Microsoft Q1 2027: Azure-Umsatz kommt erstmals als konkrete Dollarzahl

Microsoft plant für das erste Quartal hohe Infrastrukturinvestitionen; der erwartete freie Cashflow fällt gegenüber dem Vorjahr deutlich niedriger aus.

•

Microsoft verändert die Berichterstattung über seine Cloud-Sparte grundlegend. Mit der Vorlage der Ergebnisse für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 weist der Softwarekonzern erstmals den konkreten Quartalsumsatz der Cloud-Plattform Azure separat in US-Dollar aus.

Bislang hatte das Unternehmen für Azure lediglich prozentuale Wachstumsraten veröffentlicht. Die Veröffentlichung erfolgt nach dem US-Börsenschluss, gefolgt von einer Telefonkonferenz für Analysten.

Neue Berichtsstruktur für Cloud und Infrastruktur

Der Schritt geht mit einer Neuordnung der Konzernsegmente einher. Microsoft stellt von der bisherigen Drei-Segment-Struktur auf ein Modell mit zwei Geschäftsfeldern um: „Agents and Infra“ sowie „Devices and Consumer“. Der frühere Bereich Intelligent Cloud geht im Segment Agents and Infra auf. Zugleich wandern GitHub Cloud und Security Copilot in den Bereich Microsoft 365.

Für das neue Segment Agents and Infra stellte das Management für das erste Quartal einen Umsatz von 75,15 bis 75,75 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Im Vorjahr lag der bereinigte Vergleichswert bei 61,672 Milliarden US-Dollar, was in der Mitte der Spanne einem Zuwachs von rund 22,3 Prozent entspricht.

Die gesonderte Prognose für das Azure-Wachstum von 44 bis 45 Prozent bei konstanten Wechselkursen bezieht sich auf das Geschäft mit revidierten Grenzen und deckt sich nicht mit dem gesamten Segmentwachstum.

Hohe Erwartungen der Analysten an das Cloud-Wachstum

Im gesamten Geschäftsjahr 2026 erreichte Azure nach Unternehmensangaben einen Jahresumsatz von 101,94 Milliarden US-Dollar und überschritt damit nach einem Vorjahreswert von restatierten 72,61 Milliarden US-Dollar erstmals die Marke von 100 Milliarden US-Dollar. Für das vorangegangene Auftaktquartal wies Microsoft einen Azure-Umsatz von 22,38 Milliarden US-Dollar aus.

An der Wall Street liegen die Erwartungen hoch. StreetAccount prognostizierte zuletzt einen Azure-Quartalsumsatz von 32,32 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von mehr als 44 Prozent entspräche. Visible Alpha rechnet mit einem Plus von 47,7 Prozent, während Morgan Stanley rund 47 Prozent erwartet.

Ein Analyst von BNP Paribas erklärte, dass Investoren von einem Zuwachs um rund 46 Prozent ausgehen. Weitere Marktschätzungen für den Azure-Umsatz bewegen sich zwischen 32,2 und 33,06 Milliarden US-Dollar.

Für den Konzernumsatz insgesamt gab Microsoft eine Zielspanne von 89,85 bis 90,95 Milliarden US-Dollar aus. Der Marktkonsens liegt bei 90,6 bis 90,75 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 16,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspräche. Beim bereinigten Gewinn je Aktie erwarten Analysten 4,71 bis 4,73 US-Dollar, verglichen mit 4,13 US-Dollar im Vorjahr.

Anzeige

Wer moderne Cloud-Systeme und KI-Anwendungen im Unternehmen einsetzt, muss die neuen regulatorischen Rahmenbedingungen genau kennen. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Unternehmer jetzt im Blick behalten müssen. Kostenloses Cyber-Security E-Book herunterladen

Massive Investitionen belasten den freien Cashflow

Der Ausbau der Infrastruktur für künstliche Intelligenz schlägt sich deutlich in den Investitionsausgaben nieder. Unter Einbeziehung von Finanzierungsleasingverträgen sowie Änderungen bei Abschreibungen für Rechenzentren beläuft sich die Schätzung von StreetAccount für das Quartal auf 50,67 Milliarden US-Dollar; die konzerneigene Prognose liegt bei über 50 Milliarden US-Dollar nach 41 Milliarden US-Dollar im Vorquartal.

Für das Jahr 2026 stellte Microsoft Gesamtinvestitionen von 175 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Im vierten Quartal gingen 31 Rechenzentren ans Netz, nachdem in den ersten drei Quartalen 57 in Betrieb genommen worden waren.

Die hohen Ausgaben hinterlassen Spuren in der Liquidität: Der erwartete freie Cashflow sinkt im Vorjahresvergleich um 69 Prozent auf 7,99 Milliarden US-Dollar, nach 25,7 Milliarden US-Dollar im Vorjahr und 19,6 Milliarden US-Dollar im Vorquartal. Die Bruttomarge im Bereich Microsoft Cloud lag zuletzt bei 65 Prozent.

Rückhalt geben langfristige Verpflichtungen: Die vertraglich zugesicherten, noch nicht abgerechneten kommerziellen Erlöse beliefen sich zuletzt auf 678 Milliarden US-Dollar. Für das erste Quartal wird ein Anstieg auf 705,6 Milliarden US-Dollar erwartet, verglichen mit 389 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum.

Anzeige

Die rasante Entwicklung von KI-Infrastrukturen führt auch zu neuen gesetzlichen Regeln wie dem EU AI Act, die viele Unternehmen noch nicht kennen. Ein kostenloser Download verschafft Ihnen jetzt den nötigen Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen. KI-Umsetzungsleitfaden gratis anfordern

Microsoft hält einen Anteil von rund 25 Prozent an OpenAI und investierte dort 13 Milliarden US-Dollar; OpenAI erwarb im Gegenzug Azure-Dienste für 250 Milliarden US-Dollar. Zudem investiert Microsoft bis zu 5 Milliarden US-Dollar in Anthropic, während Anthropic Azure-Kapazitäten im Umfang von 30 Milliarden US-Dollar bucht.

Parallel zu den Investitionen strafft der Konzern seine Kostenstruktur. Im Quartal wurden 4.800 Stellen abgebaut, zudem kündigte Microsoft Abfindungsangebote für bis zu 60.000 Mitarbeiter an. Am Berichtstag notierte die Aktie am Vormittag an der US-Börse bei 530,37 US-Dollar.

Im bisherigen Jahresverlauf legte das Papier um rund 10 Prozent zu. Von 60 Analysten raten derzeit 57 zum Kauf, wobei die Kursziele am Markt bis zu 675 US-Dollar reichen. Der Optionsmarkt preist für die Veröffentlichung eine Kursbewegung von 4,3 Prozent ein.