Microsoft gewährt europäischen Unternehmen ab Februar eine seltene Preissenkung für Cloud-Dienste. Doch Analysten warnen: Ab Juli drohen deutliche Aufschläge für KI-Funktionen.
Redmond/Wiesbaden. Der Tech-Riese Microsoft bringt Bewegung in den europäischen Cloud-Markt. Wie das Unternehmen bestätigte, werden die Listenpreise für seine Commercial Cloud-Dienste in Euro ab dem 1. Februar 2026 um 7,4 Prozent gesenkt. Der Schritt ist Teil der halbjährlichen globalen Preisanpassung, die Wechselkursschwankungen ausgleichen soll. Für viele Unternehmen im Euroraum bedeutet das eine spürbare finanzielle Entlastung. Doch die Freude könnte nur von kurzer Dauer sein: Bereits im Juli plant Microsoft separate, teils drastische Preiserhöhungen für Pakete mit erweiterten KI-Funktionen.
Währungsbereinigung bringt Preissenkung für Eurozone
Hinter der aktuellen Senkung steckt eine einfache Rechnung: Der Euro hat sich in den vergangenen Monaten gegenüber dem US-Dollar deutlich gestärkt. Microsoft passt seine Preise in lokalen Währungen halbjährlich an diesen Wechselkurs an, um weltweit eine einheitliche Preisbasis zu schaffen. Nach den kräftigen Preiserhöhungen der Jahre 2023 und 2024, als ein schwacher Euro die Kosten in die Höhe trieb, kehrt sich der Trend nun vorübergehend um.
Passend zum Thema KI‑Aufschläge: Die EU hat seit 2024 neue Regeln für KI-Systeme eingeführt – viele Unternehmen unterschätzen die Folgen für Kennzeichnungspflichten und Dokumentationspflichten. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden erklärt verständlich, welche Pflichten jetzt gelten, welche Übergangsfristen zu beachten sind und wie Sie Ihr KI‑Einsatzportfolio richtig klassifizieren, um Risiken zu vermeiden. KI‑Verordnung: Umsetzungsleitfaden für Unternehmen herunterladen
Von der Reduzierung profitieren alle kommerziellen Cloud-Dienste, die in Euro abgerechnet werden. Dazu zählen die weit verbreiteten Microsoft 365– und Office 365-Pakete sowie Dynamics 365 und die Power Platform. Auch andere europäische Währungen werden angepasst: Der Schweizer Franken (CHF) wird um 9,5 Prozent günstiger, die Schwedische Krone (SEK) sogar um 13,5 Prozent. Für die Dänische und Norwegische Krone sind Senkungen von rund 7,4 bzw. 7,2 Prozent vorgesehen.
Wichtig für IT-Entscheider: Die Anpassung betrifft ausschließlich Cloud-Dienste. Lizenzen für On-Premises-Software bleiben unverändert. Auch Azure-Dienste, die unter dem Microsoft Customer Agreement (MCA) gekauft werden, werden weiter global in US-Dollar fakturiert und unterliegen damit nicht der direkten Listenpreis-Änderung.
Zeitfenster für Vertragsverlängerungen nutzen
Marktbeobachter sehen in den kommenden Monaten ein kritisches strategisches Zeitfenster. Die Währungssenkung im Februar ist von einer bereits für Juli 2026 angekündigten, globalen Produkt-Preiserhöhung zu trennen. Diese wird mit dem Einbau neuer Funktionen begründet – vor allem mit fortschrittlichen KI-Fähigkeiten, erweiterten Sicherheitsfeatures wie Microsoft Defender und neuen Management-Tools in die Microsoft-365-Suiten.
Die geplanten Aufschläge ab dem 1. Juli sollen je nach Tarif zwischen 5 und 33 Prozent liegen. Besonders betroffen sind voraussichtlich die Enterprise-Pläne E3/E5 sowie Frontline-Worker-Lizenzen (F1/F3).
„Unternehmen sollten jetzt handeln“, raten Branchenberater. Wer seine jährlichen oder mehrjährigen Verträge zwischen Februar und Juni 2026 verlängert, kann die niedrigeren, währungsbereinigten Preise sichern, bevor die produktgetriebenen Erhöhungen im Sommer wirksam werden. Für Firmen mit Verlängerungsterminen in der zweiten Jahreshälfte lohnt sich eine Prüfung von Optionen für eine vorzeitige Vertragsverlängerung.
Komplexes Preismodell erfordert strategische Planung
Die Reaktionen aus der europäischen IT-Branche fallen verhalten positiv aus. Für viele Managed Service Provider (MSPs) ist die Senkung ein willkommenes Instrument zur Kundenbindung in einem hart umkämpften Markt. In Zeiten streng geprüfter IT-Budgets ist eine fast achtprozentige Reduzierung der Kernlizenzkosten ein handfestes Argument für jeden CIO.
Doch die zunehmende Komplexität des Microsoft-Lizenzmodells stellt Unternehmen vor Herausforderungen. Die Senkung im Februar und die Erhöhung im Juli müssen gegeneinander abgewogen werden. Für manche Kunden könnte der Juli-Effekt den Februar-Vorteil rasch zunichtemachen.
Langfristig signalisiert Microsoft klar, wohin die Reise geht: KI-Funktionen wie Copilot werden nicht länger als Add-on, sondern als wesentlicher Bestandteil der Standard-Abonnements betrachtet. Diese „Aufwertung“ rechtfertigt aus Sicht des Konzerns die anstehende Preiskorrektur.
Für europäische Unternehmen bleibt zunächst die positive Schlagzeile: Die Kosten für die Microsoft-Cloud sinken erstmals seit Jahren – zumindest für ein paar Monate. Die strategische Lizenzplanung steht in den kommenden Wochen ganz oben auf der Agenda vieler IT-Abteilungen.
PS: Wenn Ihre IT‑Abteilung künftig KI‑Features, Compliance und Sicherheitsanforderungen gleichzeitig managen muss, hilft ein kompakter Gratis‑E‑Book-Leitfaden zur IT‑Sicherheit und KI‑Compliance. Er zeigt praxisnah, welche Schutzmaßnahmen gegen neue Cyber‑Risiken nötig sind, wie Sie Security‑Kontrollen effizient integrieren und welche Dokumentation Prüfern und Regulatoren genügt. Gratis‑E‑Book: KI‑Regeln & IT‑Sicherheit jetzt herunterladen





