Word, Excel und PowerPoint bekommen eine Modell-Auswahl – Claude zieht in Microsoft 365 ein.
Microsoft hat am 7. Mai 2026 eine der bedeutendsten Erweiterungen seiner Office-Suite gestartet: Nutzer von Word, Excel und PowerPoint können künftig zwischen verschiedenen KI-Modellen wählen. Neben den OpenAI-Modellen steht nun auch Anthropics Claude zur Verfügung. Der Schritt markiert den Übergang von einer reinen OpenAI-Strategie hin zu einem Multi-Modell-Ökosystem.
Die Funktion ist für Abonnenten von Microsoft 365 Copilot, Premium, Personal und Family verfügbar – sowohl auf dem Desktop als auch auf mobilen Geräten. Wer unterschiedliche Denkstile oder modellspezifische Stärken benötigt, kann direkt über die Copilot-Seitenleiste das passende Modell auswählen.
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Flexibilität im Copilot-Interface
Bisher war Microsofts KI-Assistent exklusiv an die Architektur von OpenAI gebunden. Mit der Integration von Claude reagiert der Konzern auf die wachsende Nachfrage nach „Agentic AI“ – Systemen, die nicht nur auf Befehle reagieren, sondern eigenständig komplexe Arbeitsabläufe steuern.
Praktisch bedeutet das: Wer in Word ein juristisches Dokument verfasst, könnte den präziseren Schreibstil von Claude bevorzugen. Wer in Excel umfangreiche statistische Analysen durchführt, greift womöglich lieber auf die Rechenstärke von OpenAIs GPT-5-Klasse zurück. Der direkte Vergleich der Ergebnisse wird möglich.
Microsoft folgt damit einem Branchentrend. Erst Anfang Mai hatte Mozilla.ai seinen Assistenten Octonous in die offene Beta gebracht – ebenfalls mit Wahlmöglichkeit zwischen Anthropic, Google Gemini und OpenAI. Microsofts Implementierung erreicht allerdings eine ganz andere Dimension: Millionen aktive Geräte weltweit.
Claude Managed Agents: Drei neue Funktionen
Die Integration fällt zeitlich mit einem großen Update von Anthropic zusammen. Am selben Tag veröffentlichte das Unternehmen drei neue Features für seine Claude Managed Agents, die bereits im April 2026 gestartet waren.
Besonders bemerkenswert ist die Funktion „Dreaming“, die sich derzeit in der Forschungsvorschau befindet. Sie erlaubt der KI, vergangene Sitzungen zu analysieren und ihr Gedächtnis zu verbessern – und das in Leerlaufzeiten. Das System lernt quasi aus der eigenen Geschichte.
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Hinzu kommt „Outcomes“: Ein Rahmenwerk, bei dem Erfolgskriterien vorab definiert werden. Ein separates Bewertungsmodell prüft anschließend, ob die Ergebnisse den Anforderungen entsprechen. Die dritte Neuerung, „Multiagent Orchestration“, erlaubt es einem Leit-Agenten, spezialisierte Teilaufgaben an Unter-Agenten zu delegieren. Branchenkreisen zufolge setzt Netflix diese Orchestrierung bereits für interne Prozesse ein.
Wettbewerb verschärft sich
Während Microsoft auf mehrere Modelle setzt, geben OpenAI und Google ebenfalls Vollgas. Anfang Mai 2026 aktualisierte OpenAI ChatGPT um „Memory Sources“ – mehr Transparenz darüber, welche Daten für die Personalisierung genutzt werden. Zudem erklärte OpenAI GPT-5.5 Instant zum neuen Standardmodell mit Verbesserungen bei Genauigkeit und Bildverständnis.
Am 7. Mai brachte OpenAI native ChatGPT-Add-ins für Microsoft Excel und Google Sheets auf den Markt. Sie ermöglichen Formelgenerierung, Datenbereinigung und Szenarioanalysen direkt in der Tabellenkalkulation.
Google wiederum ließ am 8. Mai Gemini Inhalte direkt in Word, PDF und Excel exportieren. Der Weg vom KI-Chat zum fertigen Dokument wird damit kürzer. Allerdings gab es auch Rückschläge: Am 4. Mai stellte Google Berichten zufolge Project Mariner ein – einen experimentellen Agenten, der wie ein Mensch das Web durchsuchen sollte. Hohe Rechenkosten und Datenschutzbedenken führten zum Aus, die Technologie soll jedoch in die Gemini-API einfließen.
Neue Player und globale Standards
Der Trend zu KI-nativen Arbeitsabläufen treibt auch Startups an. Pit, eine Plattform für automatisierte Enterprise-Workflows, sicherte sich am 7. Mai 16 Millionen US-Dollar von Investoren – darunter Andreessen Horowitz. Erste Anwender berichten von Effizienzgewinnen: Fast alle Rechnungseingänge ließen sich automatisieren, die Zeit für Marketingkampagnen sei drastisch gesunken.
Im globalen Productivity-Segment zog WPS Office nach. Die Suite mit über 670 Millionen monatlich aktiven Geräten integrierte am 30. April KI-Schreibassistenten für Übersetzung und Bearbeitung in mehr als 100 Sprachen. Der KI-Einzug in Büroanwendungen ist längst kein West-Phänomen mehr.
Auch Adobe mischt mit: Am 7. Mai launchte das Unternehmen einen Produktivitäts-Agenten für Acrobat. Er verwandelt PDFs in interaktive „PDF Spaces“ und generiert Zusammenfassungen, Podcasts oder Social-Media-Beiträge direkt aus statischen Dokumenten.
Ausblick: Vom Chat-Tool zur Arbeitsplattform
Die Integration von Claude in Microsoft 365 zeigt, dass der KI-Markt erwachsen wird. Es geht nicht mehr um die Neuheit von Chat-Funktionen, sondern um den praktischen Nutzen spezialisierter Agenten. Für Microsoft reduziert die Modellvielfalt das Risiko, von einem einzigen Anbieter abhängig zu sein. Für Anthropic eröffnet sich ein massiver Vertriebskanal.
Für IT-Administratoren rücken künftig Governance und Sicherheit in den Fokus. Microsoft kündigte am 7. Mai eine „Cross-Tenant Email Recall“-Funktion an: Organisationen können damit Nachrichten zurückrufen, die an externe Partner gesendet wurden – ein notwendiges Sicherheitsnetz, wenn KI-Agenten eigenständig kommunizieren.
Die Grenzen zwischen Cloud-KI und lokalem Betriebssystem verschwimmen zunehmend. Perplexity brachte am 7. Mai eine native macOS-App auf den Markt, die Aufgaben auf lokalen Dateien und Apps ausführen kann. Für professionelle Anwender ist die KI-Arbeitsplattform 2026 kein einzelnes Tool mehr, sondern eine konfigurierbare Umgebung – mit der Freiheit, den besten Motor für jede Aufgabe zu wählen.

