt.
Zwei Drittel der Führungskräfte geben an, sie würden Bewerber ohne KI-Kenntnisse ablehnen. Der Druck auf die Belegschaft, sich weiterzubilden, wächst rasant. Ob die nächste Welle der KI-Einführung gelingt, hängt davon ab, ob Unternehmen über bloße Zeitersparnis hinausgehen und Geschäftsprozesse grundlegend neu denken – um die hohen Kosten der Unternehmenslizenzen zu rechtfertigen.

