Microsoft Office 2021: Support endet am 13. Oktober 2026

Die Document Foundation wirft Microsoft, Google und OnlyOffice vor, das offene ODF-Format systematisch zu benachteiligen. Die EU-Verwaltungen leiden unter den Folgen.

Die Document Foundation erhebt schwere Vorwürfe: Große Technologiekonzerne sollen das offene OpenDocument-Format (ODF) systematisch benachteiligen. Das geht aus einer Analyse hervor, die die Organisation am 31. Juli veröffentlichte. Für öffentliche Verwaltungen in der EU hat das weitreichende Folgen.

Drei Mechanismen der Marktbehinderung

Die Stiftung, die hinter der freien Office-Suite LibreOffice steht, identifiziert Microsoft, Google und OnlyOffice als zentrale Akteure, die die Verbreitung des offenen Standards erschweren. Drei Strategien sollen dabei zum Einsatz kommen: Die anhaltende Nutzung von Office Open XML (OOXML) als primäres Referenzformat sichere die Marktdominanz proprietärer Ökosysteme. Zudem investierten die großen Anbieter systematisch zu wenig in die ODF-Unterstützung. Schließlich nennt die Analyse sogenannte „Disqualifizierungstaktiken“ – Versuche, ODF als weniger leistungsfähig oder inkompatibel darzustellen.

Die Folgen dieser strategischen Behinderung sind konkret spürbar. Verwaltungen in der gesamten Europäischen Union kämpfen weiterhin mit hartnäckigen Interoperabilitätsproblemen. Microsofts XLSX-Format hält aktuell einen Marktanteil von über 80 Prozent – eine enorme Hürde für Organisationen, die auf offene Standards umsteigen wollen.

Support-Ende als Chance für LibreOffice

Die Kritik kommt zu einem strategisch günstigen Zeitpunkt. Der Support für Microsoft Office 2021 endet am 13. Oktober 2026. Die Document Foundation wirbt daher für einen Wechsel zu LibreOffice – mit guten Argumenten: Als Open-Source-Projekt gibt es kein festes Support-Ende und keine wiederkehrenden Lizenzkosten.

Bereits im Juli 2026 wurden Nutzer von Microsoft Office 2019 für Mac mit einem eingeschränkten Funktionsmodus konfrontiert. LibreOffice hingegen entwickelt sich kontinuierlich weiter. Die jüngsten Versionen brachten dynamische Array-Funktionen wie XLOOKUP und XMATCH. Die Tabellenkalkulation bietet inzwischen 517 Funktionen – der kommerzielle Hauptkonkurrent kommt auf 492.

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Interne Turbulenzen und neue Finanzierungswege

So sehr sich die Document Foundation als Verteidigerin offener Standards positioniert – die Organisation selbst durchlebte in den vergangenen Monaten eine schwierige Phase. Im April 2026 erschütterte eine Governance-Krise die Stiftung: Mehrere Mitarbeiter eines großen Partners wurden ausgeschlossen, woraufhin über 30 Entwickler das Projekt verließen.

Um die Zukunft zu sichern, geht die in Berlin ansässige Non-Profit-Organisation neue Wege bei der Finanzierung. Die kommende Version LibreOffice 26.8 wird im Start Center einen Spenden-Banner enthalten. Das Feature befindet sich derzeit in der Testphase und soll der Stiftung eine stabilere finanzielle Basis verschaffen.

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Auch die Sicherheit bleibt ein Dauerthema. Anfang Juli entdeckten Forscher eine Pufferüberlauf-Schwachstelle in der AgileEngine. Angreifer könnten damit einen Denial-of-Service-Zustand auslösen oder Code ausführen. Der Vorfall zeigt: Auch freie Software benötigt kontinuierliche Wartung.

Digitale Souveränität als Treiber

Die Interoperabilitätsdebatte beflügelt europäische Alternativen. Die Initiative EuroOffice positioniert sich als cloudbasierte, europäische Antwort auf Microsoft 365 – ein direktes Reaktion auf geopolitische Unsicherheiten und den Wunsch nach lokaler Datenkontrolle. Ähnliche Bestrebungen gab es bereits früher, etwa als die französische Regierung auf Linux-basierte Plattformen umstellte.

Auch WPS Office bleibt im Rennen – vor allem durch die vertraute Benutzeroberfläche. Die Suite punktet mit hoher Kompatibilität zu Microsoft-Formaten und geringem Ressourcenverbrauch. Ein entscheidender Unterschied bleibt jedoch: WPS Office setzt auf ein Freemium-Modell mit Werbung, während LibreOffice vollständig kostenlos und quelloffen ist.