Microsoft öffnet mit neuen Lizenzen Tür für KI-Massenrollout

Microsoft erhöht die Lizenzobergrenzen für KI-Pakete massiv und entwickelt Copilot zu einem proaktiven Arbeitsagenten, während Sicherheits- und Governance-Tools ausgebaut werden.

Microsoft ebnet Großunternehmen den Weg für flächendeckende KI-Einsätze. Das Unternehmen hat die Lizenzobergrenzen für seine Premium-Dienste vervierfacht und treibt gleichzeitig die Integration von KI in alle Arbeitsabläufe voran. Diese strategischen Schritte unterstreichen die Ambitionen des Tech-Riesen, seine KI-Lösung Microsoft 365 Copilot zum Standard in Unternehmen zu machen.

Lizenz-Deckel vervierfacht: Turbo für Enterprise-Kunden

Der entscheidende Hebel für die Verbreitung ist eine neue Lizenzpolitik. Seit dieser Woche können Cloud Solution Provider (CSP) bis zu 9.999 Lizenzen für die Premium-Pakete Microsoft 365 E3, E5 und Copilot im Rahmen von Promotionen absetzen – statt bisher 2.400. Diese massive Erhöhung soll große Konzerne von umfangreichen Pilotprojekten zu unternehmensweiten Rollouts bewegen. Für Analysten ist das ein klares Signal: Microsoft will die Marktdurchdringung von Copilot beschleunigen und ihn als unverzichtbaren Teil der IT-Landschaft etablieren. Eine Ausnahme bleibt Copilot Business, dessen Promotions-Deckel bei 300 Lizenzen bleibt.

Vom Assistenten zum aktiven Arbeits-Agenten

Copilot selbst durchläuft eine fundamentale Transformation. Die Roadmap für 2026 sieht vor, dass die KI von einem chat-basierten Helfer zu einem proaktiven Arbeits-Agenten wird. Neu ist ein verbessertes „Gedächtnis“: Copilot nutzt Daten aus dem Microsoft Graph, um Antworten und Vorschläge präziser auf den Kontext und die vorherige Arbeit des Nutzers abzustimmen.

Unternehmen erhalten zudem mehr Kontrolle. Sie können Copilot mit eigenen Daten und Prozessen trainieren, um maßgeschneiderte Agenten für spezifische Aufgaben zu schaffen – etwa für das Verfassen komplexer Dokumente oder die Prüfung von Inhalten gegen interne Richtlinien. Begleitet wird dieser Schritt von strengeren Governance-Tools. Ein neues Copilot Dashboard und Integrationen in Microsoft Purview sollen helfen, die Nutzung zu messen und Datensicherheitsrisiken im Griff zu behalten.

Sicherheit im Fokus: MFA wird Pflicht

Unter der Oberfläche der KI-Innovationen arbeitet Microsoft an der Stabilität und Sicherheit der Plattform. Ein kritischer Schritt: Seit diesem Monat ist die Zwei-Faktor-Authentifizierung (MFA) für alle Anmeldungen im Microsoft 365 Admin Center verpflichtend. Zudem wurde mit Version 2601 der Microsoft 365 Apps ein Problem behoben, das das Öffnen bestimmter verschlüsselter E-Mails blockierte.

Das Unternehmen konsolidiert gleichzeitig sein Sicherheitsportfolio. Die Warnfunktion für endpoint-sensitive Daten im Microsoft Defender Portal wird eingestellt und in Microsoft Purview DLP integriert. Diese Vereinfachung ist notwendig, denn die Komplexität der Plattform wächst. Experten warnen jedoch vor Sicherheitslücken. Ein aktueller Bericht vom 12. Februar zeigt, dass viele Unternehmen bei Backups für Microsoft 365 Nachholbedarf haben – besonders bei der Wiederherstellung von Teams-Chats und Power-Platform-Anwendungen. Die hohe Verfügbarkeit der Microsoft-Infrastruktur entbindet Firmen nicht von der Eigenverantwortung für ihre Datensicherung.

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Während Microsoft Copilot unternehmensweit ausrollt, wächst die Angriffsfläche – viele Firmen sind bei MFA, sicheren Backups und Abwehr gegen Phishing noch unzureichend vorbereitet. Ein kostenloser Leitfaden fasst aktuelle Cyber-Security-Risiken und sofort umsetzbare Schutzmaßnahmen zusammen, speziell für IT‑Verantwortliche und Geschäftsführer. Holen Sie sich praxiserprobte Maßnahmen, die Sie ohne große Investitionen implementieren können. Jetzt kostenloses Cyber-Security-E-Book herunterladen

Teams: Neue Features und Abschied von Live Events

Auch der Collaboration-Hub Microsoft Teams wird umgebaut. Um Besprechungen produktiver zu gestalten, gibt es jetzt für spontane „Jetzt besprechen“-Meetings Loop-gestützte Notizen. Sie ermöglichen Echtzeit-Agendas und Aufgabentracking, die über alle Apps synchronisiert werden.

Ein bekanntes Feature geht dagegen in Rente: Teams Live Events wird am 30. Juni 2026 abgeschaltet. Kunden sollen auf die modernere „Town Halls“-Funktion umsteigen, die mehr Möglichkeiten für große Veranstaltungen bietet. Zur Entlastung der IT-Administratoren führt Microsoft bis Mitte Februar zudem die neue Rolle „Teams External Collaboration Administrator“ ein. Sie erlaubt die Verwaltung von Externen-Zusammenarbeit ohne umfassende Admin-Rechte. Verabschieden müssen sich Nutzer diesen Monat auch vom Designer-Bot und individuellen Begrüßungen für Entra ID-Sprachanrufe.

Strategie: Aggressive Expansion mit integrierter KI

Die vielen Updates zu Jahresbeginn offenbaren Microsofts klare Strategie: Die KI-getriebenen Premium-Pakete, insbesondere E5, sollen mit aller Kraft in Großunternehmen gedrückt werden – bei gleichzeitiger Absicherung der Plattform.

Die Vervierfachung der Lizenzgrenze ist eine direkte Kampfansage an Wettbewerber. Sie soll die finanzielle und logistische Hürde für einen unternehmensweiten Copilot-Einsatz senken. Die Entwicklung von Copilot zum anpassbaren Agenten spiegelt einen Branchentrend wider: KI soll nicht mehr nur auf Befehle reagieren, sondern aktiv in Arbeitsprozessen mitwirken.

Indem Microsoft Governance-Tools parallel zu den mächtigen neuen Features liefert, spricht es zentrale Bedenken von IT-Verantwortlichen an: Sicherheit, Compliance und messbarer Return on Investment. Die Zukunft ist weiterhin von Integration geprägt. Für die kommenden Monate kündigt Microsoft unter anderem an, dass Copilot Inhalte auf dem Bildschirm während Teams-Besprechungen verstehen und anspruchsvollere Chat-Zusammenfassungen generieren kann.

Für Unternehmen bedeutet dies, dass Microsoft 365 sich rasant von einer Produktivitätssuite zu einer intelligenten, vernetzten Plattform wandelt. Die Herausforderung für IT und Geschäftsführung wird sein, nicht nur mit den technischen Neuerungen Schritt zu halten, sondern auch Strategien für Einführung, Schulung und Steuerung zu entwickeln, um die versprochenen Produktivitätsgewinne dieser neuen KI-Ära voll auszuschöpfen.