Microsoft-Lizenzstreit: Gericht stoppt Text-to-Speech-Verfahren

US-Gericht legt Microsoft-Cerence-Streit auf Eis und schaltet Copyright Office ein. Parallel ermittelt die britische Wettbewerbsbehörde gegen den Konzern.

Ein Bundesgericht in den USA hat den Rechtsstreit zwischen Microsoft und Cerence über Text-to-Speech-Software vorerst gestoppt. Das Urteil vom 24. Juni 2026 verlangt, dass zunächst das US Copyright Office den Fall prüfen muss, bevor das Verfahren fortgesetzt werden kann.

Worum geht es im Kern?

Der Konflikt dreht sich um die Nutzung von Sprachtechnologie. Cerence wirft Microsoft vor, bestimmte Text-to-Speech-Technologien weiterhin zu lizenzieren, obwohl der formelle Vertrag längst ausgelaufen sei. Die Rechte an der Software habe Cerence durch einen früheren Deal mit Nuance erworben. Als Microsoft Nuance 2022 übernahm, sei der ursprüngliche Lizenzvertrag nicht verlängert worden – so die Darstellung von Cerence. Seither soll Microsoft die Technologie unrechtmäßig genutzt und weiterlizenziert haben.

Das Gericht sieht nun die Copyright-Behörde in der Pflicht: Sie soll klären, wie bestehende Urheberrechtsgesetze auf auslaufende Lizenzvereinbarungen anzuwenden sind – besonders in Zeiten, in denen Software-Giganten durch Übernahmen immer größer werden.

Microsoft unter Druck: Wettbewerbshüter ermitteln

Der Rechtsstreit ist nur ein Puzzleteil in einer Reihe von Herausforderungen für Microsoft. Die britische Wettbewerbsbehörde CMA untersucht derzeit die Lizenzpraktiken des Konzerns. Google und die Open Cloud Coalition haben sich bereits in dem Verfahren zu Wort gemeldet.

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Die Zahlen, die dabei ans Licht kamen, sind beeindruckend: Microsoft 365 hält einen Marktanteil von 77 Prozent im Bereich der Unternehmens-Software (SaaS). Allein der britische öffentliche Sektor gab im Haushaltsjahr 2024/25 rund 1,9 Milliarden Pfund für Microsoft-Lizenzen aus. Kritiker sprechen von einem „Ecosystem Lock-in“ – die Kunden seien faktisch an den Konzern gebunden. Die Open Cloud Coalition beziffert die Mehrkosten für den britischen Staat auf umgerechnet rund 70 Millionen Euro pro Jahr.

Microsoft kontert: Der Aufstieg der Künstlichen Intelligenz sorge für mehr Wettbewerb. Man verweise auf Konkurrenten wie Google Workspace, Linux oder macOS. Die CMA will im Oktober 2026 einen Entscheidungsentwurf vorlegen, der endgültige Bericht folgt voraussichtlich im Februar 2027.

Neue Regeln für Sprach-KI

Der Streit zwischen Microsoft und Cerence fällt in eine Zeit rasanter Entwicklungen bei Sprachtechnologien. Der Justizausschuss des US-Senats hat am 18. Juni 2026 einstimmig den NO FAKES Act verabschiedet. Das Gesetz soll Bürger vor unautorisierten KI-generierten Kopien ihrer Stimme oder ihres Abbilds schützen – und zwar bis 70 Jahre nach dem Tod.

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Auch die Branche selbst sucht nach Standards: Die Plattform Voices hat am 24. Juni eine neue Infrastruktur vorgestellt, die eine ethische Lizenzierung professioneller Sprecher ermöglicht. Am selben Tag sicherte sich ElevenLabs die Rechte an der Stimme von Schauspieler Michael Caine für ein KI-erzähltes Hörbuch.

Die Entscheidung des Copyright Office im Fall Microsoft gegen Cerence dürfte wegweisend sein. Sie wird zeigen, wie flexibel das Urheberrecht ist – und ob alte Verträge in einer von Übernahmen geprägten Tech-Welt noch Bestand haben.